Entschuldigen Sie, Mad Max – ist das Feminismus?

Frauen an die Macht? Die Filmkritik feiert George Millers Mad Max: Fury Road als feministischen Blockbuster – was es brauchte, war eine furios aufspielende Charlize Theron. „Ist das alles“, fragt unser Frauenbeauftragter Patrick. Achtung, Spoiler ahead!

 

Davids Ruf nach mehr starken Frauen im Mainstream-Kino wurde erhört. Charlize Theron glänzt als toughe Wastelands-Amazone in George Millers Benzin- und Blutorgie, lässt als gestähltes Tank Girl einen wortkargen Tom Hardy alt aussehen. Am Ende der wahnwitzigen Wüstenhatz thront Imperator Furiosa auf Immortan Joes Götterfelsen. Das reicht, um die Feminismus-Keule zu schwingen – im positiven wie im negativen.

„Die entzückend auf „Imperator Furiosa“ getaufte Charlize Theron ist von Anfang bis Ende der glühende Motor eines überraschend feministischen Karosseriespektakels“, notiert Jenny Jecke von moviepilot. Rüdiger Suchsland konstatiert: „Die Imperatorin einer neuen Welt Ihr Matriarchat scheint dauerhafter als alle Männerherrschaft. So ist auch im machohaftesten Blockbuster der Feminismus angekommen.“ Und Marcel Flock vom geschätzten Entertainment Blog feiert den „Triumph Furiosas über die Männlichkeit“. Einige Herren der Schöpfung nehmen diesen „Affront“ persönlich und fordern zum Boykott auf. Doch was würde Alice Schwarzer dazu sagen?

Runter mit dem Keuschheitsgürtel!

Tatsache ist: Furiosa fordert für sich und ihresgleichen das Recht auf Selbstbestimmung ein. In einer Welt, die von degenerierten Männern beherrscht wird, in der Frauen ein Dasein als Melkmaschinen oder Brutkästen fristen. Die befreiten Damen entledigen sich ihrer grotesken Keuschheitsgürtel – deutlicher kann man die Forderung nach weiblicher Autonomie nicht zeigen. Ist das Feminismus? Eher ein Wink mit dem Zaunpfahl – aber nicht mehr.

Schauen wir uns die Handlung genauer an: Furiosas Triumphzug wird erst durch die Hilfe des vermeintlichen Nebendarstellers ermöglicht. Nur weil sein Dialog auf die Rückseite eines Bierdeckels passt, wird ihm der Heldenstatus entzogen. Dabei war Reden schon immer Silber. Machen ist Gold. Mad Max hält den Mädels den Rücken frei, er erledigt Panzer im Alleingang, rettet als Blutbeutel das Leben der Aufrührerin, die sonst nie das Innere von Joes Zitadelle gesehen hätte. Wer an der feministischen Deutung festhält, mag Mad Max als größten Pantoffelhelden des Actionkinos betrachten. Tatsächlich ist er es, der Furiosa zur Rückkehr und Einnahme der mannsverwaisten Zitadelle auffordert. Wenn es nach ihr ginge, endete die Suche nach dem „Grünen Ort“ in einem minder fröhlichen Happening in der Salzwüste. Sieht so die Loslösung von der Fremdbestimmung aus?

Keine Gender Studies, sondern Schwarz-Weiß-Malerei

Die Reinheit der Frau ist – neben den monströsen Boliden – das Vehikel für einen Film, dessen Story ohne jedweden Ballast auskommt: Hier die archaischen Wilden, dort die reinen Geschöpfe. Die von der Strahlung versengten, innerlich wie äußerlich zerfressenen Männer und die (fast) jungfräulichen Schönheiten, die sich wie frisch aus dem GNTM-Shooting geschlüpft in knappen Bikinis durch die Wüste schälen. Während sich die Warlords in ihren Mutationen überbieten, ist Furiosa mit dem optisch am wenigsten abstoßendsten Makel behaftet – mit einem mechanischen Arm. Das ist keine Geschlechterforschung, beruhend auf feministischen Ansätzen. Sondern Schwarz-Weiß-Malerei at it’s best. Damit ist Mad Max näher an der Exploitation als mancher Jubilierer gerne wahrhaben möchte.

Nicht falsch verstehen: Ich gönne den Frauen den Platz an der Blockbustersonne. Ich mag Furiosa. Starke Frauen im Film? Gerne. Ich bin aber auch sehr für Sachlichkeit. Und die lautet: Mad Max ist ein absurd-geiler Trip. Mit kranken Einfällen und krachenden Stunts. Stilprägender Hochglanz-Trash. Aber ganz sicher kein Manifest der Emanzipation. Wenn Kim Kardashian das Internet sprengt, macht sie das nicht zur Ikone. Es zeigt nur, wie sehr die Idealvorstellung von Gleichberechtigung von einer lasziven Frauenpower popkulturell ausgehöhlt wurde. Wenn das Feminismus sein soll – dann gute Nacht, Frauenbewegung.

Foto: Warner Bros. Pictures

Patrick

Patrick

Mit Gameboy und Ghostbusters aufgewachsen, teilt Patrick das Schicksal vieler 1980er-Jahrgänge. Die viereckigen Augen wird er nicht mehr los. Stünde aufgrund seines ausgeprägten Sammlertriebes ohne Steam & Stream vor dem finanziellen Ruin. Hätte gerne einen purpurnen Tentakel als Haustier. Patrick arbeitet bei einem großen Medienunternehmen und geht auf journalistenfilme.de immer öfter den Medien-Nomaden fremd.

Patrick@Medien-Nomaden.de
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