Geht’s noch? Resident Evil: Code Veronica

Willkommen zurück in der Welt des Survival Horror, in der Welt von Resident Evil: Code Veronica. Das ehemals Dreamcast exklusive Spin-Off aus dem Jahre 2000 gilt als einer der besten Serienteile. Auch in der HD-Fassung für Xbox 360 und Playstation 3? Oder anders gefragt: Geht´s noch?

Resident Evil und kein Ende: Nachdem er sich schon durch das HD-Remake des ersten Teils gegruselt hat, fühlt Thomas den Zombies in Resident Evil: Code Veronica auf den Zahn. Denn: Nachdem das Spiel seinerzeit sowohl für die Dreamcast als auch später für Playstation 2 und Gamecube (als Resident Evil: Code Veronica X) auf dem Index gelandet ist, wurde es mittlerweile deindiziert und steht für Xbox 360 und Playstation 3 zum Download parat – jetzt sogar in HD! Für Thomas endlich die Gelegenheit, den potenziellen Klassiker nachzuholen.

Worum geht´s nochmal?

Claire Redfield kam nach Raccoon City, um ihren Bruder Chris zu finden – gefunden hat sie jedoch nur den Horror, nachzuspielen in Resident Evil 2. Also setzt sie ihre Suche fort. Dumm nur, dass sie beim unerlaubten Einbruch in eine Umbrella-Forschungseinrichtung in Frankreich erwischt wird und auf das kleine Eiland Rockford Island verschleppt wird. Doch serientypisch geht auch hier bald schon alles den Bach herunter. Claire kann fliehen und muss sich abermals ihrer Haut gegen allerlei Zombies und Mutanten erwehren. Unterstützung erhält sie vom heißspornigen Jüngling Steve. Gemeinsam enthüllen sie das Geheimnis um das seltsame Geschwisterpaar Alfred und Alexa Ashford, deren Familie einst eine neue Art des T-Virus entwickelte: Das T-Veronica-Virus.

Geht doch noch!

Im Kern ist Code Veronica wie schon die drei vorangegangenen Teile ein klassisches Resident Evil: Wir lösen Rätsel, meucheln Zombies und Monster, verwalten unser Inventar und speichern an Schreibmaschinen unseren Fortschritt. Die Mischung aus Rätseln und Action ist ausgewogen und gut gelungen, wobei die Gefechte wegen der allgemeinen Munitionsknappheit immer spannend und wohl überlegt sein sollten. Neu: Wie schon im ersten Dino Crisis bewegen wir uns statt durch vorgerenderte Hintergründe durch 3D-Kulissen.

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Gleich drei Zombies auf einmal? Kein Problem mit Dual-Uzis! (Bild: Capcom)

Beim Umfang glänzt Code Veronica auch heute noch: Die Areale auf Rockford Island sind weit weitläufig und abwechslungsreich, im späteren Spielverlauf führt uns die Geschichte aber auch noch in die Antarktis. Bis wir das Ende zu sehen bekommen, vergehen gut und gerne 20 Stunden. Zu Beginn des Spiels können wir nur Claire spielen – der Charakterwechsel aus Teil 1 und 2 entfällt in Code Veronica. Stattdessen übernehmen wir an vorgegebenen Stellen andere Rollen, und das auch – ohne zu viel verraten zu wollen – für einen Großteil der Handlung.

Geht nicht mehr!

Begrenztes Inventar, nerviges Speichersystem, lange Laufwege, häufige Ladepausen – die serientypischen Macken nerven heute auch bei Code Veronica. Gerade das häufige Backtracking stört: Da führt uns ein Rätsel vom Herrenhaus zurück zum ersten Raum des Spiels, nur um danach den ganzen Weg zurück zu latschen. Technisch handelt es sich bei der HD-Fassung von Code Veronica lediglich um die Dreamcast-Version in höherer Auflösung und fällt daher gegen das durchaus ansehnliche Gamecube-Remake von Teil 1 deutlich ab. Beim Spielen beschlich mich aber auch mehr als einmal der Gedanke, ob es eine clevere Wahl war, auf 3D-Optik zu setzen. Denn aus heutiger Sicht überzeugen die vorgerenderten Hintergründe eines Resident Evil 2 mehr als die detailärmere Grafik von Code Veronica. Und wirklich übersichtlich ist die Kamera durch den Wechsel immer noch nicht.

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Ein echter Mann: Ohne Jacke in der Arktis. (Bild: Capcom)

Mein größter Kritikpunkt ist aber die Handlung. Ja, die Hintergrundgeschichte von Resident Evil war immer schon absurd. Aber Code Veronica treibt es auf die Spitze. Die Dialoge sind zum Fremdschämen, was hauptsächlichen am albernen Overacting aller Charaktere bzw. der (englischen) Synchronsprecher liegt. Die zarte Romanze zum Beispiel, die zwischen Steve und Claire angedeutet wird, kaufen wir den beiden Protagonisten zu keiner Zeit ab. Und selbst die Bösewichte wie die Ashford Geschwister wirken nicht so bedrohlich wie William Birkin in Resident Evil 2.

Geht´s noch?

Für viele Fans ist Code Veronica der beste Serienteil. Für mich ist er das nicht. Das ist vielleicht meine eigene Schuld. Hätte ich Code Veronica zum Release gespielt und nicht erst jetzt, 15 Jahre später, hätte ich vielleicht anders geurteilt. Aber selbst wenn ich es durch die Nostalgie-Brille betrachte, zieht es für mich gegenüber Resident Evil 2 den Kürzeren. Das liegt zum einen an der 3D-Grafik, die vorgerenderten Hintergründe der Vorgänger hatten für mich mehr Charme. Auch Level- und Mosterdesign haben mir in Teil 2 besser gefallen. Vor allem aber habe ich bei der Hintergrundgeschichte nicht immer mit dem Kopf schütteln müssen.

Daher mein Fazit: Wer Code Veronica liebt, der kann das natürlich auch weiterhin tun. Wer wie ich eine historische Lücke schließen möchte, der kann das natürlich auch immer noch machen. Er sollte aber seine Erwartungshaltung etwas nach unten schrauben. Oder er wartet noch etwas auf das micht Sicherheit kommende Remake – wir reden hier immerhin über Capcom.

Bilder: Capcom.

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Thomas

Thomas

Seine große Leidenschaft ist das Zocken! Lange Jahre sowohl auf PC und Konsole unterwegs, dominieren dank Gamerscore- und Trophäen-Sucht mittlerweile Xbox und Playstation seine Abendstunden. Vom gradlinigen Ego-Shooter über dunkle Schleichabenteuer bis hin zu riesigen Open-World-Hits wandert fast alles ins Laufwerk. Doch auch im Kino ist er kein Kostverächter. Damit das alles finanziert werden kann, verbringt Thomas die meiste Zeit des Tages als kaufmännischer Angestellter im Büro.
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