It’s a Slobberknocker! Die zehn besten Wrestling-Themes

Fingierte Ohrlaschen und hanebüchene Storylines: Objektiv betrachtet ist Wrestling Kokolores. Wäre da nicht Patricks Herz für trashige Spektakel. Vor den WWE Survivor Series am morgigen Sonntag kürt das Babyface unter den Medien-Nomaden die besten Wrestling-Themes.

Ich kann mir nicht helfen, aber ich komme nicht vom Wrestling los. Es ist wie eine handfeste On-Off-Beziehung: Alle drei, vier Jahre erwische ich mich dabei, wie ich beim Zappen hängenbleibe. Nur kurz gucken, wie es der früheren Flamme so ergeht. Du hast einen neuen Champion? Interessant. Was macht die alte Gang? Wie? Der Undertaker hält immer noch seine Knochen hin? Dieser Teufelskerl. Und ehe ich mich versehe, sind sämtliche Storylines der vergangenen Jahre im Netz nachgelesen. Ach, übrigens: Nächste Woche ist übrigens ein PPV. Willst Du nicht mal reinschauen? Der alten Zeiten wegen?

Sicher will ich. Nostalgie ist verführerisch. Oft weiß man das Vergangene erst zu schätzen, wenn es Geschichte ist. Wrestling made by WWE ist perfekt choreografierte Unterhaltung. Das war er damals schon, und jedes Mal, wenn ich einen Rückfall habe, erwische ich mich bei der Frage: Meine Fresse, wie schaffen die es bloß, in Sachen Präsentation noch immer eine Schüppe draufzulegen? Was die WWE an Trailern und Einspielern raushaut, ist jedenfalls ganz große Kunst.

Der Alte Mann und der Ring

Mir ist klar, dass diese Faszination nicht lange anhält. Dass man sich entschieden hat, getrennte Wege zu gehen, hat seine Gründe. Und so neu und aufregend mir das Wrestling Entertainment nach einer Zeit der Abstinenz erscheinen mag, irgendwann komme ich an den Punkt, an dem mir bewusst wird, dass sich im Grunde genommen nicht viel getan hat. Die erzählten Geschichten sind dieselben und am Ende der Fehde stehen immer noch zwei Männer im Ring.

Also, ran an das Ranking, solange der Hype währt. Fast spannender als die Matches finde ich die Einläufe der Kontrahenten. Ein guter Entrance definiert den Charakter eines Wrestlers in nur 30 Sekunden. Für einen Standby-Wrestlingfan wie mich ist er ein wichtiges Kriterium, wenn es darum geht zu entscheiden, welchem Ringkämpfer ich die Daumen drücke. Und sei es nur, weil die Musik so fetzt. Hier kommen die – aus meiner Sicht – zehn besten Wrestling-Themes der WWE.

die zehn besten Wrestling-THEMES

10. Perfection – Mr. Perfect

Bevor sich die Wrestler reihenweise von generischen Alternative Rock-, Metal- oder Hip-Hop-Klängen zum Ring schleifen ließen, war da (fast) nur Jim Johnston. Der Haus- und Hofkomponist der WWE schneiderte den Athleten unverwechselbare Melodien auf den Leib, passend zum jeweiligen Gimmick (die, zugegeben, heute längst nicht mehr stereotyp durchdekliniert sind wie in den 90er-Jahren, als Müllmänner, Indianer und durchgedrehte Iraker durch den Ring stolperten). Das Theme von Mr. Perfect ist, nun ja, perfekt. Kann man einen arroganten Körperkultisten besser begleiten? Fanfare, die sich wie ein eitler Pfau aufplustern. Töne, die sich vor Stolz überschlagen. Eine Ouvertüre, wie geschaffen für einen Aufstieg in den Olymp. Leni Riefenstahl hätte eine Träne verdrückt.

9. I Walk Alone von Saliva – Batista

Same here. Ein stolzierender Rocksong, der weniger narzisstisch daherkommt, aber nicht minder vor Selbstbewusstsein strotzt. So heult ein einsamer Wolf mit Bad Ass-Attitüde.

8. No Chance in Hell – Vince McMahon

Eigentlich ist dieser Song stupide. Eingängig, aber stupide. Zur wahren Entfaltung kommt der Stampfer erst, wenn man Vince McMahon, den Uli Hoeneß des Wrestling Entertainments, zum Ring schlawinern sieht. So viel Hybris muss man erst mal in seinen Gang legen – als ob jede Zelle seines Körpers vor Selbstverliebtheit ejakuliert. Gemessen an der Prügel, die der WWE-Chairman zu seinen aktiven Zeiten bezog, ist No Chance in Hell das ideale musikalische Zeugnis gnadenloser Selbstüberschätzung.

7. Fury of the Storm von Shadows Fall – Rob Van Dam

Es gibt Themes, die sind eingängig und perfekt auf den Wrestler, den sie begleiten, abgestimmt – die in der freien Wildbahn einer Playlist jedoch völlig untergehen. Und es gibt Fury of the Storm.

6. Common Man Boogie – Dusty Rhodes

Vom Knochenkranken zum WWE Hall of Famer: Dusty Rhodes war zu seiner aktiven Zeit einer der beliebtesten Wrestler. Obwohl – oder gerade weil – der tänzelnde Koloss nicht zu den technisch Versiertesten gehörte. Das ist eben der Amercian Dream. Und Common Man Boogie trifft den Turnbuckle musikalisch auf den Kopf. Wieso verspüre ich plötzlich den Drang, meine Ärmel hochzukrempeln und meinen Vorzeige-Vorgarten auf Vordermann zu bringen?

5. Metalingus von Alter Bridge – Edge

Hier hat jemand echten Geschmack beweisen. Als Edge Metalingus auf einem Konzert von Alter Bridge hörte, war für ihn klar: Mit diesem Song möchte ich aus meiner Verletzungspause zurückkehren. Dafür ließ er sogar Rob Zombie fallen. Zu Recht: An Never Gonna Stop Me erinnert sich heute kaum jemand. Metalingus hat sich als kraftvoller, leicht pathetischer, aber vor allem eingängiger Wrestling-Ohrwurm seinen Platz in der Theme-Hall of Fame verdient.

4. Medal – Kurt Angle

Fanfare, Gitarren und Synthesizer – hier kommt zusammen, was nicht zusammen gehört. Das Ergebnis ist ein majestätischer Song mit einem Hauch von „Leck mich am Arsch“. Bewunderer verneigen sich vor dem Goldmedaillengewinner (Atlanta 1996), Neider nutzen die Pausen für „You Suck“-Chants, die zu einem festen Bestandteil des Themes geworden sind.  Anerkennung und Abneigung in einer Melodie vereint, das muss man erst mal hinkriegen. Ein grandioses Spätwerk von Jim Johnston.

3. This Fire Burns von Killswitch Engage – CM Punk

Gut, hier bin ich befangen. Killswitch Engage zählten bereits zu meinen Lieblingsbands, als ich diesen Song zum ersten Mal hörte. Nichtsdestotrotz bildeten This Fire Burns und CM Punk eine unheilige Allianz. Es war eine Zeit des Rückfalls – und ich auf der Suche nach einem neuen Favoriten. Der wuchtige Brachial-Sound aus den Boxen, der andere Themes wie Kinderlieder erklingen lässt, und das rohe Move-Set (das die WWE schnell entschärfte) des ehemaligen Ring of Honor-Champions  hatten es mir angetan. Bis CM Punks Straight Edge-Attitüde missionarisch-fanatische Züge annahm. Heute ist Punk nicht mehr als eine Verflossene. Die Liebe zu Killswitch Engage ist geblieben. Auch dank This Fire Burns.

2. Sexy Boy – Shawn Michaels

Wrestler am Mic – außerhalb von Promos kommt selten etwas Gutes dabei herum. Bret Hart herzzerreißendes Schmachten in Never Been A Right Time To Say Goodbye ist genauso verstörend wie Rikishis Put a Little Ass on It. Und auch Shawn Michaels ist weit davon entfernt das nächste Amercian Idol zu sein. Aber das will er vermutlich auch nicht. He’s just a Sexy Boy. Dagegen klingt Right Said Freds I’m too sexy wie ein vorgetäuschter Orgasmus.

1. Real American – Hulk Hogan

Lassen wir den Patriotismus beiseite, ebenso die Tatsache, dass Hulk Hogan mental nicht mehr alle Latten am Zaun hat. Real American ist ein Brett. Eines, das an meine innersten Urinstinkte appelliert: Hab ich wirklich gerade mein Shirt zerrissen? Sorry, das mit dem Atomic Leg Drop war nur ein Reflex…Hulkamania is running wild, brother! Ein wahrer Champ unter den besten Wrestling-Themes!

Jetzt seid ihr dran! Wie sagte Ric Falir einst: To be the man, you gotta beat the man! Sagt uns, welche Songs ihr für die besten Wrestling-Themes der WWE haltet! Wir freuen uns auf ein Five Star-Match im Kommentarbereich. Aber nicht vergessen: Keine Cheap Shots!

Santino Morella bringt ein Ständchen - unsere zehn besten Wrestling-Themes.

Quellmaterial: WWE RAW

Patrick

Patrick

Mit Gameboy und Ghostbusters aufgewachsen, teilt Patrick das Schicksal vieler 1980er-Jahrgänge. Die viereckigen Augen wird er nicht mehr los. Stünde aufgrund seines ausgeprägten Sammlertriebes ohne Steam & Stream vor dem finanziellen Ruin. Hätte gerne einen purpurnen Tentakel als Haustier. Patrick arbeitet bei einem großen Medienunternehmen und geht auf journalistenfilme.de immer öfter den Medien-Nomaden fremd.

Patrick@Medien-Nomaden.de
Patrick

2 thoughts on “It’s a Slobberknocker! Die zehn besten Wrestling-Themes

  1. Ich wusste gar nicht dass du auch Wrestling-Fan bist. Du hast gute Themes in deine Top 10 aufgenommen. Mir fallen noch Shane McMahon, Chris Jericho, Randy Orton, DX und Christian ein. Alles gute Themes.

  2. Hey Burkhard,

    wie gesagt, eine An- und Aus-Beziehung bei mir. DX war natürlich auf der erweiterten Liste. Randy Orton ebenso, aber mit seinem ersten Theme „Burn in my Light“! R-K-O!

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