Indie-Kinothek: Besser gruseln mit dem Babadook

Babadool

Keine platzenden Köpfe oder irren Serienkiller. Der Babadook überzeugt als intelligenter, psychologischer Horrorfilm, von dem sich (Achtung, Wortwitz!) so mancher Schocker eine Scheibe abschneiden könnte. David hat sich eine Windel angezogen und den Film (durch die Finger) gesehen.

Willkommen in Australien: Dem Land der Koalas, Kängurus, Crocodile Dundees und fiesen Viechern, die unter Betten lauern.

Amelia (Esse Davis) hat es aber auch wirklich nicht leicht. Vor sieben Jahren ist ihr Mann bei einem Autounfall gestorben und das ausgerechnet auf dem Weg ins Krankenhaus. Amelia war schwanger und bringt nach dem Unfall ihren Sohn Samuel (Noah Wiseman) auf die Welt. Der hat sieben Jahre später ordentlich einen an der Waffel, Angst vor Monstern unter dem Bett und baut sich Waffen, um sich und Mami zu verteidigen. Dann taucht ein Buch im Bücherregal auf – der Babadook. Nicht nur Samuel sieht daraufhin immer wieder das Monster, auch Amelia muss langsam feststellen: Der Babadook könnte doch realer sein, als ihr lieb ist.

Leichenstapel? Fehlanzeige!

Ab diesem Punkt beginnt ein Spiel aus Wahrnehmung und Erwartungen. An dieser Stelle gilt es, ein besonders dickes „Danke“ an Regisseurin Jennifer Kent auszusprechen. Sie verzichtet auf Jumpscares und ein Monster, das sich allzu sehr im Sonnenlicht suhlt. Der Babadook taucht selten und wenn, dann auch immer nur kurz auf. Ein Kniff, der leider viel zu selten geworden ist in modernen Horrorfilmen. Was gezeigt werden kann, wird heute viel zu oft gezeigt.

Eine weitere Stärke des Films sind die Darsteller. Esse David als Amelia zeigt hier eine beeindruckende Leistung. Ihre Single-Mutter ist konstant übermüdet und tanzt immer am Grad des Wahnsinns herum. Auch ihr ist es zu verdanken, dass der Film auch als Rätsel funktioniert. Es ist nicht klar: Ist das „echt“ was ihr passiert? Oder phantasiert sie nur? Und Kinder im Film sind ja ohnehin so eine Sache. Noah Wiseman als Samuel ist keine Offenbarung und tendiert immer wieder dazu, einem auf die Nerven zu fallen. Dass er aber nicht so liebenswert ist, tut dem Film eher gut. Ein großäugig in die Kamera schauendes, immer niedliches Kind wäre der Tod der großartigen Atmosphäre.

Wer braucht schon Farbe?

Das Set-Design ist ein weiterer Baustein. Dem Haus der Familie fehlt jede grelle oder warme Farbe. Alles ist grau, weiß oder in einem wenig freudigen Babyblau. Ein Spiegelbild des Gemütszustandes von Mutter und Kind. Taucht einmal Farbe auf, ist sie ein Signal: Jetzt wird es gefährlich. Das Babadook-Buch ist rot, genauso wie im Buch, der einzige aber entscheidene Farbklecks. Gerade das Buch ist für Atmosphäre des Films entscheidend. Wer immer das geschrieben und designt hat, hasst Kinder. Das Buch gab es sogar eine Zeit lang über die Website des Films zu erwerben. Meine kleine Nichte wird es mir ewig danken, dass ich zu spät dran war, um eines zu kaufen. Auch der Babadook selbst ist einfach, aber effektiv gestaltet. Menschen reagieren immer besonders, wenn sich Dinge, die wir kennen (ein Mann in Hut und Mantel) mit etwas vermischt, das nicht ganz normal ist (er könnte sich ruhig mal die Fingernägel schneiden).

Es dröhnt so schön

Ein weiteres dickes Plus des Films: Die Soundkulisse. Es dröhnt, es zischt, es ist einfach herrlich, wie hier der Sound mit Bild und Handlung Hand in Hand geht und das, ohne zu aufdringlich zu sein. Der Babadook ist ein hervorragender Horrorfilm in der Tradition von Rosemarys Baby und The Shining. Wer Blut sehen will, sollte auf den nächsten SAW-Teil warten. Wer verstörend begruselt werden will, ist hier genau richtig. Für alle Fälle gibt es hier Nachtlichter.

Habt Ihr den Babadook schon gesehen? Wie hat er Euch gefallen? Immer ran an die Kommentare!

Zum Schluß möchte ich Euch natürlich nicht den Kurzfilm Monster von Jennifer Kent vorenthalten, auf dem Babadook basiert.

(Bilder: Causeway Films/Smoking Gun Productions)

David

David

Er hat vielleicht nicht jeden Film gesehen. Er kann aber zu jedem etwas sagen. In seiner Muttermilch war Zelluloid. Auch vor Musik und Videospielen macht er keinen Halt. David sabbelt nebenbei auch professionell im Radio. Damit ist er aber offensichtlich nicht ausgelastet. Mehr von ihm gibt es hier bei den Medien-Nomaden.

david@Medien-Nomaden.de
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