Großes Kino auf engstem Raum – unser Podcast zum Überraschungsnominee 2016

Die Oscars sind immer für einen Überraschungsnominee gut. In diesem Jahr war es Lenny Abrahamsons Entführungsdrama Raum, das erst durch die Nomierungen der Academy auf dem Radarschirm vieler Kinogänger auftauchte. Zu Recht? Darüber reden David & Patrick in unserem (womöglich)* letzten Oscar-Podcast 2016.

Schon die ersten Minuten sind ein Schlag in die Magengrube. Aus dem Off ertönt Kinderlachen, Mutter und Sohn unterhalten sich angeregt. Ein Kuchen wird vorbereitet, schließlich feiert der fünfjährige Jack Geburtstag. Szenen einer Familienidylle. Das schäbige Interieur ist allerdings verräterisch. Heile Welt sieht anders aus. Gerade mal eine Wandbreite trennt die beiden von einem echten Leben. Und doch scheint es unerreichbar. Ein Peiniger hält sie in einem schalldichten Schuppen gefangen. Mutter Joy seit sieben Jahren, Jack ist das Kind ihres Entführers und wurde in die Gefangenenschaft hineingeboren. Alles was dieser Junge kennt, ist dieser Raum.

Kleiner Raum, großer Film

Wir alle kennen die Geschichten von Natascha Kampusch und der Familie Fritzl. Die Details sind uns bekannt. Aber können wir wirklich fassen, was es bedeutet, für Jahre oder gar Jahrzehnte von der Bildfläche verschwunden zu sein? Wohl kaum. Daher ist Raum ein filmisches Wagnis. Er versucht, das Unvorstellbare greifbar zu machen – und als ob das nicht schon Herausforderung genug wäre, nimmt der Film die Perspektive eines Fünfjährigen ein. Beste Voraussetzungen für einen erzählerischen Schiffbruch. Lenny Abrahamson umschifft jedoch sämtliche Klippen, indem er einerseits auf eine all reißerische, brutale Darstellung des Martyriums verzichtet, andererseits nicht dazu verleiten lässt, die Geschichte in klebrigem Kitsch aus der Sentimentalitätstube zu ertränken. Raum ist weitestgehend frei von inszenatorischen Plattitüden – und gerade deshalb der wohl emotionalste Beitrag der abgelaufenen Oscar-Saison.  Das macht diesen verhältnismäßigen kleinen Film so groß.  Auch wenn er am Ende doch etwas glatt poliert wirkt…dazu aber mehr in unserem neuen Podcast.

Wie habt ihr Raum aufgenommen? Hat er Euch ebenfalls berührt? Oder lässt Euch die reduzierte Inszenierungen kalt?  Und wo seht Ihr Raum im Vergleich zu den direkten Oscar-Konkurrenten? Wir sind gespannt auf Eure Meinung!

*Damit haben wir die Oscar-Filme in diesem Jahr beinahe komplett – fehlt nur noch ein  Podcast zu Brooklyn. Ob der noch kommt? David möchte unbedingt, wir anderen Nomaden haben allerdings wenig Lust auf eine Sichtung, nachdem er uns den Film wenig schmackhaft gemacht hat. Vielleicht gibt es ja Brooklyn-Fans da draußen, die Lust haben, gemeinsam mit David einen Podcast aufzunehmen? Ihr würdet ihm ganz sicher eine Freude machen. Und uns etliche Diskussionen ersparen. 😉 Also: Bitte meldet Euch!

Unsere Beiträge/Podcast aus der Oscar-Saison 2016:

Spotlight

The Revenant

The Big Short

Mad Max: Fury Road

Bridge of Spies

The Martian

Raum Slider

Foto: A24

One thought on “Großes Kino auf engstem Raum – unser Podcast zum Überraschungsnominee 2016

  1. Guckt euch BROOKLYN ruhig an! Ist kein Meisterwerk, aber doch erstaunlich sehenswert! Ich hatte ihn auch nur durch die PV gesehen, war aber zumindest nicht gelangweilt, und Saoirse Ronan, Emory Cohen und Domhnall Gleeson sind die Zeit allemal wert. Außerdem schadet der ein oder andere Frauenfilm im Portfolio auch nie. Diversität und so!
    Im schlimmsten Falle denkt einfach dran, dass ihr einen Nick Hornby guckt! 😉

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