Geht’s noch? Großwildjagd mit Dino Crisis 2

Die Dinos sind los: 1999 startete Campcom mit Dino Crisis eine alternative Serie zum hauseigenen Resident Evil – doch statt modriger Zombies ging´s gegen gefrässige Dinos. Doch schon der Nachfolger aus dem Jahr 2000 schlug spielerisch einen anderen Weg ein. Und, geht´s noch?

Worum geht´s nochmal?

Nachdem bereits im ersten Teil die Forschungen an der „Dritten Energie“ fürchterlich schief gegangen sind, haben die Eierköpfe auch im zweiten Teil nichts aus ihren Fehlern gelernt. Wieder läuft alles fürchterlich schief, wieder kommt es zum Dino-GAU: Die gesamte Forschungseinrichtung, eine Militärbasis und eine angrenzende Kleinstadt werden in die Zeit von vor 65 Millionen Jahren versetzt. Eine Einsatzgruppe des Militärs, darunter Serienveteranin Regina und Neuling Dylan, reisen ebenfalls in der Zeit zurück, um mögliche Überlebende zu retten – und natürlich um Forschungsdaten zu bergen. Doch schon kurz nach ihrer Ankunft wird das Basislager von einer Horder aggressiver Raptoren und einem T-Rex angegriffen. Außer Dylan und Regina gibt es kaum noch Überlebende. Und so ist es an den beiden, die Mission zu erfüllen und in ihre Zeit zurückzukehren.

Geht doch noch!

Teil 1 war noch ein waschechter Ableger von Resident Evil. Wenig Munition, begrenztes Heilmaterial und Angst vor tödlichem Blutungs-Schaden hieß: Den Dinos besser aus dem Weg gehen! Rätsel standen deutlich im Vordergrund. Dino Crisis 2 kippt die Balance: Weniger Rätsel, mehr Action! Von der ersten Minute an springen uns aus allen Richtungen Raptoren und andere Saurier aus dem Dschungeldickicht entgegen, die wir mit großkalibrigen Waffen niederstrecken. Für Abschüsse kassieren wir Punkte. Bonuspunkte gibt´s für Combo- oder Konter-Abschüsse. Die Abrechnung erfolgt am Ende eines Abschnitts. Sollten wir keinen Schaden kassiert haben, gibt´s noch einen Bonus obendrauf. Punkte tauschen wir an den zahlreichen Terminals gegen neue Waffen, Munition und Upgrades ein. Neu bewaffnet geht es wieder auf Dinojagd – und auch größere Exemplare wie Allo- oder Plesiosaurier fallen unseren Knarren zum Opfer. Die Punktejagd ist natürlich nicht realistisch, macht aber einen großen Reiz von Dino Crisis 2 aus. Der actionreichere Ansatz macht einfach Laune: Nach dem wir im Vorgänger sowie in den Resident-Evil-Teilen eigentlich permanent unterlegen waren, ist es eine Wonne, mit voller Waffengewalt Horden von Dinosauriern niederzustrecken. Dino Crisis 2 spielt sich dadurch auch deutlich temporeicher. Die Rätsel lösen sich fast von alleine, mehr als ID-Karten finden gilt es eigentlich nicht zu tun.

Auch in Sachen Steuerung hat Capcom nachgebessert: Erstmals können wir auch im vollen Lauf ballern und schneller ausweichen – in den Kämpfen absolut notwendig. Leicht wird das Erlebnis dadurch trotzdem nicht: Durch die Schiere Masse an Dinosauriern müssen wir immer auf Zack bleiben.

Dino Crisis 2 Capcom

Matschig auf Dinojagd: Dylan nach getaner Arbeit

Das uns das Geballer nicht langweilig wird, liegt zum einen an der kurzen, aber knackigen Spielzeit von etwa sieben Stunden, aber auch an der Abwechslung. Immer wieder werden kleine Minispiele eingestreut, außerdem sind wir auch in einem Unterwasserlabor unterwegs und erwehren uns gegen fiese Mosasaurier (wenn auch kleinere Ausgaben im Vergleich zum aktuellen Jurassic World).

Technisch sieht man dem Spiel natürlich die Zeit an. Allerdings setzt Dino Crisis 2 anders als Teil 1 und Resident Evil: Code Veronica wieder auf vorgerenderte Hintergründe. Und die sehen für Playstation-Verhältnisse super aus.

Geht nicht mehr!

Natürlich könnte man es sich leicht machen und einfach den vorhergehenden Abschnitt umkehren: Dino Crisis 2 sieht veraltet aus. Dino Crisis 2 ist zu kurz. Dino Crisis 2 ist nicht mehr als eine Schießbude. Aber das wäre ja zu leicht.

Wirklich nervig ist angesichts aktueller Konkurrenz natürlich die Bedienung. Vorgerenderte Hintergründe haben nun mal den Nachteil, dass man Gegner außerhalb des Bildschirms nicht genau ausmachen kann. Entsprechend geht die Übersicht flöten – bei einem schnellen Actionspiel natürlich nicht gerade hilfreich. Grundsätzlich ist die Steuerung im 3D-Raum hier und da hinderlich und erfordert einige Einarbeitungszeit.

Wer Wert auf echten Survival-Horror legt, der sollte vielleicht lieber den Vorgänger oder eben Resident Evil spielen. Mit Horror hat Dino Crisis 2 nicht mehr viel am Hut, dafür sind wir zu wehrhaft. Dino Crisis 2 ist eher ein Vorgriff auf Resident Evil 4 und setzt auf Panik-Action anstatt auf Atmosphäre-Horror.

Geht´s noch?

Bei Dino Crisis 2 bin ich voreingenommen. Capcoms Dino-Reißer ist für mich eines der fünf besten Spiele für Sonys graue Kiste überhaupt. Das actionorientierte Gameplay und die motivierende Punktehatz haben bei mir damals einen echten Nerv getroffen – so wie viele Jahre später Multiplayer-Shooter wie Call of Duty. Nebenbei bemerkt greifen bei Dino Crisis 2 die typischen Merkmale einer Blockbuster-Fortsetzung: Größere und Abwechslungsreichere Level, mehr Dinosaurier, mehr Waffen – let´s rock, jubiliert auch heute noch das Kind in mir!

Natürlich kann ich aber auch einschätzen, dass es für den nicht Nicht-Kenner schwierig werden wird, sich heute nochmal an ein 15 Jahre altes Action-Spiel zu machen. Technik und Bedienung sind nun mal fast so alt wie die Dinosaurier selbst. Dennoch: Wer Jurassic World geguckt hat und Lust auf ein zünftiges Dino-Abenteuer bekommt, der kann gerne mal einen Blick riskieren.

(Fotos: Capcom)

Thomas

Thomas

Seine große Leidenschaft ist das Zocken! Lange Jahre sowohl auf PC und Konsole unterwegs, dominieren dank Gamerscore- und Trophäen-Sucht mittlerweile Xbox und Playstation seine Abendstunden. Vom gradlinigen Ego-Shooter über dunkle Schleichabenteuer bis hin zu riesigen Open-World-Hits wandert fast alles ins Laufwerk. Doch auch im Kino ist er kein Kostverächter. Damit das alles finanziert werden kann, verbringt Thomas die meiste Zeit des Tages als kaufmännischer Angestellter im Büro.
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