Grim Fandango Remastered – Geht’s noch? – Special

grim fandango

Ist das wirklich schon über ein Jahr her, dass DoubleFine unter Tim Schafer den 1998er Titel Grim Fandango neu aufgelegt haben? Tobi hatte jetzt erst Zeit, das Totenreich erneut zu besuchen und sich zu fragen: Geht´s noch?

Oh Backe, das hat aber gedauert. Im Januar 2015 haben wir Medien-Nomaden uns gefragt, welche Spiele uns im kommenden Jahr besonders reizen und was soll ich sagen, von meinen drei genannten Spielen habe ich jetzt genau eins wirklich gespielt: die remasterterte Version des letzten großen Adventure-Spiels von LucasArts in den 90ern: Grim Fandango.  Um diesen persönlichen Erfolg zu feiern, habe ich diesen Artikel geschrieben. Und da es sich zwar um ein altes Spiel handelt, es aber durch die Aufarbeitung wieder neu in den Verkauf ging, wird aus einem normalen Geht´s noch? ein Geht´s noch?-Special, bei dem ich zwischendurch auf die Besonderheiten der Neuauflage eingehe.

Noch eine kleine Anmerkung: Im Laufe des letzten Jahres wurde bereits einiges über Grim Fandango Remastered geschrieben, das auch hier wieder Erwähnung finden wird. Wenn Du, geneigter Leser, also keine Lust hast, diesen Artikel ganz zu lesen, dich aber für mein Fazit interessierst, so lese bitte nur den letzten Abschnitt.  Falls Du aber zuvor nichts von Grim Fandango wusstest und Du etwas über ein Adventure im Totenreich erfahren möchtest, oder Du einfach Lust hast etwas Informatives zu lesen, so fahre wie gehabt fort.

Worum geht´s nochmal?

Alle Seelen wollen ins Paradies. Manche kommen auf schnellem Wege dorthin, manche über Umwege. Manuel (Manny) Calavera hat noch Schuld abzuarbeiten, bevor er sich auf die diesmal wirklich letzte Reise machen darf. Er ist Sensenmann  beim „Derpartment Of Death“ (DoD) und holt die Seelen aus dem Reich der Lebenden ab, oder besser er ist „Reiseberater“. Denn hat er die Seelen erst einmal abgeholt, verkauft er ihnen ihre Reise durch das Totenreich. Je mehr Grabbeilage  die Seelen besitzen, umso luxuriös die Reise. Der Hauptgewinn ist die Fahrkarte „Nummer 9“, die aus der vierjährigen Reise durch das Reich der Toten eine Vier-Minuten-Sache macht. Diese Art von Tickets bekommen aber nur diejenigen, die auf ein Leben voller guter Taten zurückblicken können. Und genau diese Art von Seelen findet so gut wie nie den Weg in Mannies Büro, sondern macht meist bei Domino Hurley, Mannies arroganten Kollegen, halt. Schon bald hat Manny keine Lust mehr Wanderstöcke zu verteilen oder die Seelen, gut verpackt in Kisten, auf Reisen zu schicken. Durch einen Trick schnappt er sich Dominos Kundin Mercedes (Meche) Colomar und stößt dabei auf ein finsteres Geheimnis. Manny hat unbewusst in ein Nest voller Intrigen, Betrug und Gewalt gestochen und muss nun schauen, wie er Meche und sich aus dieser bedrohlichen Situation erretten kann.

grim fandango

Noch ahnen Manny und Meche nicht, welche Wendung diese Begegnung für ihr Unleben haben wird.

Geht doch noch!

Ein Adventure lebt von seiner Erzählung und genau hier trumpft Grim Fandango wie fast alle Adventure-Titel von LucasArts mit Beteiligung von Tim Schafer  auf. Über vier Jahre lang begleiten wir Manny Calavera auf seiner Reise durch das Totenreich, besuchen die verschiedensten Plätze und treffen auf die verrücktesten Freunde und Feinde. Der Mix aus mexikanischen Totenkult mit den Elementen des Film Noir, gepaart mit dem unverwechselbaren Humor der LucasArts-Spiele fesselt jede Minute und lässt den Spieler nach gut 12 Stunden Spielzeit auch 18 Jahre nach der Erstveröffentlichung mit einem wohligen Gefühl zurück.

Richtig erfreulich bei der Neuauflage des Spiels  ist das neue Point & Click- System, das das umstrittene und seeehr umständliche Tank-Lenksystem per Tastatur auf Wunsch ablöst und somit den Spielgenuss deutlich erhöht.  Wer dennoch das frustige Erlebnis der 90er nachempfinden möchte, kann im Menü wieder zum alten System wechseln und wird, wenn man von Anfang bis Ende damit spielt, sogar mit einer Errungenschaft belohnt. Zu guter Letzt sei in diesem Abschnitt noch der geniale Soundtrack erwähnt. Aus  der Feder von Peter McConnell  stammend und für die Neuauflage mit dem Melbourne Symphony Orchestra neu aufgenommen, ist dieser mit seinem jazzigen latein-ameranischen Flair ein wahrer Ohrenschmaus.

Geht nicht mehr!

Grafisch ist Grim Fandango Remastered keine große Wucht. Die Hintergründe sind die gleichen geblieben und die durch das Remastering aufgehübschten Konturen der Figuren sind nettes Beiwerk, genauso wie das bei  Steam übliche Errungenschaften-System und die  Audiokommentare von Schafer und seinem Entwicklerteam.  Ja, die Grafik ist besser im neuen Modus, aber auch mit pixeligen Figurenkonturen ist Grim Fandango ein tolles Spiel. Die Tatsache, dass am besten weiterhin im 4:3 Modus gespielt werden sollte, da im 16:9 Modus das Bild einfach in die Breite gezogen wird, schmälert die Freude über den neuen Look dann doch etwas.

Viele Spieler bemängeln zudem das fehlende Hilfssystem beim Rätseln. Zwar verändert der Mauszeiger sein Aussehen, wenn man benutzbare Gegenstände oder neue Abschnitte mit der Maus überfährt, mit der neuen Maussteuerung kam jedoch keine Hotspotanzeige, wie sie bei Point&Click  mittlerweile erwartete wird; Ein Graus  für Gegner von Wimmelspielelementen.  Auch die Rätsel seien ab und zu wirr und man bekäme keine Tipps diese zu lösen, heißt es oft bei Kritikern, die sich oftmals ein Tippsystem wünschen. Nachdem ich aber den ersten Teil der Discworld-Trilogie gespielt habe und mir manches Rätsel heute noch rätselhaft geblieben ist, kann ich mich über Grim Fandango nicht wirklich beschweren. Ganz unlogisch sind die Rätsel letztendlich nicht. Als Kind der 90er und LucasArts-Fan bin ich derart Rätsel gewöhnt. Es bleibt ja immer noch die gute Trial- und Error-Methode und zur Not hilft die Komplettlösung aus dem Netz. Was allerdings wieder einmal nervt, ist das erzwungene sich wiederholende Durchlaufen von Schauplätzen. Ein Schnellreise-System wäre hier sicher von Vorteil.

Grim Fandago

Alt trifft Neu – Pixelmanny und das neue Point&Click-System.

Geht´s noch?

Wie der aufmerksame Leser bereits gemerkt hat, hat mich Grim Fandango wieder in seinen Bann gezogen. Die Mängel, die man früher beim Spielen überwinden musste,  vor allem die Steuerung, wurden weitestgehend in der Neuauflage beseitigt, die Story ist heute wie gestern erfrischend sowie spannend und die Charaktere allesamt liebens- oder aber hassenswert. Hinzu kommt ein phänomenaler Soundtrack, den man auch außerhalb des Spieles genießen kann.

Für Nostalgiker stellt sich natürlich die Frage, ob sich eine Neuanschaffung lohnt, wenn man doch die alte Version noch im Schrank liegen hat. Klar ist, wer bei der remasterten Version große graphische Sprünge erwartet, ist sicherlich enttäuscht, aber allein die Einführung des Point & Click –Systems ist es wert, sich über den Kauf Gedanken zu machen. Denn durch die Nutzung der Maus, hat das Spiel viele Frustmomente verloren. Menschen, die nie zuvor etwas von Manny Calavera und der Welt von Grim Fandango gehört haben, sich aber für das Adventure-Genre interessieren, sei hier eine klare Empfehlung ausgesprochen. Achtet nur darauf, dass Ihr den Soundtrack gleich mitordern könnt.

Ein Fun-Fact zum Schluss: Der Fandango ist ein spanischer Singtanz. Ein  grim Fandango ist somit freiübersetzt ein düsterer Singtanz.

Was haltet Ihr vom Grim Fandango. Kann es mit modernen Click&Point-Adventures noch mithalten?

Grim Fandango

Bilder: DoubleFine/LucasArts

Tobi

Tobi

Mit dem Game Boy startete Tobi seine Reise in die Videospielwelt. Mit dem Sterben der Dreamcast waren seine Konsolenträume jedoch vorbei. Heute nutzt er zum Zocken noch den PC, wenn er nicht gerade analog die Würfel fallen lässt oder liest. Auch in Sachen Musik und Film ist er kein Kostverächter.Tobi war lange als Online-Redakteur unterwegs.

Tobi@Medien-Nomaden.de
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2 thoughts on “Grim Fandango Remastered – Geht’s noch? – Special

  1. War auch mein letztes Lucasadventure damals. Cool fand ich das Inventar, wenn Manni alles aus dem Mantel gezogen hat. 🙂
    Ist sicherlich mal wieder nen Blick wert. Danke für den Nostalgie-Trip. 🙂

  2. Hey Marco,
    gern geschehen und danke fürs Lesen. Das Inventar ist übrigens so geblieben. Wie geschrieben, ich kann es jedem nur empfehlen, sich (wieder) mit Grim Fandango zu beschäftigen. Jetzt steht das Day of the Tentacle – Remake oben auf meiner Liste. Mal schauen, ob ich es noch dieses Jahr schaffe 🙂 .

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