Indie-Kinothek: Mistress America – fast schon Woody Reloaded

Kam gerade erst Gefühlt Mitte Zwanzig in die deutschen Kinos, beehrt uns Noah Baumbach erneut mit einer erfrischen Screwball-Komödie über die Komplikationen neurotischer New Yorker. Neurotische New Yorker? Klingt nach Woody Allen? Ja, schon….

Während Woody Allen (dieses Jahr 80 übrigens Jahre alt geworden) sich in den letzten Jahren von seiner Heimat und Lieblingsstadt New York etwas entfernt hat, verankert Baumbach seine Protagonisten in Mistress America dort. Und so wird sie zur Spielwiese der aufgeweckten Brooke.

New York, New York!

Tracy (Lola Kirke, kleine Schwester von Girls-Darstellerin Jemima Kirke), junge 18 Jahre alt, zieht für ihr Literaturstudium nach New York. Die schüchterne, etwas versteifte Studentin fühlt sich dort aber nicht wohl. Ihrer Mutter erklärt sie: „Es ist wie auf einer Party, auf der man niemanden kennt. Bloß die ganze Zeit.“ Darum soll sie Brooke (Greta Gerwig) kennen lernen, ihre soon-to-be-Stiefschwester. Diese lebt schon lange im Big Apple, und ist nicht nur viel Lebensbejahender als Tracy, sondern schreckt auch vor nichts zurück. Sie fragt nicht, sie nimmt es sich einfach. Und lebt ihre Kreativität voll aus. Es gibt beinahe nichts, was sie nicht tut: Ob Fitness-Trainerin, Nachhilfelehrerin, Inneneinrichterin – sie ist eine wahre Autodidaktin (Das Wort hat sie sich auch selbst beigebracht!). Inspiration findet die angehende Schriftstellerin bei ihrer „Stiefschwester“ und lässt sich von ihrer Lebensweise mitreißen. Doch als raus kommt, dass Tracy Brooke als Vorlage für einer ihrer Kurzgeschichten verwendet hat, fängt die Freundschaft an zu bröckeln.

Noah Baumbach – der „moderne“ Woody Allen?

Mistress America ist die zweite Zusammenarbeit von Noah Baumbach und Greta Gerwig, die sich zu den Dreharbeiten von Baumbachs Film Greenberg kennen und lieben lernten. Bereits bei Frances Ha konnte man den Einfluss der jüngeren Schauspielerin spüren, waren Baumbachs vorige Filme nicht nur biografisch angehaucht, und konzentrierten sich eher auf die Befindlichkeiten der Mitte 40er-Generation und waren leicht melancholisch . So war es etwas in Der Tintenfisch und der Wal, wo er die Scheidung seiner Eltern verarbeitete oder in Greenberg, in der sich ein Ben Stiller in sehr Baumbachscher Art und Weise durch den Alltag schlägt. Ganz aktuell in Gefühlt Mitte Zwanzig, wo ein eingefahrenes Pärchen sich von der Lebensweise eines jungen Hipster-Paar inspirieren lässt.

Jetzt steht also die Generation 20+ im Fokus, verkörpert durch Greta Gerwig. Mistress America kann quasi als Fortsetzung von Frances Ha angesehen werden. Ging es dort hauptsächlich um das mühselige Erreichen seiner Träume mit all seinen Tiefschlägen und Höhen, quält nun nicht die Phase zwischen Uni und Selbstverwirklichung, sondern die Freiheit, alles machen zu können. Brooke scheint dies erst in vollen Zügen zu genießen, gegen Ende des Films merkt sie aber auch immer mehr, wie anstrengend das ist. Das man sich nun im Gegenzug danach sehnt, seinen Weg vorgegeben zu bekommen.

Nun – worum geht es Baumbach? Ähnlich wie Woody Allen fokussiert er sich auf die gebildete Mittelschicht Amerikas, ihre kleinen Wehwehchen und Sorgen. Mehr Leichtigkeit und Witz hat insbesondere die charmante Gewig mitgebracht. Doch diese ewigen Woody Allen Vergleiche machen nicht davor halt, dass mit Baumbach/Gerwig ein interessantes und kreatives Filmmacher-Gespann aufgekommen ist, dass für die Zukunft noch einiges überraschendes aufbringen wird und sich vermutlich von diesen Vergleichen lösen kann.

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Bilder:  Fox Searchlight Pictures

Pia

Pia

Wenn Pia nicht gerade im Hörsaal sitzt und Germanistik und Geschichte studiert, tauscht sie ihren Platz mit dem Kinosaal. Sei es als Vorführerin oder als Zuschauerin. Ihre Meinung lest ihr ab sofort hier.
Pia

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