Geht’s noch? Alan Wake

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Ab nach Bright Falls! Drei Jahre nachdem Remedy ihren doch noch hochgelobten Mystery – Thriller auch für den PC herausgebracht hat, begleitet Tobi Starautor Alan Wake in ein kleines verschlafenes Nest irgendwo in Amerika und… in die Dunkelheit! Wahnsinn oder doch traumhaft? Kaffee oder Tee? Am Ende gibt es nur eine Frage: Geht´s noch?

Worum geht’s nochmal?

Bei Schriftsteller Alan Wake geht erst mal gar nichts mehr. Der berühmte Thriller-Autor hat das, wovor sich alle Texter dieser Welt fürchten: eine ordentliche Schreibblockade. Um diese wieder loszuwerden, überredet ihn seine Frau Alice zu einem romantischen Erholungsurlaub im verschlafenen Örtchen Bright Falls. Doch es wird alles andere als idyllisch. Seine Frau verunglückt auf mysteriöse Weise und als er nach dem Versuch, seine Frau zu retten, wieder zu sich kommt, will man ihm erklären, dass das Haus in dem er angeblich Urlaub machen würde, schon seit Jahren mitsamt der Insel, auf der es stand, im See versunken sei. Außerdem muss er sich immer wieder von Schatten besessenen Personen erwehren, die er zuvor nur aus seinen Alpträumen kannte. Die sind nur zu verletzen, wenn sie lange genug Licht, meist aus Alans Taschenlampe, ausgesetzt waren. Als wäre das nicht schon genug, werden allerorten Seiten seines neuen Romans gefunden. Diesen hat er aber noch gar nicht angefangen zu schreiben. Was also geht hier vor? Was ist mit Alice? Ist das alles nur ein Traum? Ist es Wahnsinn? Und warum steht da eigentlich Kaffee?

Bright Falls am Tag: Idylle pur.

Bright Falls am Tag: Idylle pur.

Geht doch noch!

Mysteriös ist sie, die Geschichte des Alan Wakes. Und genau hier liegt auch drei Jahre nach Release der Reiz des Spiels. Gerade wenn man denkt, man habe die Story durchschaut, kommt wieder eine neue Wendung um die Ecke und schafft ein bisschen mehr Verwirrung. Da mag man gerne glauben, dass die Entwickler des Spiels große David Lynch-Fans sind und Twin Peaks nicht nur einmal geschaut haben. Die wenigen Bewohner Bright Falls, die man im Verlauf des Spiels trifft, bringen das Image eines verschlafenen Nests, das seit den 70ern der Zeit etwas hinterher läuft, gut rüber. Dort ist das Diner, in dem die von Wake begeisterten Rose ihre Gäste bedient, mitsamt der nur durch einen Schlag zu reparierenden Jukebox. Hier der Hobbyangler / Arzt, der sich entspannt um seine Patienten kümmert. Der einzige spannende Moment – neben der Ankunft eines Starautors – scheint das alljährlich stattfindende Jagdfest mit der dazugehörigen Wagenparade zu sein. Dass hier etwas faul ist, könnte man als Bewohner Bright Falls höchstens den Berichten aus dem Radio entnehmen.

Für Alan Wake sind die seltsamen Vorkommnisse da schon etwas offensichtlicher. Neben den nach seinem Leben trachtenden Schattenwesen und den Seiten seines noch zu schreibenden Romans, ist auch das Fernsehprogramm etwas gewöhnungsbedürftig. Die Mystery – Fernsehserie „Night Springs“ ist mit das Normalste, das über die Mattscheibe flimmert. Nett, dass auch das Spiel wie eine Fernsehserie aufgebaut ist, mit kapitelweisem Abspann und kurzem: „Was bisher geschah“.

 

Geht gar nicht!

Wäre dies ein Review aus dem Jahre 2012, würde ich sicherlich die lange Entwicklungszeit ansprechen, den großen Aufschrei, als Alan Wake vorerst nur als XBOX Exklusivtitel veröffentlicht wurde und dann erst zwei Jahre später als PC-Version. Und das alles, ohne wirklich an die damaligen Grafikstandards angepasst worden zu sein. Doch drei Jahre später soll dies nur eine Randnotiz bleiben.

Die Wälder, Berge und Seenlandschaft rund um Bright Falls sehen meines Erachtens gar nicht mal schlecht aus und auch die Lichteffekte gehen in Ordnung. Die gerenderten Zwischensequenzen sind graphisch zwar nicht mehr der Knaller, aber sie bringen die Story weiter und waren somit für mich zeitweise eine Erlösung.

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Regel Nummer eins im Dunkeln: Erst leuchten, dann schießen!

Denn es ist zwar nett, mit einer Taschenlampe bewaffnet durch dunkle Gefilde zu wandern, immer mit der Angst, die Munition der gewählten Waffe könnte für die nächste Begegnung nicht reichen. Mitunter waren mir die Spielphasen trotzdem etwas zu lang und der ein oder andere Jump-Scare kam zu schnell nach dem anderen. Remedy hat sich zwar Mühe gegeben, abwechslungsreiche Umgebungen zu schaffen, doch die Kämpfe sind zu repetitiv: sich ärgern weil der Gegner plötzlich hinter einem steht und sofort trifft, anstrahlen, ballern; einer Axt ausweichen, anstrahlen, ballern, weiterlaufen usw. Das Leveldesign basiert dabei auf dem, wie ich es liebevoll nenne, Open – Schlauch – Prinzip: Man kann die Gegend zwar oft etwas weitläufiger untersuchen und wird auch manchmal dafür belohnt, weiter geht es aber nur in eine Richtung.

Geht’s noch?

Doch das ist für mich Jammern auf hohem Niveau. Denn auch wenn mich die Leucht- und Schießpassagen teilweise ermüdet haben, so gingen die 18 Stunden Spielzeit recht zügig vorüber. Die Hoffnung, mehr Einblick in die Geschehnisse in Bright Falls zu erhalten und vielleicht noch eine weitere Night Springs-Episode erhaschen zu dürfen, ließen mich motiviert am Bildschirm verharren. Es macht Freude, auf das Ende hinzurätseln. Das Spiel gibt viele Hinweise, spielt mit Namen (Alan WAKE, BRIGHT Falls und NIGHT Springs) und verteilt jede Menge Kaffee (Errungenschaft: „Verdammt guter Kaffee“ inklusive). Trotzdem ist man sich nie sicher, auf der richtigen Spur zu sein. Darüber hinaus muss ich Remedy für ihren Humor loben und für die versteckten Gimmicks danken, die das Spielgeschehen noch etwas weiter auflockern. Ein QR – Code an der Wand und ein Spieleentwickler in der Klapse, sind hier nur zwei Beispiele.

Für mich ist Alan Wake immer noch ein spielenswertes Spiel, das seine guten Bewertungen von damals noch immer zu Recht tragen kann. Wer es also noch nicht gespielt hat: In fast jedem Sale ist es plus Addon für ein paar Euro zu haben. Auch wenn ich mich nicht sofort in den „American Nighmare“ gestürzt habe (das „Nachfolger/Addon“ bleibt erstmal auf der „To-Do-Liste“), empfehle ich allen Mystery – Fans mal einen Blick zu riskieren, besonders da ein zweiter Teil noch immer im Gespräch ist.

Hier noch der Trailer zum Spiel:

Bilder: alanwake.com

Tobi

Tobi

Mit dem Game Boy startete Tobi seine Reise in die Videospielwelt. Mit dem Sterben der Dreamcast waren seine Konsolenträume jedoch vorbei. Heute nutzt er zum Zocken noch den PC, wenn er nicht gerade analog die Würfel fallen lässt oder liest. Auch in Sachen Musik und Film ist er kein Kostverächter.Tobi war lange als Online-Redakteur unterwegs.

Tobi@Medien-Nomaden.de
Tobi

3 thoughts on “Geht’s noch? Alan Wake

  1. Toller Beitrag Tobi! Damit hast du mir eines meiner absoluten Lieblingsspiele auf der 360 abgenommen… 🙂 Ganz, ganz tolles Game!

  2. Danke sehr. Ja, war seit langem mal wieder ein Spiel, das ich durchgespielt habe, ohne in ein anderes reingespielt zu haben. Kann es nur empfehlen.

  3. Unterschreibe ich uneingeschränkt. Mir gefällt neben den ganzen Remedy-Insidern (Stichwort Sam Lake oder Poets of the Fall) und der coolen Stimmung vor allem die Idee, das Spiel wie eine Serie in Episoden zu unterteilen. Gerade die Cliffhanger und die anschließenden Tracks tragen viel zur Atmosphäre bei. Mein Highlight ist das Ende von Episode 2, wenn Haunted von Poe einsetzt und die Kamera vom Close-Up in die Totale wechselt und über das beschauliche Bright Falls und die umliegenden Wälder hinweg fährt.

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