Gescheit anschreien lassen in Holland – letlive. live

Das ist doch keine Musik: Das ist doch nur Geschrei. Wenn man sich musikalisch zwischen Posthardcore und Metalcore (hauptsache Core) bewegt, kommt der Vorwurf schnell. David war beim Konzert von letlive. in Eindhoven und ist dabei ins Grübeln gekommen.

Vielleicht 400 Leute, mehr sind es nicht vor der Mainstage im Dynamo in Eindhoven. Von Gedränge kann man da wirklich nicht sprechen. Trotzdem ein Erfolg für letlive. Schließlich sollte die Band aus Kalifornien im viel kleineren Basement auftreten. Überhaupt hat man den Eindruck: Es läuft für die Jungs um Jason Butler. Die Shows werden zwar nicht unbedingt größer. Aber ihre Liveauftritte haben einen guten Ruf. Schließlich zerreißt sich Frontmann Jason Butler auf der Bühne. Da fliegen Bretter durch die Gegend. Da wird sich der Teppich über den Kopf gelegt oder auch das halbe Publikum mit Absperrband eingewickelt. Dass das noch zu den harmloseren Auftritten gehört, die ich von der Band gesehen habe, spricht Bände.

Warum Core nicht gleich Core ist

Vieles im Posthardcore-Bereich ist nicht für die Masse tauglich. Schließlich ist diese Musik aggressiv,  schnell und nicht selten mit gebrüllten Texten wenig dazu geeignet, im Radio neben Taylor Swift zu laufen. Ab und zu gibt es Ausreißer. Aktuell läuft zum Beispiel Bring me the Horizon mit Follow You bei 1Live.

letlive. live

Ein Sturm auf der Bühne: letlive.

Trotzdem läuft es für die Szene nach wie vor nicht schlecht. Zu breit ist das Spektrum zwischen fast schon eingängigen Bands, die nah am Indierock stehen, bis hin zu Bands die einem ihre Musik so kompliziert um die Ohrmuschel schrauben, dass sogar Stephen Hawking vor der Komplexität aufgeben würde.

Einflüsse sind nebensächlich – Hauptsache es knallt

Und irgendwo dazwischen bewegen sich letlive. Sie haben Lieder im Repertoire, zu denen man schnell Zugang findet. Younger oder auch Muther zum Beispiel. Andere sind so wild und mit einem Tempowechsel in der Mitte immer noch überraschend. Selbst wenn sich The Sick, Sick, 6.8 Billion immer wieder in meinen Playlisten tummelt.

Am 10. Juni soll das neue Album von letlive. Erscheinen. If i’m the Devil heißt das Ding. Mit Good Mourning, America spielt die Band auch einen neuen Track von dem Album live. Der passt zu dem Rest der zwischen Melancholie und Agressiviät pendelnden Setlist. Überhaupt sieht Jason Butler nach überstandener Krankheit wieder besser aus. Zwar hat er seinen wild wuchernden Bart abgelegt und sein Haupthaar ist eine Arjen Robben-Gedächtnis-Frisur, trotzdem ist er auf der Bühne wild wie eh und je. Er spricht auch kurz über seine nicht näher bezeichnete Erkrankung und sagt wie glücklich er ist, wieder auf der Bühne zu stehen. Das merkt man ihm auch an. Immer wieder schaut er mit einem breiten Lächeln ins Publikum. Das Publikum strahlt zurück und gibt bei Muther alles – singt die letzten Zeilen mit.

Die Sache mit dem T-Shirt

Trotz der erfolgreichen Tour müssen kleine Bands haushalten. Das sieht man bei letlive. zum Beispiel an der Auswahl beim Merch. Zwei T-Shirts und einen Hoodie gibt es im Angebot. Nicht viel und doch bittet die Band darum, doch zuzuschlagen. Schließlich seien die Flüge nach L.A. teuer. Für die gute Unterhaltung lass ich mich nicht lumpen und greife zu… Support your Bands!

Die Setlist des Abends im handlichen Spotify-Format

letlive. live

David

David

Er hat vielleicht nicht jeden Film gesehen. Er kann aber zu jedem etwas sagen. In seiner Muttermilch war Zelluloid. Auch vor Musik und Videospielen macht er keinen Halt. David sabbelt nebenbei auch professionell im Radio. Damit ist er aber offensichtlich nicht ausgelastet. Mehr von ihm gibt es hier bei den Medien-Nomaden.

david@Medien-Nomaden.de
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