Bandgeschichten: Olli Schulz

David hat es vorgemacht, Tobi tut es ihm gleich. Diesmal geht es nur indirekt um eine Band. Es geht viel eher um einen Mann, der zwar damals mit dem Hund Marie unterwegs gewesen ist, jetzt aber seit längerem auf Solopfaden wandelt. Die Rede ist von Olli Schulz.

Jaja, der Olli ist schon ein musikalisches Glückskind. Nicht nur, dass er ausgiebig mit Talent beschenkt wurden ist. Nein, auch die richtigen Freunde hat der muntere Hanseat zur Hand gehabt. Zunächst einmal But Alive… – Frontmann (immer nur Kettcar als Reverenz zu nennen, wird ja auf Dauer auch langweilig) und Lable-Chef (ratet mal) Markus Wiebusch, der ihn dazu ermutigte eine Platte aufzunehmen und dann noch Max Schröder (später dann mal Tomte), der – die älteren Olli-Jünger erinnern sich – als Hund Marie bereit war, mit Schulz zu musizieren.

Brichst Du mir das Herz, brech ich dir die Beine (2003)

12 Jahre ist das Debüt nun alt und es hat nichts von seiner Frische verloren. Schröder und Schulz zaubern eine angenehm vielseitige Singer/Songwriter- Atmosphere, mal mit leisen Tönen („Weil die Zeit sich so beeilt“), mal mit aufbrausenden „Fussmitwipp“-Nummern (Song: Durch die Nacht). Textlich  zeigt Olli Schulz bereits jetzt das, für was er heute so geschätzt wird: Nachdenklichkeit, Ironie und natürlich Humor. Gerade auf diesem Langspieler fallen dem Musikfreund die vielen metaphorischen Bezüge zur Musikgeschichte auf, die Schulz gekonnt in seine Lyrics einfließen lässt („… und Bruce spielt wieder ohne E Street Band„).
Übrigens hat hier eine weitere Freundin einen Kurzauftritt: Nora Tschirner spricht eine Gastrolle.

2004 erscheint die EP Unten mit dem King, die die gleiche Qualität wie das Debüt aufweist.


Das Beige Album (2005)

Zwei Jahre später, Album Nummer zwei. Mein Favorit unter den Alben von und mit Olli Schulz. Allein das Cover der Platte ist für mich alten Hobby-Melancholiker schon mehr als ansprechend: Ein beiger Hintergrund mit einer Zeichenskizze einer einsamen Seenlandschaft. Auch textlich steht die Melancholie im Vordergrund, ohne dabei die spasshaften Momente außer Acht zu lassen. Musikalisch ist das Album beatlastiger. Einem langsamen Song auf der Gitarre, folgt eine uptempo Nummer, die dann im nächsten Titel von einem regelrecht stampfenden Beat abgelöst wird. Sogar Country ist mit von der Partie. Rundum ein schönes Album, auf dem sogar der schwächste Song „Human Of The Week“ seine Daseinsberechtigung hat. Der absolute Anspieltipp ist jedenfalls: „Dann schlägt dein Herz„. Wer sich hier nicht wiederfindet, hat nie gelebt.

Gastauftritt diesmal: Farin Urlaub.


Warten auf den Bumerang (2006)

2006 dann der Wechsel zum Major Label. Olli Schulz & der Hund Marie probieren ihre neuen Möglichkeiten gleich aus. Alles sehr sauber produziert: Streicher, Klavier und Backroundsängerinnen. Damals hat mir das nicht gefallen und ich habe lange nicht mehr hineingehört. Heute hat sich meine Meinung nicht geändert. Das Album macht vereinzelnd Spaß („Wenn die Music nicht so laut wär“, „Wenn das Leben dich beißt“, „Kleine Meise, Großes Herz“), aber unterm Strich fehlt mir hier das Besondere.

Es brennt so schön (2009)

Olli Schulz & der Hund Marie. Max Schröder hat keine Zeit mehr für gemeinsame Aufnahmen und Olli muss alleine ins Studio. Nach drei Jahren hat der frisch gebackene Solokünstler den Rock wieder für sich endeckt. Es ist ein Olli Schulz Album, ganz klar. Und Olli Schulz Alben sind nie wirklich schlecht. Doch springt bei den ersten sieben Liedern der Funke nicht über und die letzten Vier (Herz Los!, Bloß Freunde, Isabell und Wenn Die Sonne Wieder Scheint), reichen einfach nicht aus, um ein großes Feuer zu entfachen.
Auf diesem Album befindet sich auch Schulzes Hit “ Tanz den Bibo“ mit dem er 2009 bei Raabs Bundesvisionssongcontest für Hamburg den fünften Platz rausholte.


S.O.S. – Save Olli Schulz (2012)

Es mag an der maritimen Abkürzung im Albumtitel lliegen, die mich zu folgender Metapher bewegt, aber Olli Schulz hat mich mit seinem zweiten Soloalbum wieder komplett an Bord geholt. Die Akkustikgitarre begrüßt den geneigten Hörer gleich zu Beginn und bleibt gefühlt bis zum Schluß. Irgendwie klingt dieses Album unbeschwerter als sein(e zwei) Vorgänger.  Hier zeigt sich das Dreamteam aus Nachdenklichkeit, Ironie und Humor wieder in vollem Glanz. Ja, dieses Album macht von vorne bis hinten Spaß. Olli mag zwar älter geworden sein, seine Lieder kommen jedoch frisch und knackig daher. Anspieltipps: „Ich dachte Du bist es“, „Koks & Nutten“ und der Rest des Albums.


Feelings aus der Asche (2015)

Olli Schulz ist nun auch Fernsehstar, hat im letzten Jahr runden Geburtstag gefeiert und kündigt vor Veröffentlichung an: sein neustes Werk soll ohne Humor auskommen. Olli Schulz ohne Humor? Geht das? Klar! Das hat er ja auf seinen restlichen Alben ja immer wieder bewiesen und ganz ohne einen kleinen witzigen Spruch kommt auch Feelings aus der Asche auch nicht aus. Und ohne Humor heißt ja nicht, ohne positive Stimmung. So macht Olli Schulz gleich zu Anfang klar, was Sache ist: Man kann gern auf sein bisheriges Dasein zurückschauen, aber dieser Zeitpunkt ist nicht das Ende, sondern ein weiterer Beginn. So besingt Schulz verschiedene Blickwinkel aufs Leben und probiert sich dabei wieder mal musikalisch aus:  Von der up-tempo  Rocknummer („Als Musik noch richtig groß war“) bis hin zur traurigen Akkustiknummer mit imposanten Ende und einer der besten Zeilen, die ich in letzter Zeit in der deutschen Musik hören durfte ( „Feelings aus der Asche“). Das Album ist zwar nicht so eingängig, wie es sein direkter Vorgänger war. Doch nach einer knapp zweiwöchigen Gewöhnungszeit, in der die Platte immer mal wieder ihren Weg auf den Teller gefunden hat, kann ich nur sagen: Hut ab, Olli Schulz!

Olli Live erleben!

„Feelings aus der Asche“ Tour 2015

17.03.2015 Hamburg | Große Freiheit (Zusatztermin)
18.03.2015 Hamburg | Große Freiheit (ausverkauft!)
19.03.2015 Hannover | Pavillon
20.03.2015 Leipzig | Haus Auensee
21.03.2015 Wien | Wuk
23.03.2015 München | Muffathalle
24.03.2015 Zürich | Plaza
25.03.2015 Frankfurt | Batschkapp
26.03.2015 Stuttgart | LKA Longhorn
27.03.2015 Saarbrücken | Garage
28.03.2015 Münster | Skaters Palace
30.03.2015 Köln | Live Music Hall
31.03.2015 Bremen | Modernes
01.04.2015 Berlin | Tempodrom

Foto: Oliver Rath (2014)

Tobi

Tobi

Mit dem Game Boy startete Tobi seine Reise in die Videospielwelt. Mit dem Sterben der Dreamcast waren seine Konsolenträume jedoch vorbei. Heute nutzt er zum Zocken noch den PC, wenn er nicht gerade analog die Würfel fallen lässt oder liest. Auch in Sachen Musik und Film ist er kein Kostverächter.Tobi war lange als Online-Redakteur unterwegs.

Tobi@Medien-Nomaden.de
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