Indie-Kinothek: Nicht noch ein Vampir-Film – A Girl Walks Home Alone At Night

Sie lauern in den dunklen Kinos: Die Max Schrecks, Klaus Kinskis und auch Robert Pattinsons. Vampire gibt es in allen möglichen Farben und Formen. Ein der interessantesten neuen Filme ist A Girl Walks Home Alone At Night. Pia sagt Euch, wie spitz die iranischen Fangzähne sind.

Die frohe Botschaft zu Beginn: Das Genre Vampirfilm scheint wohl langsam zu seinen Wurzeln zurück zu kehren. Twilight-Weichgespühlte Kuschelvampire scheinen ausgedient zu haben, nachdem sogar Zombies mehr als Mainstream tauglich ausgeschlachtet wurden (siehe I-Zombie). Vampire sehnen sich wieder nach Blut – ohne dabei ihren Sexappeal zu verlieren, denn sie verkörperten schon immer sexuelle Gelüste.

Es gibt sie noch: Gute Vampir-Filme

Anne Rices Vampire boten dazu noch diese Melancholie, symbolisierten Fluch und Segen des unsterblichen Lebens. Interview mit einem Vampir öffnete wohl als erster Roman/Film die Pforten für den Vampir der „modernen“ Zeit. Inwiefern dies mit Twilight „pervertiert“ wurde, erspare ich uns mal. Only Lovers Left Alive (2014) von Jim Jarmusch, griff dies hervorragend wieder auf. Und auch A Girl Walks Home Alone At Night, das Erstlingswerk von Ana Lily Amirpour, weiß diese Thematik umzusetzen. Gespickt ist dieser Film mit gesellschaftskritischen Noten. Und das ist Stärke des Films.

Dieser Western-angehauchte Schwarzweiß-Film wurde in der amerikanischen Wüste gedreht, soll aber eigentlich im Iran spielen. Bad City ist eine trostlose Stadt, man sieht kein Leben auf der Straße. Nur Prostituierte oder Drogendealer, die sich herumtreiben. Oder der James-Dean-Verschnitt Arash, der mit seinem heroinsüchtigen Vater zusammen lebt. Der Held der Geschichte, der jedoch keiner ist. Hier zieht die junge Vampir-Dame umher, wirkt wie eine Märchenfigur, statt einem schwarzen Umhang trägt sie ein Tschador. Sie wirkt wie eine typische iranische Frau, hört jedoch gerne Popmusik und fährt mit einem Skateboard herum. So steht die junge Vampirin für viele Frauen im Iran, die ihren modernen Lebensstil und ihre Musik-Vorlieben verstecken müssen. Der Vampirin kommt es zu gute, dass sie so niemand für eine Mörderin hält.

Schwarz-Weiß Vampir-Western

Arash und die geheimnisvolle Vampirin treffen sich auf einer Party. Beide spüren eine Verbindung – und landen bei der namenlosen Schönen, die eine White Lies Platte auflegt und den Song „Death“ abspielt. Diese Szene gehört zu einem der schönsten, die ich bisher gesehen habe. Gerade, weil sie so unschuldig ist und komplett ohne Dialog auskommt. Fast wie ein Musikvideo wirkt sie, dieses langsame Näherkommen unter der Disco-Kugel. Der Moment zum ersten Kuss in diesem langen Moment zelebriert. Wer jetzt hier noch eine spannende, blutrünstige Storyline erwartet, wird aber enttäuscht.

Lily Ana Amipours Eltern stammen aus dem Iran, sie selbst wuchs in den Staaten auf. Alle Darsteller sind Exil-Iraner bzw. Nachkommen. Im Original wird sogar Farsi gesprochen. Seien es die Drogenabhängige, oder das Mädchen mit der Nasen-Operation: Wenn man möchte, kann man viele Paralleln zur iranischen Gesellschaft sehen. Doch dieser Vampirfilm wirkt auch perfekt ohne. Schade ist nur, dass Amirpour bewusst das Schicksal der Vampirin im Dunklen lässt, ebenso wie ihre Lebensgeschichte. Obwohl die Regisseurin penibel einen Lebenslauf für ihre Protagonistin kreierte, wie man es in ihrem VICE-Interview erfahren kann. Aber vielleicht beehrt sie uns ja mit einem weiteren Film über die lakonische Vampir-Dame.

Habt ihr A Girl Walks Home At Night schon gesehen? Was ist eure Meinung?

Pia

Pia

Wenn Pia nicht gerade im Hörsaal sitzt und Germanistik und Geschichte studiert, tauscht sie ihren Platz mit dem Kinosaal. Sei es als Vorführerin oder als Zuschauerin. Ihre Meinung lest ihr ab sofort hier.
Pia

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