Auf Wiedersehen: Einer flog über das Kuckucksnest

Er ist laut Imdb unter den 20 besten Filmen, die je gedreht wurden. Aber kann  Einer flog über das Kuckucksnest auch 40 Jahre nach seinem Kinostart noch überzeugen? David hat sich ins Heimkino gesetzt und ihn zum ersten Mal gesehen.

Ich gebe zu: Das ist mir wirklich ein bisschen unangenehm. Ich habe tatsächlisch Einer flog über das Kuckucksnest lange ignoriert. Warum, kann ich noch nicht mal  genau sagen. Andere Filme waren mir vielleicht wichtiger. Oder es fehlte einfach der richtige Ansporn. Wie dem auch sei, jetzt habe ich ihn nachgeholt. Die große Frage: Solltet Ihr auch?

Das gibt’s zu sehen

Vor allem eine ganze Reihe brillanter Schauspieler. Jack Nickolson spielt in seiner ersten Oscar-prämierten Rolle R.P. McMurphy. Ein Gauner, der sich in eine Irrenanstalt einweisen lässt, um dem Knast zu entgehen. Wirklich durchdacht hat er das aber nicht. Er bringt den geregelten Alltag der Anstalt ordentlich durcheinander, was ihm die Feindschaft von Schwester Ratched einbringt. Basierend auf dem Buch von Ken Kesey, der ihr eigene Erfahrungen verarbeitet, eine der mitreißenden Tragik-Komödien der Kinogeschichte.

Da sehen wir gerne hin

Selten sieht man so viele großartige Schauspieler auf einem Haufen. Bis in die Nebenrollen perfekt besetzt. Regisseur Milos Forman hat angeblich jede Menge Filmmaterial von den Reaktionen der Darsteller auf ihre Kollegen gesammelt. Das sieht man immer wieder. Er erreicht dadurch eine Natürlichkeit im Spiel seiner Schauspieler, die heute nur noch selten zu sehen ist. Auch zeigt er „seine“ Verrückten sehr zurückhaltend. Hier sehen wir keine typischen Hollywood-Irren, die nur durch irgendwelche Ticks definiert werden. Sie haben keine Instruktions-Szenen a là „Hi, ich bin James und spiele Tischtennis gegen den Geist von Kleopatra“. Er erklärt keine Krankheiten, sondern sie sind einfach Teil des Charakters.

Dazu haben wir mit Schwester Ratched einen „Bösewicht“, der selten ist. Louise Fletcher spielt Ratched eiskalt – und doch nimmt man ihr wirklich ab: Sie glaubt, ihren Patienten zu helfen. Ihr Gegenüber: Jack Nickolsons schlitzohriger McMurphy. Klar ist die Rolle irgendwo auch dankbar, aber trotzdem: Ein schlechter Schauspieler hätte nicht diese feinen Nuancen im Spiel gehabt und wäre vielleicht daran gescheitert, ein komplettes Arschloch dermaßen sympathisch erscheinen zu lassen.

Da können wir nicht mehr hinsehen

Am Film selbst gibt es aus heutiger Sicht wenig zu meckern. Dazu aber gleich mehr. Erstmal vorweg: Die DVD-Version, die ich mir angeschaut habe, war von der Bildqualität eine Frechheit. Es handelt sich dabei um die Standard-Warner Brothers-Veröffentlichung. Das Bild ist teilweise verzerrt, hat jede Menge „Dreck“ und Artefakte und wirkt obendrein stumpf. Das ist hier höchstens mittlere VHS-Qualität. Echt lieblos.

Aber kommen wir zum Thema und hier müssen wir schon ins Detail gehen. Ich hatte mehr als einmal das Gefühl, der Soundtrack hört sich irgendwie alt an. Jack Nitzsche hat sicherlich einen passenden, aber aus heutiger Sicht nicht mehr zeitgemäßen Score geschrieben. Aber ganz ehrlich: Schwamm drüber. Auch alles andere sind eher Kleinigkeiten. Zum Beispiel würde heute kaum noch ein Film mit Landschaftsaufnahmen und dem Einblenden von Namen anfangen. Zu guter Letzt habe ich etwas an der Stelle mit dem Bootsausflug zu meckern. Der Film ist von 1975 und das sieht man ihm in vielen Einstellungen an. Wirklich gestört hat mich das aber nur bei der oben genannten Szene.

Sollen wir mal hinsehen?

Aber Hallo! Oder sind Sie verrückt? Wer sich mit dem 70er-Stil anfreunden kann, der findet hier eine absolute Perle und einen Klassiker, der absolut zurecht diesen Status hat. Allein die Darsteller sind jede Sekunde faszinierend.

Weitere Vorschläge für eine Runde „Auf Wiedersehen“ gerne in die Kommentare.

(Fotos: Warner Brothers)

David

David

Er hat vielleicht nicht jeden Film gesehen. Er kann aber zu jedem etwas sagen. In seiner Muttermilch war Zelluloid. Auch vor Musik und Videospielen macht er keinen Halt. David sabbelt nebenbei auch professionell im Radio. Damit ist er aber offensichtlich nicht ausgelastet. Mehr von ihm gibt es hier bei den Medien-Nomaden.

david@Medien-Nomaden.de
David

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