3D im Kino: Der Patient lebt – der Zuschauer ist genervt

Vier Jahre ist der Durchbruch der 3D-Technik in den Kinos jetzt her. „Avatar“ hat damals Millionen in die Lichtspielhäuser gelockt. Seitdem müssen wir fast jeden Hollywood-Blockbuster mit Zusatzbrille bewundern. Denn oft bleibt uns gar keine andere Wahl. Aber gibt uns 3D wirklich mehr? Nach locker 50 Filmen in 3D zieht David eine Bilanz.

Ich kann die Filme, die durch 3D etwas dazu gewonnen haben, an einer Hand abzählen. Um genau zu sein sind das: „Avatar“, „Die Höhle der vergessenen Träume“, „Gravity“ und „Pina“. „Avatar“ hat wohl am meisten gewonnen, hatte aber auch den Bonus, der erste Film zu sein, der 3D konsequent nutzt. Die Werner Herzog-Doku „Die Höhle der vergessenen Träume“ bekommt durch 3D einen schönen Höhlen-Effekt. Durch die Tiefe in „Gravity“ bekommen wir ein Gefühl für die Schwerelosigkeit und die Unendlichkeit des Alls. Bei Pina sieht es aus, als ob wir im Theater sitzen. Beim Rest der Filme pendelt der 3D-Effekt von unnötig bis nervig. Einige Filme wie „Star Trek: Into Darkness“, „Kampf der Titanen“ oder auch „Iron Man 2“ leiden sogar unter einer gewissen Unschärfe durch die nachträglich aufgebügelte 3D-Konvertierung. Besonders in schnellen Action-Szenen wird es da schnell nervig.

Nächstes Problem: Das Bild wird dunkler durch die Brillen. Die Folge: Gerade bei Szenen, die im Dunklen spielen, sehen wir mit Brille teilweise nur die Hälfte. Besonders bei „The Last Airbender“ wird der Film dadurch unerträglich dunkel. Wobei: Bei der Wurst, die uns M. Night Shyamalan da ins Kino gelegt hat, ist das auch nur halb so schlimm. Der Film ist einer der schlechtesten, die ich in den letzten Jahren gesehen habe. Einige versuchen das Problem zu lösen, indem die dunklen Szenen mit mehr Licht gefilmt werden oder das Bild heller gemacht wird. Jeder der „Der Hobbit- Eine unerwartete Reise“ nicht in 3D gesehen hat, stellt fest, dass die Szenen in Gollums Höhle oder die Szene mit den Trollen nervig hell ausfallen.

Das Problem scheint außerdem oft, dass die Regisseure überhaupt nicht wissen, wie sie 3D einbauen sollen. Oder sie machen den Film nur, weil das Studio das so will. Berühmtester Fall war wohl „Star Trek: Into Darkness“. Nerd-Gott JJ Abrams zeigte sich im Vorfeld seines Star Trek Nachfolgers nicht gerade begeistert von 3D:

 

„I did not fight for the 3D. It was something that the studio wanted to do, and I didn’t want to do it. And then, when I saw the first movie converted in sections, I thought that it actually looked really cool. So, I was okay with their doing it, as long as I could shoot the movie the way I wanted to, in anamorphic film, and then let them convert it. So, those who want to see it in 3D, which looked pretty cool, can do it, and those that want to see it in 2D can do that too.“

– JJ Abrams bei der Television Critics Association Winter Press Tour

 

Es gibt aber auch Ansätze, 3D kreativ in einen Film einzubauen. Einen kreativen Einfall hatte zum Beispiel Regisseur Joseph Kosinski bei „Tron: Legacy“. Hier wurden die Szenen in der realen Welt in 2D gedreht und die künstliche Computerwelt von Tron in 3D. An sich eine gute Idee. Kosinski torpediert sich nur direkt am Anfang selbst, indem er direkt die erste Szene, die in der realen Welt spielt, mit dem dicksten 3D-Effekt im ganzen Film verziert.

Die Studios wollen natürlich auch nicht das 3D ein essentieller Bestandteil des Films wird. Dafür ist die Heimvideo-Auswertung viel zu wichtig und 3D in den heimischen Wohnzimmern einfach nicht verbreitet genug.

Ich kann die Studios auch durchaus verstehen, warum sie auf 3D im Kino setzen. Erstens ist es ein Kopierschutz. 3D-Filme können nicht abgefilmt werden. Zweitens: Teuere Tickets bedeuten gleichzeitig mehr Einnahmen. Außerdem ist es für die Werbung des Films gut. In Zeiten von erschwinglichen Großbildfernsehern und Blu-Ray-Playern muss der Zuschauer schon irgendwie ins Kino gelockt werden. Nur solange keine künstlerische Vision hinter dem 3D steckt, bringt das uns Zuschauern einfach nichts.

David

David

Er hat vielleicht nicht jeden Film gesehen. Er kann aber zu jedem etwas sagen. In seiner Muttermilch war Zelluloid. Auch vor Musik und Videospielen macht er keinen Halt. David sabbelt nebenbei auch professionell im Radio. Damit ist er aber offensichtlich nicht ausgelastet. Mehr von ihm gibt es hier bei den Medien-Nomaden.

david@Medien-Nomaden.de
David

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