Hollywood, übernehmen Sie! Unsere Wunschfilme von der Black List!

Kürzlich haben wir Euch die Black List vorgestellt, Hollywoods schmackhaften Giftschrank mit den interessantesten unverfilmten Drehbüchern. Die Antwort auf die Frage, was noch auf dieser Liste schlummert, sind wir Euch noch schuldig. Wir stellen unsere persönlichen Highlights vor. Bon appétit!

In unserer Miniserie über Hollywoods vermeintliche Ideenarmut (Teil 1: klick) haben wir für Euch das Konzept der Black List beleuchtet. Den Beitrag könnt Ihr hier nachholen. Ansonsten die Kurzfassung:

Die Black List ist das Ergebnis einer seit 2005 jährlich stattfindenden Umfrage unter einflussreichen Filmproduzenten. Sie sind am Ende des Jahres aufgefordert, die besten Drehbücher zu nennen, die derzeit in Hollywood kursieren, aber noch auf eine Realisierung warten. Die Chancen, dass bisher unberücksichtigte Skripte eine neue Aufmerksamkeit erfahren, stehen gut. Von insgesamt 987 Drehbüchern auf den schwarzen Listen von 2005 bis 2014 wurden inzwischen 302 umgesetzt.

Wir haben uns durch die neueren Ausgaben der Black List gewälzt und die – für uns – spannendsten Projekte herausgesucht. Wer sich sich selbst einen Überblick verschaffen möchte, hat unter folgendem Link die Gelegenheit.

Steini:

In the Event of a Moon Disaster (Black list 2011, 33 Nennungen)

Worum geht es?

Ganz simpel: Was wäre passiert, wenn die Apollo 11-Mission gescheitert wäre? Was wenn Neil Armstrong und seine Besatzung anstatt auf dem Mond zu landen, abgestürzt und dort gestrandet wären?

Warum will ich es sehen?

Weil In the Event of a Moon Disaster zwei Themen vermischt, die mich immer begeistern können: Raumfahrt und „Was-wäre-Wenn“-Szenarien. Ein Scheitern der ersten bemannten Mondlandung war ein realistisches Szenario im Jahre 1969. Es waren sogar bereits Reden geschrieben, die der Öffentlichkeit das Nicht-Erreichen des von Präsident Kennedy veranschlagten Ziels vermitteln sollten – wäre denn ein Unglück passiert. Ich könnte den Film als eine Art Dokumentar-Drama sehen.

Wie stehen die Chancen?

Anscheinend recht gut, beziehungsweise nebulös. Wie „Variety“ letztes Jahr verkündete, hat die Produktionsfirma „FilmNation“ Regisseur Tate Taylor für das Projekt gewinnen können. Produktionsbeginn soll Anfang 2015 gewesen sein, dann hört die Spur aber abrupt auf.

Black List auf dem Mond: Ein Skript beschäftigt sich mit einem möglichen Absturz der Apollo 11-Mission. Bei dem Astronauten auf dem Bild ist hingegen alles gut gegangen.

Interessanter Stoff: Apollo 11 verunglückt 1969 auf dem Mond. Was wäre passiert? Bild: NASA

Infiltrator (Black list 2007, 35 Nennungen)

Worum geht es?

Eine Gruppe von britischen Spionen infiltriert Führungspositionen innerhalb der IRA. Die Agenten können den Geheimdienst des Vereinigten Königreich mit Informationen versorgen, der dadurch geplante Anschläge vereitelt. Doch die Aktion birgt einen hohen Preis für alle Beteiligten.

Warum will ich es sehen?

Ein „herrlich“ unverbrauchtes, wie auch spannendes Thema. Der Nordirlandkonflikt ist noch immer allgegenwärtig in Teilen Irlands, obwohl de facto 1998 beendet. Vieles, was mit ihm im Zusammenhang steht, ist noch nicht aufgearbeitet und das schließt beide Seiten mit ein. Die Story bietet viel Spielraum für einen gut durchdachten Spionage-Film. Eine filmische Umsetzung des Drehbuchs stelle ich mir wie München vor. Ein spannender Thriller, der Licht auf Vorgänge und Prozesse wirft, die immer mehr in Vergessenheit geraten. Das Drehbuch zu Infiltrator hat mit dem gleichnamigen Film, der 2016 erscheinen soll, nichts zu tun.

Wie stehen die Chancen?

Lässt sich auch nach einer verlängerten Online-Recherche nicht sagen. Ich hoffe, dass so ein Stoff nochmal aufgegriffen wird. Nur wenige Filme haben den Nordirlandkonflikt in der Vergangenheit filmisch gut – und mit gebührender Sorgfalt – darstellen können.

Die Black List entführt uns auch ins Dublin des Jahres. 1971. Vor einer solchen Kulisse könnte Infiltrator spielen. Das Bild zeigt das Chaos nach einem Autobombenattentat.

Dublin 1971. Vor einer solchen Kulisse könnte Infiltrator spielen.  Bild: BBC

 

David:

The Brigands of Rattleborge (Black list 2006, 30 Nennungen)

Worum geht es?

Eine Gruppe von Banditen nutzt ein Unwetter, um eine kleine Stadt zu überfallen und auszuplündern. Der Sheriff will sich an den Banditen rächen…. Das reicht dann auch.

Warum will ich es sehen?

Ich liebe gute Western. Dieses Jahr war zum Beispiel Slow West ein echtes Kinohighlight für mich.  The Brigands of Rattleborge versprechen mal wieder einen richtig guten Western. Vor allem der Bösewicht ist mal wieder ein richtig fieser Dreckssack, ohne großen erklärenden Unterbau. Die Entscheidung wurde mir aber leicht gemacht, als ich gesehen habe, wer Regie führen soll (siehe weiter unten).

Wie stehen die Chancen?

Hervorragend! Der Film befindet in der Produktion und niemand geringeres als Oldboy-Mastermind Chan-wook Park wird die Regie übernehmen – also ein Mann, der sich mit Rache-Geschichten auskennt. Wenn jetzt noch das Casting stimmt, kann es eigentlich nur gut werden.

Steht mit Brigands of Rattleborge ein moderner "Die glorreichen Sieben" auf der Black List? Das Bild zeigt eine Szene aus dem MGM-Klassiker mit Yul Brynner.

Brigands of Rattleborge: Ein moderner Die glorreichen Sieben? Rechte Filmausschnitt: MGM

Hibernation (Black list 2012, 7 Nennungen)

Worum geht es?

Ein fälschlich verurteilter Mann versucht, seine Unschuld zu beweisen (so weit, so langweilig). Der Clou: Er nimmt an einem Experiment teil. Dabei wird er in einen künstlichen Winterschlaf versetzt. Dafür darf er alle fünf Jahre aufwachen und raus aus dem Knast. Dabei versucht er, den wahren Mörder seiner Frau und seiner Tochter zu finden, während die Welt sich um ihn herum jedes Mal verändert.

Warum will ich es sehen?

Ich finde die Idee wirklich schick: Wie verändert sich die Welt für jemanden, der nur alle fünf Jahre aufwacht? Dazu kommen ganz neue Fragen, die es so in dem Genre eher selten gibt. Zum Beispiel: Selbst wenn ich den Mörder irgendwann finde, wie alt wird er dann sein? Schließlich kann in 5, 10 oder 15 Jahren viel passieren.

Wie stehen die Chancen?

Auch hier sind die Chancen nicht schlecht. Laut Imdb ist der Film „in Produktion“. Allerdings wird der ursprünglich geplante Regisseur Justin Lin keine Zeit mehr haben. Er hat erst mal den neuen Star Trek-Film und danach noch ein Bourne-Sequel vor der Brust. Aber immerhin: Der Film hat eine Chance.

 

The Outsider (Black list 2011, 53 Nennungen)

Worum geht es?

Ein amerikanischer Kriegsgefangener steigt nach dem zweiten Weltkrieg in den Reihen der Yakuza auf.

Warum will ich es sehen?

Zum einen finde ich die Yakuza spannend und ich bin durchaus immer wieder neugierig, wie der Culture-Clash zwischen den USA und Japan verarbeitet wird. Nicht zuletzt fand ich Takeshis Brother wirklich stark. Der Film hatte eine ähnliche Ausgangslage. Nur dass in Brother die Yakuza in die USA kam. Obendrauf kommt noch, dass das ganze ja Ende der 40er bis in die 50er Jahre spielt. Eine Zeit in Japan, in die wir hier im Westen nicht oft eintauchen.

Wie stehen die Chancen?

Auch hier: Der Film ist mehr oder weniger auf „go“. Allerdings gibt es nichts Neues seit 2014. Erst ist Hauptdarsteller Tom Hardy abgesprungen. Dann hieß es: Regisseur Takashi Miike (Itchi – The Killer) hat keine Zeit mehr für seinen ersten englischsprachigen Film. Drehbuchschreiber Andrew Baldwin hat inzwischen auch was anderes zu tun. Er doktort am Skript zum neuen Bourne-Film rum.

Patrick:

A Monster Calls (Black list 2013, 27 Nennungen)

Worum geht es?

Ein junger Heranwachsender sieht sich mit dem bevorstehenden Tod seiner krebskranken Mutter konfrontiert. Nachts plagen ihn Alpträume und Visionen von Monstern. Nach und nach beginnt der Junge zu begreifen, dass diese nächtlichen „Besuche“ ein tiefere Bedeutung haben – mit Hilfe dreier Geschichten bringen ihm die Monster die Wahrheit über das Leben näher.

Warum will ich es sehen?

Das Konzept klingt zunächst ein wenig nach Charles Dickens. Von wegen Geister der vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen Weihnacht und so. Beim zweiten Nachdenken male ich mir eine düstere Version von Tim Burtons The Big Fish aus – für mich eine der berührendsten und versöhnlichsten Geschichten über das Abschiednehmen. Natürlich kann das auch ganz großer Esoterik-Käse werden. Vielleicht sollte ich vorher doch noch das Buch lesen, denn das Skript basiert auf dem gleichnamigen Roman von Patrick Ness (deutscher Titel: Sieben Minuten nach Mitternacht), der diese Geschichte für die an Krebs verstorbene Autorin Siobhan Dowd vollendete.

Wie stehen die Chancen?

Ausgesprochen gut. Im Frühjahr 2014 erwarb Focus Features die Rechte am Buch, der Film ist für 2016 angekündigt. Als Darsteller bestätigt sind Sigourney Weaver als Großmutter des Jungen und Liam Neeson – als Monster.

Ebenfalls auf der Black List: A Monster Calls. Hier eine Illustration von Jay Kay aus dem Buch.

Liam Neeson in seiner Paraderolle: Der Schindler-Darsteller soll in der Verfilmung von A Monster Calls eine monströse Darbietung geben. Illustration von Jay Kay aus dem Buch A Monster Calls/Candlewick

The Munchkin (Black list 2014, 16 Nennungen)

Worum geht es?

Ein kleinwüchsiger Privatdetektiv ermittelt im Fall einer verschwundenen Schauspielerin – wir schreiben das Hollywood der 1930er Jahre. Im Zuge der Ermittlungen deckt er eine Verschwörung auf, in die auch der Zauberer von Oz und Metro Goldwyn Mayer (MGM) involviert sind.

Warum will ich es sehen?

Die Story klingt so schön surreal, ich musste beim Lesen gleich an den kleinwüchsigen Hans aus Tod Brownings Freaks (1932) denken. Einer möglichen übernatürlichen Komponente (Spielt der Zauberer von Oz tatsächlich eine Rolle? Oder geht es um die Entstehungsgeschichte des Films?) stehe ich zwar skeptisch gegenüber. Aber ich hätte mal wieder richtig Bock auf einen Film im Noir-Setting.

Wie stehen die Chancen?

Alles kann, nichts muss. Zumindest die Wahl des Hauptdarsteller drängt sich auf: Peter Dinklage.

Chewie (Black list 2011, 59 Nennungen)

Worum geht es?

Der Film soll ein satirischer Blick auf das Making of von Star Wars sein – durch die Augen des Chewbacca-Darstellers Peter Mayhew.

Warum will ich es sehen?

Hallo? Chewbacca? Star Wars? Im aktuellen Hype würde alles aufsaugen, was auch nur im entferntesten mit der Weltraumsaga zu tun hat. Schminktipps mit Darth Maul. R2-D2, wie er von Sir Kill-a-Lot aus Robot Wars auseinander genommen wird. Alle Filme mit Hayden Christensen. Ok, das geht zu weit. Aber eine Wookiee-Mentation nehme ich mit Kusshand.

Wie stehen die Chancen?

2012 verkündete Kyle Newman, an Chewie arbeiten zu wollen. Der Regisseur ist ein bekennender Star Wars-Enthusiast, der bereits eine filmische Verneigung auf Zelluloid gebannt hat: Fanboys (2009, das Skript stand übrigens auf der Black List von 2005) erzählt die Geschichte eines todkranken Fans, der weiß, dass er die Premiere von Episode I nicht erleben wird. Seine Freunde brechen daraufhin in George Lucas Skywalker Ranch ein…Kurz nach dieser Ankündigung übernahm Disney die Rechte am Star Wars-Franchise. Seitdem liegen die Planungen auf Eis, wie Kyle Newman in einem Interview aus diesem Jahr verrät. „It’s kinda tricky“, deutet Newman an. Vieles hängt also von Disney ab – ich habe meine Zweifel, ob ein selbstironischer Blick  Platz in den derzeitigen Planungen rund um die neue Trilogie findet.

Star Wars durch die Augen eines Wookies: Chewie soll ein satirischer Blick auf die Dreharbeiten zur Weltraumsaga werden. Wenn der Beitrag von der Black List denn jemals umgesetzt wird.

Star Wars durch die Augen eines Wookies: Chewie soll ein satirischer Blick auf die Dreharbeiten zur Weltraumsaga werden. Wenn Disney denn mitspielt. Abbildung: Original-Kinoplakat zu Star Wars – früher Lucasfilm/heute Disney

Yellowstone Falls (BlacK list 2014, 13 Nennungen)

Worum geht es?

Mama-Wolf versucht, ihre kleinen Wolfswelpen vor den Gefahren einer apokalyptischen Welt zu beschützen. Unter anderem vor mutierten Menschen.

Warum will ich es sehen?

Ein Film aus der Sicht eines Wolfes, ein Skript mit einem absoluten Minimum an Dialogen – ich bin einfach gespannt, wie das als Realfilm funktionieren soll. Endzeit geht bei mir sowieso immer.

Wie stehen die Chancen?

Nicht schlecht. Das Studio QED International (u.a. District 9) hat das Skript für einen beinahe siebenstelligen Kaufpreis erworben. Wann die Wölfe heulen sollen, steht allerdings noch nicht fest.

Forgive Me (Black list 2014, sechs Nennungen)

Worum geht es?

Beruhend auf wahre Begebenheiten: Der Film erzählt die Geschichte des Journalisten Mike Wallace, wie er das renommierte CBS-Nachrichtenmagazins 60 Minutes mitbegründete und später im Leben, ausgelöst durch üble Nachreden und Verleumdungen, an Depressionen litt.

Warum will ich es sehen?

Als alter Schreiberling sauge ich Journalistenfilme auf. Die Person des Mike Wallace bietet sich für eine Auseinandersetzung mit der Funktionsweise des Journalismus in all seinen Facetten geradezu an. Einerseits ist die Geschichte von 60 Minutes reich an journalistischen Sternstunden: Mike Wallace hat im Laufe seiner Karriere zahlreiche historische Persönlichkeiten wie Deng Xiaoping, Ayatollah Chomeini oder Mahmud Ahmadinedschad interviewt. Andererseits ranken sich um das Magazin zahlreiche Kontroversen. Als dem 60-Minutes-Reporter Lowell Bergman 1995 kompromittierende Informationen über die Tabakindustrie zugespielt werden, geraten die CBS-Macher in einen Interessenskonflikt. Weil die British American Tobacco Gruppe mit einer Klage in Milliardenhöhe droht, wird die geplante Reportage in einer entschärften Fassung gesendet, ohne die entscheidenden Passagen eines Interviews, das Mike Wallace mit dem Whistleblower Jeffrey Wigand führte. Michael Mann hat diesen Skandal verfilmt: The Insider mit Al Pacino und Russell Crowe gehört zu den besten Filmen, die das Sub-Genre des Journalistenfilms zu bieten hat. Gespielt wird Mike Wallace dort von Christopher Plummer: Er porträitiert das Dilemma eines Mannes, der viel in seinem Leben erreicht hat, aber nun um sein journalistisches Vermächtnis bangt und deshalb vor den Senderbossen einknickt. Der echte und inzwischen verstorbene Mike Wallace war von dieser Darstellung wenig erbaut – er habe auf eine Ausstrahlung des vollen Interviews bestanden. Das ist für mich der Stoff, aus dem Biopics gemacht sind: Ich freue mich auf mindestens drei Stunden investigative Hochspannung…

Wie stehen die Chancen?

…wenn Forgive me denn jemals umgesetzt wird. Machen wir uns nichts vor: Forgive me ist nichts, was Kinomassen mobilisiert. Bislang ist jedenfalls nichts über eine Verfilmung bekannt.

Ebenfalls auf der Black List: Ein Biopic über den 60 Minutes-Mitbegründer Mike Wallace. Hier eine Szene aus dem Film The Insider, wo Mike Wallace von Christopher Plummer gespielt wird.

Der Journalist Mike Wallace wurde bereits in einem Film portraitiert – von Christopher Plummer in Michael Manns Journalismusthriller The Insider. Rechte Filmausschnitt: Buena Vista

Damit sind wir am Ende unserer kleinen Serie über Hollywoods vermeintichliche Ideenlosigkeit. Wir hoffen, dass wir Euch ein paar interessante Sichtweisen und Projekte vorstellen konnten. Sagt uns doch, wie Euch die Serie gefallen habt. Und auf welche Filme von der Black List spekuliert Ihr so? Diskutiert mit uns in den Comments!

Die Medien-Nomaden küren ihre Lieblinge von der Black List.

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