Geht’s noch? Resident Evil: Angestaubt durchs Herrenhaus

Horror-Wochen bei unserem Retro-Check Geht’s noch?: Nachdem Patrick die unheimlichen Gemäuer von Black Mirror erkundet und Tobi sich mit Alan Wake durch Bright Falls gegruselt hat, nimmt Thomas sich den Urvater des Survival-Horrors in seiner restaurierten Fassung vor: Resident Evil HD.

Worum geht’s nochmal?

Das beschauliche Raccoon City wird von einer bestialischen Mordserie erschüttert. Immer mehr übel entstellte Leichen werden in den umliegenden Wäldern gefunden. Um den Tätern auf die Spur zu kommen, wird S.T.A.R.S., ein Sondereinsatzkommando der örtlichen Polizei, entsendet – und stößt bald schon auf aggressive Zombie-Hunde. Die überlebenden Team-Mitglieder, darunter die beiden Protagonisten Chris Redfield und Jill Valentine, können sich in ein nahegelegenes Herrenhaus retten – doch hier beginnt der Überlebenshorror erst wirklich. Das Herrenhaus entpuppt sich als geheimes Forschungslabor des Pharmakonzerns Umbrella, die hier illegale Biowaffenforschung betreibt. Das Ergebnis des skrupellosen Treibens: Der T-Virus, der sowohl Mensch als auch Tier in blutrünstige und gefräßige Zombies verwandelt. Und die trachten uns nach dem Leben. Also steuern wir unsere Protagonisten durch vorgerenderte Hintergründe, nichtsahnend, was hinter der nächsten Ecke auf uns lauern könnte.

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Typisches Problem in einer Herrenhaus-WG: Wer darf zuerst ins Bad?

Geht doch noch!

Ursprünglich erscheint Resident Evil 1996 für die Playstation – und ist heute technisch hoffnungslos veraltet. Doch es ist neben Alone in the Dark das Spiel, das das Genre des Survival Horrors populär macht. 2002 spendiert Entwickler Capcom seinem Klassiker ein runderneuertes Remake für Nintendos Game Cube. Obwohl auch schon 13 Jahre alt, kann der Titel grafisch durchaus noch überzeugen. Die detailreichen Hintergründe sind zwar bei genauerem Hinsehen etwas matschig, vermitteln aber dank toller Beleuchtung echte Gruselatmosphäre. Und auch die Jump-Scares sitzen noch immer – auch für Kenner des Originals, denn sie wurden dezent neu platziert.

Doch das Remake bietet nicht nur technische Verbesserungen. Neu und praktisch sind ebenfalls die Selbstverteidigungswaffen. Sollte ein Gegner doch mal zu nah an uns herankommen und uns beißen wollen, rammen wir ihm einfach einen Dolch in den modrigen Kopf und bleiben vorerst unversehrt.

Im Vergleich zum Original wurden einige Rätsel neu designt, es gibt ein paar neue Gebiete und Räume und sogar einen ganz neuen Handlungsstrang. Und da sich die beiden Protagonisten dezent unterschiedlich spielen und es insgesamt sechs verschiedene, wenn auch nicht sonderlich spektakuläre Endsequenzen zu bestaunen gibt, lohnt sich zumindest das zweimalige Durchspielen.

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Das Umweltministerium warnt: Hoch giftige Tiere sind als Haustiere ungeeignet.

Geht nicht mehr!

Schon komisch: Während wir an dieser Stelle oft schreiben, dass ein Titel technisch veraltet ist, spielerisch aber noch durchaus zu überzeugen weiß, ist es im Fall von Resident Evil genau anders herum. Das Spieldesign von Resident Evil ist leider nicht mehr auf der Höhe der Zeit. Das begrenzt sich leider nicht auf die teils fummelige Steuerung, die besonders dann Zicken macht, wenn wir von einem Hintergrundbild in das nächste wechseln. Nein, auch das Inventarsystem ist von vorgestern. Während Jill immerhin noch acht Gegenstände gleichzeitig mitführen darf, sind es bei Chris gar nur sechs. Zwei Plätze sind mindestens für Waffe und Munition reserviert, dazu gesellen sich noch Heil-Items, Schlüssel und Rätselgegenstände. Weil wir zwangsläufig nicht alles mitnehmen können, müssen wir regelmäßig Item-Kisten ansteuern, um Gegenstände abzulegen. Das führt zu teils nervigen und sich wiederholenden Laufwegen.

Eine kleine Qual ist auch das Speicher-System. Das dürfen wir nur an fest platzierten Schreibmaschinen – und nur, wenn wir auch ein Farbband dabei haben. Heißt: Zur nächsten Kiste laufen, Farbband holen, zur Schreibmaschine, speichern, Farbband wieder weglegen. Andere Speicherpunkte gibt es nicht. Sollten wir mal ins virtuelle Gras beißen, bleibt uns nichts anderes übrig als unseren letzten Speicherpunkt zu laden – jeglicher Fortschritt ist komplett verloren.

Eine packende Handlung sollte man übrigens auch nicht erwarten. Im Gegenteil: Die Dialoge, Zwischensequenzen und Wendungen sind teilweise arg konstruiert, albern und eher unfreiwillig komisch – im schlimmsten Fall sorgen sie sogar für echtes Fremdschämen.

Geht’s noch?

Keine Frage: Resident Evil ist ein Klassiker. Den Zusatz „zeitlos“ verdient es sich aber nicht. Zu veraltet sind einige Spielmechanismen, als das man das Spiel heute noch uneingeschränkt jedem Zocker ans Herz legen könnte. Das Genre und auch die Serie selbst haben sich weiter entwickelt. Dead Space z.B. bleibt den klassischen Tugenden von Resident Evil treu, erspart uns aber unnötige Laufwege und lästige Item-Verwaltung. Und mit Resident Evil 4 hat Capcom selbst die Serie erfolgreich modernisiert.

Wer das Spiel aber noch von damals kennt, der darf sich den Nostalgie-Horror natürlich geben – und wird feststellen, dass gar nicht so viel Spiel im Spiel steckt, wie man denken mag. Wer weiß, was er wo findet und wo einsetzen muss, der kann das Spiel ohne weiteres in unter drei Stunden abschließen.

Übrigens: Mit Resident Evil Zero steht für kommendes Jahr der nächste Game Cube Titel an, der eine HD Neuauflage bekommt. Bleibt zu hoffen, dass Capcom aus den Fehlern der aktuellen Widerveröffentlichung lernt und dem Prequel das eine oder andere spielerische Facelift spendiert – oder uns endlich mit einem echten Remake des grandiosen zweiten Teils beglückt.

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Bilder: Capcom

Thomas

Thomas

Seine große Leidenschaft ist das Zocken! Lange Jahre sowohl auf PC und Konsole unterwegs, dominieren dank Gamerscore- und Trophäen-Sucht mittlerweile Xbox und Playstation seine Abendstunden. Vom gradlinigen Ego-Shooter über dunkle Schleichabenteuer bis hin zu riesigen Open-World-Hits wandert fast alles ins Laufwerk. Doch auch im Kino ist er kein Kostverächter. Damit das alles finanziert werden kann, verbringt Thomas die meiste Zeit des Tages als kaufmännischer Angestellter im Büro.
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