Broforce – Murica´ fvck yeah!

Broforce ist eine Freiheits- und Demokratiesimulation. Aber anstatt auf die Grundfesten der Herrschaftsform einzugehen und Aristoteles zu zitieren, transportiert das Spiel politische Ideale in Form von Blei und Sprengstoff. Der Sidescroller ist dabei beinahe das perfekte Spiel für zwischendurch.

Broforce, Bro! Das Spiel ist so dermaßen überzogen, simpel und humorvoll, dass man schon unter dem Einfluss der stärksten Sedativen stehen muss, um sich dem Charme der Pixelblutorgie zu entziehen. In der Tat muss man Broforce eher in Capslock schreiben. Alles andere würde dem Spiel, welches die südafrikanischen Entwickler Free Live Games gerade kredenzen, nicht gerecht werden. BROFORCE also.

Bro, do you even liberate?

Der „Plot“ von BROFORCE ist eigentlich egal… . Terroristen bedrohen die Demokratie und die Freiheit der Welt. Das ruft die BROFORCE auf den Plan – ein Team von Actionhelden. Unterfinanziert, aber „übertestostoronisiert“ befreit sie ganze Landstriche – Kollateralschäden inklusive. Vorrangig müssen Vietnam und Kasachstan befreit werden, dort hat sich das Böse festgesetzt. Die Agenda des Bösen ist unbekannt. Warum es da es, für die BROFORCE nicht erheblich. Das einzig Wichtige: Es muss weg. Nebenbei befreit man noch Kriegsgefangene. Im Endeffekt ein in ein Videospiel übertragenes „Team America“.

Der Plot ist wenig durchdacht?! BROFORCE schlägt Dir mit der Faust ein dickes „F**k You!“ in die Stirn! Plot, Logik und Gründe ist etwas, dass die BROFORCE nicht kann (und will). Die Bros der BROFORCE stellen keine Fragen, sie bringen Freiheit und Gewalt und davon ganz viel. Die von General Brodela geführte Spezialtruppe wird stets mit dem Helikopter im Feindesland abgesetzt. Nachdem das Böse aus dem Level vertrieben (in die Luft gesprengt, zerstückelt, erschossen, angezündet, etc.) wurde, wird die amerikanische Flagge gehisst. Ein Helikopter holt die Bros wieder ab. Während die Helden an einer Leiter hängen und dem Sonnenuntergang entgegenfliegen, explodiert die ganze Szenerie. Warum?! Das ist nicht wichtig!

BROFORCE und die manifeste „Throwback“-Kultur

BROFORCE hat unglaubliches Appeal. Und spricht trotz exzessiver Gewalt eine breite Masse an. Zuerst wäre die Grafik zu nennen. Die kommt im wieder schick-gewordenen Pixelgewand daher. Kein 3D; hier wird sich in bester 80-90er-Manier von links nach rechts bewegt. Dabei muss man auch viel Springen, jedoch nicht so viel, dass es als Plattformer durchgeht. Das Spiel erinnert dabei an Metal Slug oder an das „gehassliebte“ Contra. Auch weil ballern elementarer Bestandteil des Bro-Handwerks ist. Nicht nur der Verbreitung von Freiheit und Demokratie dienlich, lassen sich die kurzen Levels auch nach Herzenslust zerstören. Dabei schwimmt das Spiel auf einer ähnlichen Welle wie zum Beispiel Terraria.

Darüber hinaus ist BROFORCE so simpel zu bedienen, wie seine „Story“ zu verstehen ist. Links, Rechts, Springen, Feuer, Spezialattacke, Nahkampfangriff und natürlich einen Button für´s „High Five“ – mehr braucht man nicht. Die Hardwareanforderungen von BROFORCE sind nicht sehr hoch.  Was das Spiel jedoch neben Simplizität, überzogener Gewalt und leichter Bedienbarkeit zu einem Knaller macht, ist das kulturelle Erbe das es transportiert.

Meet the Bros, Bro!

Alles erinnert an die Actionfilme der 80er, 90er und 00er-Jahre! Und nicht nur an die zwangsläufig Guten. Wer sich beim „Plot“ schon an die Delta-Force Filme von Chuck Norris erinnert gefühlt hat, ist bei BROFORCE Gold richtig. „Plot“, Setting und Logik des Spiels sind wie ein testosteron-überladender Actionfilm. Die Anleihen sind urkomisch und genauso wie die Helden der Filme: Simpel, monolithisch und glorreich.

Viel wichtiger als all das, ist aber die eigentliche BROFORCE. Die besteht aus Bros (und Brodettes) die alle aus ebendiesen Actionfilmen entstammen. Man startet mit John Rambro. Indem man Kriegsgefangene in den Leveln befreit, schaltet man weitere spielbare Bros frei. Und das sind viele! B.A. Broracus zum Beispiel greift mit Flammenwerfer und Napalmbomben in die Demokratisierung ein. MacBrover ist seltsam Sprengstoff-affin. Indiana Brones peitscht die Gegner erbarmungslos aus. Brobocop kommt mit automatisierter Zielvorrichtung. Jeder der 26 Bros spielt sich anders. Das Sammeln der Demokratie-Missionare macht schon einen Heidenspaß. Aber wenn Bronan the Brobarian zum Schwertsprung ansetzt und die Gegner dahin metzelt, funktioniert das Spiel erst richtig. BROFROCE ist so übertrieben, hirnrissig und kurzweilig, dass man vor Ekstase schreien möchte (und es auch tut).

Broforce-2

Gruppenbild mit Bros, Bro! (Photo: Fishbowl)

Alles fliegt in die Luft – nicht selten man selbst. Das Spiel ist in mehre Stages unterteilt. Innerhalb einer Stage gibt es mehrere Level. Am Ende einer Stage stellt sich der Broforce immer ein mächtiger Endgegner in den Weg. Der ist in bester BROFORCE-Manier absurd und übertrieben. Zum Beispiel der Helicockter, der mit einer Phallus-förmigen Kanone auf die Bros schießt. Einfach nur krank, Bro!

Warum spielst Du nicht BROFORCE, Bro? Bist Du ein Kommunist, Bro?

Neben der totalen Verwüstung, Ballerlei und „Bro´nes“ hat das Spiel aber noch mehr zu bieten. Wem die Anleihen an das vorherige Jahrhundert noch nicht genug waren, wird mit einem Vier-Spieler-Modus zum Schweigen gebracht. Mit vier Kumpeln an einem Rechner Demokratie verbreiten? Ja, bitte! Das geht sogar an einer(!) Tastatur. Online geht das natürlich auch. Neben der Kampagne gibt es noch andere Spielmodi, beispielsweise ein lokales Deathmatch. BROFORCE ist an den Steam-Workshop angeschlossen und hat einen eigenen Leveleditor. Die Medien-Nomaden empfehlen das Community Level „Broston under Siege“ und „Bropocalypse IV“.

Ebenfalls gut: Die Musik! Die erinnert Einen stark an das „A-Team“ und Konsorten. Das ganze Retrogaming-Konzept findet sich auch im Schwierigkeitsgrad wieder. Die grafische und spielerische Nähe zu Contra wurde angesprochen. BROFORCE ist streckenweise genauso bockig schwer wie der Arcade-Shooter von 1987. Immerhin gibt es keine „Leben“. Gerade die Endgegner im späteren Spielverlauf sind eine Handvoll. Dennoch hält das Spiel einen immer bei der Stange. Nicht zuletzt auch dadurch, dass es nur so an komödiantischen Gewaltexzessen strotz und sich dabei nie ernst nimmt.

Obwohl BROFORCE noch im „Early Access“ ist, lohnen sich die knapp 15 Euro via Steam. Zumal Free Live Games stetig neue Bros in das Spiel schreibt. Wer sich das Spiel gönnt, wird nicht enttäuscht sein. Viele können bei der kurzweiligen Ballerei zugreifen. Es fällt wirklich schwer, Leute zu erdenken, denen BROFORCE nicht gefallen könnte. Selbst jenen, die mit den urkomischen Referenzen Nichts anfangen können, ist dieses Spiel zu empfehlen. Es ist wie New Super Mario Bros., nur nicht mit so viel Springen, dafür aber mit mehr Bumm-Bumm und Demokratie.  Das Spiel wird in diesem Jahr auch sein Konsolendebüt (PS4 und PS Vita) feiern dürfen. In diesem Sinne: „Share the Freedom, Bro!“

Photos: Fishbowl, Eurogamer

Freiheit, Demokratie und Pixelblut! Broforce kann Einiges!

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Steini

Steini

Als attraktiver Papier-Kanadier mit Hang zur Mettbrötchen-Verköstigung, erkannte Steini schnell, dass Medien, Medien sind. Eine Erkenntnis, die das Studium der Medienwissenschaften nur erhärten konnte. Gerne spielt er spärlich bekleidet Microsoft Train Simulator und schreckt auch vor Printerzeugnissen nicht zurück. Steini ist neben seinen Artikeln, auch für eine Vielzahl der "viel-prämierten" Medien-Nomaden Videos verantwortlich.

Steini@Medien-Nomaden.de
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