Indie-Kinothek: FRANK

Sechs durchgeknallte Musiker, ein Michael Fassbender, der sein Gesicht den ganzen Film unter einem Pappkopf versteckt, ein unaussprechlicher Bandname und skurrile Songlyrics – was kann man eigentlich noch mehr von einem Film verlangen?

Regisseur Lenny Abrahamson, der vermutlich spätestens mit seinem nächsten Film „Room“ volle Aufmerksamkeit bekommen wird, bietet in dieser satirischen Komödie so einige Absonderlichkeiten.

WER IST EIGENTLICH FRANK?

Das fragt sich nicht nur Keyboarder Jon (Domhnall Gleeson), der von seinem großen Durchbruch träumt und seine Chance dazu sieht, als er zufällig in die Band The Soronprfbs aufgenommen wird – ihr letzter Keyboarder ist durchgedreht.

Doch Frank, ein mysteriöser Typ mit Pappschädel, ist nicht nur die bloße Erfindung von Lenny Abrahamson, sondern inspiriert von dem englischen Comedian Chris Sievery alias Frank Sidebotton. Nicht nur der Pappmaché-Kopf zeigt Ähnlichkeiten zu Fassbenders Frank, Sidebotton spielte zu Beginn seiner Karriere in einer Punkband. Jon Ronson, ehemaliges Bandmitglied, schrieb das Drehbuch mit.

„SOMEONE NEEDS TO PUNCH YOU IN THE FACE“

Jon, Wannabe-Künstler, gelangweilt von seinem Bürojob, ergattert seine Chance aus Keyboarder in der durchgedrehten Band. Neben Frank gibt es noch die stille Nana ( Carla Azar), Franzose Baraque (François Civil), Schaufensterpuppen-Fetischist Don (Scoot McNairy) und passiv-aggressive, manchmal auch sehr aktiv-aggressive Clara (Maggie Gyllenhaal). Jon wird bestenfalls von seinen Kollegen geduldet, Frank findet Jons Idee, ihre Musik eingängiger zu machen, jedoch anfangs gut. Von Clara bekommt er einen Schlag ins Gesicht. Sie verschanzen sich in einem abgelegenen Ferienhaus und arbeiten sechs Monate an ihrem neuen Album. Was dabei rumkommt:

#wiewerdeichberühmt?

Jon möchte nur eins: Erfolg. Bei all den bescheuerten Visionen, die Frank mit seinen Bandkollegen teilt (ein neues, durchgedrehtes Notensystem inklusive), drängen sie jedoch nicht auf Aufmerksamkeit oder gar Ruhm. Sie leben quasi in ihrer eigenen Welt. Doch als Jon in Aussicht stellt, dass Frank berühmt werden sollte und dies auch schaffen wird, gerät diese Welt aus den Fugen. Was genialen Bands, die sich zu sehr der Massentauglichkeit angepasst und gängigen Musikstils unterworfen haben, ebenfalls passiert ist (und immer wieder passieren wird). Den großen Paukenschlag gibt es für Frank beim South by South West Festival. Und doch geht es bei der ganzen Komik auch um Depression und Geisteskrankheiten. Jeder in der Band hat seine eigenen Dämonen, mit denen er kämpft, und einer verliert diesen Kampf sogar.

Abrahamson gelingt es, die moderne Entwicklung, die Internetphänomene heute durchleben, einzufangen. Jon twittert, ladet Videos auf Youtube hoch und versucht alles, die Band zu pushen. Er verbiegt die Band nach seinen Vorstellungen, dadurch verlieren sie nicht nur ihre Authentizität, sondern Frank auch seinen Glauben an die Musik. Letztendlich hat Abrahamson eine Liebeserklärung an alle schrulligen Bands gedreht, die in ihrer eigenen Musikwelt leben.

(Bilder: Runaway Fridge Productions)

Pia

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Wenn Pia nicht gerade im Hörsaal sitzt und Germanistik und Geschichte studiert, tauscht sie ihren Platz mit dem Kinosaal. Sei es als Vorführerin oder als Zuschauerin. Ihre Meinung lest ihr ab sofort hier.
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