Auf die Finger geschaut: Wie man Kevin Smith sehen sollte

Die meisten kennen Kevin Smith als den Typen, der Dogma gemacht hat. In seiner neuen Artikelreihe stellt David drei Filme eines Regisseurs vor. Einen den jeder gesehen haben sollte, einen den man unbedingt sehen sollte und einem von dem man besser die Finger lässt. Heute im Ring: Jedermanns Lieblings-Nerd Kevin Smith

Er ist der Alpha-Kevin aller Nerds. Er hat schon über Comics, Star Wars und Tolkien diskutiert (und in seinen Filmen diskutieren lassen), bevor es richtig cool wurde. (Also vor The Big Bang Theory). Noch bevor jeder Marvel-Film in Verbindung stand, hat er sein eigenes Film-Universum erschaffen (auch View Askewniverse genannt). Trotzdem schwächelt Kevin Smith in letzter Zeit. Ich hoffe auf Besserung, bis dahin aber gibt es doch eine ganze Reihe von Filmen, die sich wirklich lohnen.

Der Klassiker: Dogma

Selten war ein Film über Religion so lustig, ohne sich über die Religion lustig zu machen. Zwar hat Kevin Smith dafür vor allem von der christlichen Rechten in den USA ordentlich Gegenwind bekommen, trotzdem ist dieser Film alles andere als religionsfeindlich. Dogma sagt vor allem: Nehmt das doch alles nicht so furchtbar ernst. Bei Dogma kommt alles zusammen, was Kevin Smith auszeichnet: Gute Ideen (Buddy-Christ), hervorragende Dialoge (Sex ist ein Witz im Himmel?) und schräge Charaktere (der 13. Apostel).

Kevin Smith

Sehen auch mal gerne hin: Die Cast von Dogma

Zwar hat der Film auch die eine oder andere kleine Macke, gilt aber völlig zurecht als Kultfilm. Wer ihn nicht gesehen hat: Unbedingt anschauen und wenn man den gut findet, gibt es noch eine ganze Reihe sehenswerte Filme mehr von Smith. (Weiterschauen: Clerks, Clerks 2, Zack and Miri Make a Porno, Jay and Silent Bob Strike Back und Chasing Amy)

Der Geheimtipp: Clerks

Wären wir eine englischsprachige Seite, würde hier ein anderer Film stehen. Vielleicht Zack and Miri Make a Porno. Viele kennen vielleicht Clerks vom Namen her, nur glaube ich, die wenigsten haben ihn wirklich gesehen. Das liegt zum einen daran, dass der Film lange bei uns nur als Import zu haben war. Selbst jetzt gibt es keine synchronisierte Fassung und der Film ist auch noch in schwarz-weiß.

Kevin Smith - Clerks

Zwei Nerds bei der Arbeit: Clerks

Dabei hat der Film vieles, was Kevin Smiths Filme nachher ausmacht. Skurrile Ideen, Jay und Silent Bob, hervorragende Dialoge und jede Menge Humor. 27.000 Dollar, seine Freunde und sein Talent als Drehbuchschreiber und Regisseur – mehr brauchte Kevin Smith nicht, um den Film und seine gesamte Karierre aus dem Boden zu stampfen.

Augen zu und Finger weg: Cop Out

Ein Buddy-Cop-Movie mit Bruce Willis und Kevin Hart – Was kann da schief gehen? Kurze Antwort: Einfach alles. Allein die Story ist schon strunzdoof. Bruce Willis spielt (natürlich) einen Cop, der seine seltene Baseball-Karte verkaufen will, um damit die Hochzeit seiner Tochter zu bezahlen. Dumm nur, dass die Karte geklaut wird. Bruce versucht sie wieder zu bekommen. Yada yada yada: Happy End. Andere Comedies haben jetzt auch nicht grade gute Geschichten, aber sie machen auch aus dem Wenigen, was sie haben, etwas. Manchmal reichen da ein zwei gute Ideen, die zünden, um diese Filme dann doch noch erträglich zu machen. Leider stand bei Cop Out Kevin Smith aber mit einem Wasserschlauch in der Knaller-Fabrik.

Kevin Smith - Cop Out

Bruce Willis versucht es manchmal erst gar nicht mehr. Beweisstück A: Cop Out

Neben den lahmen Gags gibt es aber noch zwei viel gravierendere Probleme: Bruce Willis und Tracy Morgan. Während letzterer einfach nur eine nervige Knallcharge und Variation seines 30 Rock-Charakters spielt, ist Bruce Willis einfach nur eine Enttäuschung. Der Mann kann cool und witzig, hier will er nur einfach nicht. Es soll beim Dreh heftig zwischen ihm und Kevin Smith gekracht haben. Aber das kann keine Entschuldigung sein. Vor allem nicht, wenn man sich andere Filme aus den vergangenen Jahren anschaut. Auch hier agiert Bruce Willis vor allem lustlos. Er will vielleicht einfach nicht mehr.

Was am Ende bleibt

Kevin Smith hat sich in einer Schaffenskrise befunden, aus der er sich nach wie vor zu befreien versucht. Red State und auch Tusk waren nicht die großen Würfe. Mit Yoga Hoser hat er grade wieder eine Bauchlandung gemacht. Der letzte wirklich sehenswerte Film von ihm bleibt also Zack and Miri Make a Porno von 2008. Das wäre alles zu verkraften, wenn der Mann nicht so wahnsinnig sympathisch wäre. Wenn seine Filme schlecht bleiben, dann kann man sich immer noch einen seinen vielen anderen Aktivitäten laben. Seien es sein wirklich guten Podcasts, seine Live-Shows oder auch die Sachen, die er seit kurzem bei den Screenjunkies macht. Kevin Smith bleibt uns so oder so erhalten.

David

David

Er hat vielleicht nicht jeden Film gesehen. Er kann aber zu jedem etwas sagen. In seiner Muttermilch war Zelluloid. Auch vor Musik und Videospielen macht er keinen Halt. David sabbelt nebenbei auch professionell im Radio. Damit ist er aber offensichtlich nicht ausgelastet. Mehr von ihm gibt es hier bei den Medien-Nomaden.

david@Medien-Nomaden.de
David

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