Adolar Adé: Nachruf und Erinnerung

Ein Nachruf auf eine deutsche Band, die beinahe klanglos am 30.11.2014 über Facebook ihre Auflösung bekannt gegeben hat und deren Musikgenre von der Fachpresse gerne ein Post als Präfix zugeordnet bekommt. Tobi erinnert sich an Adolar und erklärt, warum er letztendlich doch alle Alben der Band im Regal stehen hat.

Vorab, ich hatte so meine Probleme mit Adolar. Ich fand ihre Antihaltung, die sie in Interviews, Videos und Fernsehauftritten des öfteren an den Tag legten, manchmal etwas zu gewollt. Aber wie soll man sonst mit plötzlicher Aufmerksamkeit umgehen?  Dabei zählen gerade die Lieder, deren Texte eine gewisse Gegenhaltung transportieren, zu meinen Favoriten. Textlich begeistern mich die Punkattitüden alá Muff Potter, der in Ansätzen vorhandene analysierende Blick der Hamburger Schule (Tocotronic wird ja oft genug zitiert) und die ohrwumpflanzenden Hooklines. Manchmal driftet der Inhalt aber in belangloses Wehklagen ab, das aber meist durch die musikalische Untermalung überdeckt werden kann.

 

 

Kommen wir aber zur Sache:
Adolar begegneten mir erstmals im Fernsehen 2012. Ich blieb bei der Übetragung des New Music Awards (Einsfestival)  hängen, mit dem ein Jahr zuvor – so erfuhr ich – die Chemnitzer Band Kraftklub ausgezeichnet wurde. Neue (auch deutschsprachige) Musik, genügend Zeit und werbefreies Fernsehen ließen mich verweilen. Rückblickend erinnere ich mich jedoch nur noch an das verhaltene, pubertierende Publikum, die für das Jugendprogramm der Öffentlich-Rechtlichen typische Hektik und an den Auftritt von Adolar. Damit meine ich weniger den Aufruf zur “Kuschel – Wall (of Death?)”, viel eher packten mich die Arrangements der jungen Recken.

Da waren gewisse Anleihen an die etablierte deutsche Indie-(Punk?)musik und an den Emosound der 90er und 2000er und gerade in den gesangslosen Parts lässt zeitweise der Post Rock grüßen. Ich war überzeugt und „Zu den Takten des Programms“ ward gekauft.

 

 

2013 sahen wir uns dann wieder: Wieder im Fernsehen, diesmal privat. Stefan Raab hatte auf Pro 7 zum Bundesvision Songcontest geladen und Adolar traten an (für Sachsen-Anhalt). Auch diesmal zog mich ihr Sound in seinen Bann und setzte sich in meinen Gehörgängen fest (Ich mein, da hört man Hornbläser, ey!). Auch die prettylivesession von Raketen, die mir später zugespielt wurde, gefiel mir.

Trotz anfänglich erwähnter Kritikpunkte ist Adolars Abgang echt schade. Denn keines der drei Alben ist wirklich schlecht. Im Gegenteil: Adolar schaffen es immer wieder ihre Zuhörer abzuholen, denn sie beherrschen ihre Instrumente, das Spiel von schnell und langsam und den perfekten Einsatz von Pausen. Somit schaffen sie eine rockige, nie zu poppige Klangkulisse, die immer wieder zum Zuhören aufruft. Das kann man jetzt nur noch mit der Hilfe von Tonträgern, denn Adolar ist nicht mehr. Adolar ist am 30.11.2014 nach langer Abwesenheit von uns gegangen.

Zum Abschluss gab es noch eine nette Geste der Bandmitglieder.Diese gaben ihren restlichen Merch – inkl. Tonträger – im Rahmen einer “Pay what You want”- Aktion an ihre Fans weiter und verabschiedeten sich per Facebook und Soundcloud.

 

In diesem Sinne R.I.P. Adolar und viel Spaß mit Tupfa & Skalpell.

 

Tobi

Tobi

Mit dem Game Boy startete Tobi seine Reise in die Videospielwelt. Mit dem Sterben der Dreamcast waren seine Konsolenträume jedoch vorbei. Heute nutzt er zum Zocken noch den PC, wenn er nicht gerade analog die Würfel fallen lässt oder liest. Auch in Sachen Musik und Film ist er kein Kostverächter.Tobi war lange als Online-Redakteur unterwegs.

Tobi@Medien-Nomaden.de
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