20 Jahre Playstation in Europa: Unsere Besten für Sonys erste Konsole!

29. September 1995: Vor 20 Jahren erschien die Playstation in Europa. Sonys erste Konsole war für viele ein Wegbegleiter ihrer Adoleszenz. Nur die uncoolen Grundschulkids spielten noch mit Mario oder Sonic – unsere Helden hießen fortan Chris Redfield und Solid Snake. Zur Feier des Tages huldigen wir unseren Lieblingstiteln von damals!

Patrick:

Silent Hill_Playstation

Resident Evil war ein Erweckungserlebnis. Schockmomente im Herrenhaus – schön und gut. Doch die wahre Offenbarung war für mich Silent Hill. Zumindest im Nachhinein. Damals stellte mich der permanente psychologische Horror auf meine erste harte Gaming-Probe. Schon das kleinste Rauschen aus dem Taschenradio, das die Anwesenheit von nahen Monstern verriet, erweckte in mir das unweigerliche Bedürfnis, die Playstation auszuschalten und mich harmloseren Spielen wie Crash Bandicoot zu widmen. Für immer. Eine morbide Faszination und das Pflichtbewusstsein, Harry Masons Töchterchen wiederzufinden, zwangen mich jedoch, mich meinen Ängsten zu stellen. Eine virtuelle Konfrontationstherapie, die man nie vergisst.

 

Parasite Eve 2_playstation

Ähnlich hält es sich mit Parasite Eve 2. Was für viele Resident Evil-Fans der Tyrant war, waren für mich die Stranger. Die Transformation einer jungen, liebreizenden Frau in ein furchterregendes Ungetüm verfolgte mich bis in den Schlaf. Dieses qualvoll aufreißende Gesicht. Das unheilvolle Farbenspiel in den Pupillen, bis nur noch dunkle, ausdruckslose Augenhöhlen zurückbleiben. Dazu dieses schmerzerfüllte Gluckern. Wenn ich könnte, würde ich mit einer Zeitmaschine in die Vergangenheit reisen. Um meinem Vater für die Verletzung seiner Aufsichtspflicht gehörig in die Nüsse zum treten. Und um anschließlend mit meinem jüngeren Ich die letzten Bossfights zu knacken.

 

Heart of Darkness_Playstation

Eric Chahis Apocalypse Now: Als Heart of Darkness nach sechs langen Jahren der Entwicklung erschien, war es technisch längst veraltet. Nur weil für die Demo-Playstation bei Karstadt nichts anderes da war – Fifa Frankreich 98 war nach tumultartigen Szenen aus dem Programm verbannt worden – gaben wir diesem grafischen Spätzünder eine Chance. Und siehe da: Heart of Darkness ist ein fantastisches Rätsel-Jump ’n‘ Run mit tollen Charakteren, skurrilen Einfällen und morbiden Todesanimationen. Eine Art vorweggenommenes Limbo, das sich auch heute noch wunderbar spielen lässt. Während viele 3D-Konsorten von damals mittlerweile ungenießbar sind, ist das 2D-Abenteuer in Würde gealtert. So kann’s gehen. Einen Sommer lang (in Wahrheit waren es wohl zwei Ferienwochen) hielt uns das Spiel beschäftigt. Bis Karstadt den Fifa-Bann aufhob.

 

Tony Hawks Pro Skaer_Playstation

Das Spiel zum richtigen Zeitpunkt. Mit dem Skateboard wollte es in Echt nicht klappen, da kam Tony Hawk’s Pro Skater gerade recht. Vom ersten Hochgefühl, das mich ereilte, als ich im tausendsten Anlauf mit Ach und Krach durch den ersten Contest im Spiel gewunken wurde bis zu den schlafwandlerischen Endlos-Combos – das Spiel mit der perfekten Lernkurve war eine Wucht. Dazu der fantastische Punk-Soundtrack, der meiner Musiksozialisation den entscheidenden Kick verpasste. Außerdem erfuhr ich erstmals, was selektive Wahrnehmung bedeutet. Auf meinem Schulweg entdeckte ich immer wieder neue Rails, die ich im Chad Muska-Style abgrindete. Gedanklich, versteht sich. In Wirklichkeit reichte es nicht mal für einen Ollie.

 

Micro Machines V3_Playstation

So sehr ich Mario Kart auf dem Super Nintendo liebte – auf einmal konnten mir Schildkrötenpanzer und Bananenschale gestohlen bleiben. Micro Machines V3 war in der PSOne-Ära der Fun-Racer schlechthin für mich. Mit Freuden denke ich an den Geschwindigkeitsrausch im Miniaturformat zurück. An die herrlich detailverliebten Rennstrecken auf Billardtischen und Schulbänken mit ihren fiesen Hindernissen. Und natürlich an die vielen Wutausbrüche, Handgemenge und Freundschaftskündigungen, die der Multiplayer-Modus mit sich brachte. Höchste Zeit für eine Neuauflage. Codemasters, übernehmen sie!

 

Thomas:

FCLAPD

Auf einer Heft-CD fand ich damals die Demo zu diesem unscheinbaren Action-Spiel – und investierte sofort 100 Mark (!) in die Vollversion. Als schwer bewaffneter Polizei-Roboter – der frappierend an Ed 209 aus Robocop erinnert – durch die Straßen von Los Angeles zu stampfen und für Recht und Ordnung zu sorgen, hat einfach unheimlich Spaß gemacht. Neben der actiongeladenen, knapp achtstündigen Kampagne, die man auch zu zweit im Splitscreen angehen durfte, hat es uns vor allem der Multiplayer angetan, bei dem man wahlweise gegen die KI oder einen Kumpel antreten konnte und der um eine kleine, aber feine Strategie-Komponente erweitert wurde. Ein toller und unterschätzter Shooter, den man heute noch im PS-Store downloaden kann.

ISS

Fußballspiele gibt es auf der Playstation zur Genüge. Doch das realistischste Gebolze liefert schon damals Konami mit dem Vorgänger zu Pro Evolution Soccer. Das es keine Lizenzen gab – geschenkt. Immerhin konnte ich alle Namen im Editor korrigieren. Dass es keine nationalen Ligen gab – mir egal. Dafür gab es neben Welt- und Kontinentalmeisterschaften die motivierende Meisterliga, bei denen ich mein Team aus Nobodies von Sieg zu Sieg führte und schrittweise mit Stars verstärkt habe. Aber das alles war ohnehin Makulatur, wenn Kumpels zu Besuch waren – denn im Multiplayer hat Konamis Edelkicker schon damals sein volles Potenzial entfaltet. Natürlich waren spätere Serienteiler umfangreicher und besser, den meisten Spaß hatte ich aber mit ISS Pro Evolution.

DC2

Dank Jurassic Park waren in den 90ern Dinos der Shit – und Capcom wollte ein Stück vom Kuchen abhaben. Dino Crisis war 1999 ein nettes Survival Horror Game, bei dem die Zombies aus Resident Evil gegen Velociraptoren ausgetauscht wurden. Doch erst der Nachfolger von 2000 konnte mich wirklich begeistern. Auf das tolle Render-Intro folgte ein temporeicher Shooter. Mit dicken Waffen wurden allerlei Urzeitechsen zurück in die Steinzeit befördert. Dafür gabs Punkte, die sogleich in noch dickeres Tötungswerkzeug investiert wurden. Neben einem größeren Waffenarsenal gab es auch abwechslungsreichere Levels und deutlich mehr Dinosaurier. Der actionorientierte Ansatz hat bei mir damals einen echten Nerv getroffen. Schade, dass die Reihe mit Teil 3 auf der ersten Xbox degeneriert ist und heute keine Rolle mehr spielt.

RE2

Mit Resident Evil hat Capcom ein neues Genre aus der Taufe gehoben. Doch mit dem Nachfolger, der Teil 1 in nahezu allen Belangen in den Schatten stellt, gelingt es ihnen sogar, dieses zu perfektionieren. Inszenierung und Abwechslung haben seinerzeit ihres Gleichen gesucht. Wer wollte, konnte Resident Evil 2 viermal durchspielen. Abhängig davon, mit welchem der beiden Charaktere die erste Runde angegangen wurde, gestalteten sich Laufwege und Rätsel im nächsten Spieldurchlauf anders – so dass man auch in den Genuss ganz neuer Zwischensequenzen kam und neue Details der Hintergrundgeschichte erfuhr. Überflüssig zu erwähnen, dass es obendrein mehr Waffen, abwechslungsreichere Levels und besseres Monsterdesign gab. Resident Evil 2 ist ein Meisterwerk des Genres. Ich danke dem Videospiel-Gott dafür, dass Capcom endlich ein Remake angekündigt hat.

MGS_Tommi

Mit The Phantom Pain ist vor ein paar Wochen Teil 5 erschienen, mich reizt die Serie aber schon seit Teil 2 nicht mehr so wirklich. Zu abgedreht, zu abstrus, zu wenig Gameplay. Aber Teil 1 auf der Playstation ist eine unvergessene Erfahrung. Denn es beweist, wie filmisch Videospiele inszeniert sein können. Metal Gear Solid ist voll von erinnerungswürdigen Momenten. Einige davon, wie der Bosskampf gegen Psycho Mantis, sind Videospielgeschichte. Aber auch die grandiose Eröffnungsszene, die unheimliche Aufzugsfahrt mit den unsichtbaren Begleitern, die Foltersequenz oder das Scharfschützenduell mit Sniper Wolf, dessen finaler Ausgang mir sogar eine Träne entlockt, sind mir nach über 20 Jahren im Gedächtnis geblieben. Metal Gear Solid war ein prägendes Erlebnis und muss einfach mit dem ersten Platz belohnt werden.

 

Tobi:

FF-7-logo-ps1

Auch wenn ich heute nicht mal mehr ein Viertel der Story zusammen bekomme, kann ich mich noch sehr gut an die Freude erinnern, die mir der siebte Teil der Final Fantasy-Reihe beschert hat. Das Spiel hatte alles, was mein 12-jähriges Single Player-Herz begehrte. Eine düstere Dysotopie, einen punkigen Helden mit fetter Waffe, eine spannende, aber auch herzzereißende Story (über drei CDs lang Spannung, keine Langeweile), Magie und Chocobos. Eines der wenigen Japan-RPGS, das ich von vorne bis hinten durchgespielt habe.

FIFA_99_PS1

„Right about now, the funk soul brother…check it out now“, dieser Song von Fatboy Slim hat sich für ewig in meine Gehörgänge gebrannt, lief es doch studenlang während des Pausenmodus von FIFA 99, während man auf seinen Gegenspieler wartete, der gerade austreten oder Snacks holen war. FIFA 99 war noch Gebolze pur mit ein paar „Könnertricks“ und das lässt mich mit einem Seufzer auf das Ende der 90er zurückdenken. An die Zeit, in der ich nicht 0:16 mit Bayern München gegen Oberhausen verloren habe.

ridgeracertype4_ps1jpg

Anscheinend verbinde ich die PS1 mit vielen Genres, die ich heute wenig bis gar nicht mehr spiele. Mit Rennspielen zum Beispiel. Bei Ridge Racer Type 4 war ich noch voll dabei, immer auf der Jagd nach neuen Karren und mehr Ruhm für mein Team. Slides waren an der Tagesordnung. Damals war ich darüberhinaus noch begeistert von Grafik, Sound und Musik. Man Ridge Racer, altes Haus, sind wir alt geworden.

 

Steini:

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Im Oktober 1996 wurde meine wohldokumentierte Liebe zu Rennspielen geweckt. Bei dem Kauf einer Playstation erhielt man damals eine Demo CD, auf ihr befand sich eine Kurzversion von Wipeout 2097. Schnell auf den Wunschzettel fürs Christkind notiert, nur um am Heiligabend ein langes Gesicht zu machen: Vater hatte den Vorgänger – Wipeout – geschenkt (Wenn Eltern Videospiele kaufen…). Das erste Wipeout war aber auch nicht zu verachten, obwohl 2097 um Längen besser war. Für jemanden, der nie eine Nintendo Konsole besessen hatte, war Wipeout der Mario Kart-Moment schlechthin. Der düstere Rennsport in der Zukunft hatte unglaubliches Appeal. Zu abgedrehten Strecken und Power-Ups gesellten sich die halsbrecherische Geschwindigkeit der Anti-Gravity Racing League, Bombast-Grafik und ein genialer Soundtrack. Seit Wipeout 2097 bin ich fanatischer Fan der Rennserie; die Folgetitel konnten mich immer überzeugen.

 

G-Police-Logo

Genau ein Jahr später – im Oktober 1997 – erschien G-Police. Wipeout und der „Helikopter“-Simulator entstammten aus der selben Kultschmiede: Psygnosis (Unter anderem auch Destruction Derby, Rollcage und Overboard!). Wieder ging es in eine dystopische Zukunft. In dunklen Häuserschluchten, die an Blade Runner erinnerten, legte man Verbrechern in bester Air Wolf-Manier das Handwerk. Oder besser gesagt: Man versuchte es. G-Police war unglaublich schwer. Der Polizei-Helikopter war schwer zu dirigieren, die Missionen knackig und Speicherpunkte rar gesäht. Auf der Haben-Seite entwickelte G-Police eine interessante Story und war eines der schönsten Playstation Spiele. Der Simulator war auch einer der ersten Titel, der an der Leistungsgrenze der Konsole kratzte.

 

MediEvil-Logo

MediEvil erschien 1998. In dem Spiel aus dem Hause SCE ging es zu gleichen Teilen darum, aus Untoten richtige Tote zu machen und Sprungpassagen zu absolvieren. Die Story: Der böse Zauberer Zarok will das Königreich Gallowmere erobern, zu diesem Zweck reaktiviert er eine Armee von Zombie-Kreaturen. Einziger Schönheitsfehler: Sein Erzfeind Sir Daniel Fortesque steht ebenfalls wieder auf. Der Spieler übernahm die Geschicke von Sir Dan und sagte dem größenwahnsinnigen Magier den Kampf an. Sir Dan war jedoch nicht der Held, zu dem er in Mythen und Sagen gemacht wurde. Das einäugige Skelett mit geringen Selbstwertgefühl war ein ausgesprochener Hasenfuß! MediEvil war ein charmantes und durchaus witziges Abenteuer mit einer tollen Story. Die hackelige Steuerung und der zu leichte Schwierigkeitsgrad trübten das Erlebnis ein wenig.

 

David:

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Ich habe es schon ausführlich im Jump ’n‘ Run-Podcast gesagt: Ich liebe Skullmonkeys. Der schräge Humor, die liebevollen Knetanimationen und das knackige Gameplay haben mich 1998 und auch kürzlich beim mal wieder Spielen ans Gamepad gefesselt. Allein, dass man gegen einen Bossgegner kämpfen muss, der einen riesigen Kopf (ein Foto eines Entwicklers) als Körper hat. Da lege ich mich jetzt mal fest: Das beste 2D-Jump ’n‘ Run der 32-Bit Ära.

 

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Nach Thomas muss auch ich sagen: Metal Gear Solid ist das beste Spiel auf der Playstation. Bei keinem anderen Titel auf der Playstation haben sich mehr Momente in die Gehirnwindungen geritzt. Der Kampf gegen Psycho Mantis, der unsichtbare Ninja, das Schneefeld bevor es in die Basis auf Shadow Moses geht. Die Liste ist noch viel länger, aber ich erspare es euch. Auch schafft es Hideo Kojima hier noch seine Beklopptheiten, die in späteren Teilen sich Bahn brechen im Griff zu behalten.

 

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Es war schon damals nicht schön, das gebe ich zu. Aber ich habe auch ein Herz für Spiele, die eine Grafikhure nicht mal mit einem Stock anstubsen würde. Auch wenn Tekken 3 viel, VIEL besser aussieht. Meine wärmsten Erinnerungen hängen mit Tekken 2 zusammen. Es war das erste Spiel,dass ich intensiv gezockt habe. Einen ganzen Sommer lang habe ich bei meinem damals besten Kumpel abgehangen. Erst alle Abspänne ansehen, dann alle Charaktere frei spielen. Wer braucht da schon Sonne, Schwimmbad oder Radtouren.

 

Es gab sie noch: Die Zeit, in der Vampire noch in der Sonne verbrutzelten anstatt wie Diamanten zu glitzern. Als Vampire noch nicht so oft durch den Medien-Kakao gezogen wurden, dass der letzte Untote mit etwas Selbstachtung Count Chocula ist. In dieser Zeit, als ich gerade vom ersten Blade-Film begeistert war, kam Soul Reaver. Allein, dass ich einen Vampir spiele, der in der Post-Apokalypse andere Vampire jagt: Großartig! Dazu noch eine reiche Mytologie und einige knackige Rätsel und fertig ist mein liebstes Action-Adventure der 32-Bit-Ära.

Ich mag eigentlich keine Sportspiele. NBA Live 99 ist eine der wenigen Ausnahmen in meiner Zocker-Biographie. Zum einen fand ich den Editor-Modus erste Sahne: Ich könnte einfach einen Spieler bauen, der 1,60 cm groß, 150 Kilo schwer war und springen konnte wie ein Hase auf Amphetaminen. Zum anderen hatte dieser Ableger für mich die perfekte Balance aus kurzweiligen Partien, die mich für 5 bis 10 Minuten beschäftigen konnten, und einem fordernden Saison-Modus ohne zu viel Mikromanagment. Kleines persönliches Highlight: Ich konnte mit den Boston Celtics nach über 12 Jahren zumindest virtuell Meister werden (Im echten Leben gab es die letzte Meisterschaft nach 1986 erst im Jahr 2008).

20 Jahre Playstation in Europa: Was sind Eure Lieblingsspiele für Sonys erste Konsole gewesen? Welche Titel haben wir vergessen? Und welche vielleicht zu Unrecht ausgegraben? Diskutiert mit uns in den Comments!

(Bilder: Sony u.a.)

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