I like to MUBI, MUBI! Sieben Fragen zum VoD-Dienst

Das Logo von MUBI.

Öfter mal was Neues: Als Filmfan ist man ja dankbar für jeden Geheimtipp. Da kommt MUBI gerade richtig. Der Video on Demand-Dienst setzt auf eine kleine, aber feine Auswahl. Der erste Bezahlmonat ist fast um, Zeit für einen Erfahrungsbericht.

Was ist MUBI?

MUBI versteht sich als „hochwertiges Online-Kino“ für anspruchsvolle Cineasten. Während die Konkurrenz auf Blockbuster und Serien-Highlights setzt, macht MUBI Lust auf kleine Filme. Auf Autorenstreifen aus aller Welt, die man – wenn überhaupt – nur in der Spätvorstellung des örtlichen Filmtheaters erwischen kann. Das deutsche Kino ist ebenso repräsentiert, wie das skandinavische oder das fernöstliche Kino. Aktuelle Festivalhits wechseln sich mit historisch wertvollen Stummfilmen und interessanten Dokumentationen ab. Und zwischendurch gibt es doch noch einen Klassiker oder Kultfilm made in Hollywood spendiert.

Wie BIST DU auf MUBI gekommen?

Per Zufall. Der entscheidende Wink kam von der CineCouch. „Mubi Deutschland wird im Oktober auch wieder für Gruselstoff sorgen“, heißt es in ihrem Aufruf zum diesjährigen #horrorctober beiläufig. Da ich bis dato überhaupt nichts von MUBI gehört hatte, war mein Interesse geweckt. Die Registrierung für den Sieben-Tage-Testzugang ließ nicht lange auf sich warten…

Ein Blick in die MUBI-Bibliothek, Stand 18. Oktober 2015. Charakteristisch für MUBI ist die periodische Verfügbarkeit der Filme

Ein Blick in die MUBI-Bibliothek, Stand 18. Oktober 2015. Charakteristisch für MUBI ist die periodische Verfügbarkeit der Filme. Nach einem Monat fliegen Filme aus dem Programm. Hier trifft es Aimée und Jaguar. Dafür rückt ein neuer Streifen nach.

Wie funktioniert MUBI?

Anders als bei anderen Diensten findet der Nutzer keine uferlose Online-Bibliothek vor. Gerade mal 30 Filme hält MUBI parat. Jeden Tag erscheint ein neuer Film, dafür fliegt ein anderer wieder von der Liste. Erscheint ein Film, den man unbedingt sehen möchte, bleiben 30 Tage zur Sichtung. Wer mag, darf sich vor Ablauf dieser Frist per Mail erinnern lassen. Dank Apple & Android-Kompatibilität ist es möglich, die Filme von unterwegs abzurufen. Mir reicht der Filmgenuss am PC bzw. übers Fernsehen (via Playstation), deshalb habe ich die mobiltaugliche Variante noch nicht getestet.

Welche Filme zeigt MUBI? Ein bisschen Namedropping bitte!

Jeder der bereit ist, über den Tellerrand zu schauen, dürfte in diesem Angebot fündig werden. Die Bandbreite ist beachtlich. Jean-Luc Godards Nouvelle Vague bricht sich am unsteten Werk von Takeshi Kitano. Isländisches Kino (Black’s Game) trifft auf indonesisches (Following Diana). Aborigine-Drama (Samson and Delilah) auf Jazz-Doku (Ornette: Made in America). Dazwischen tummeln sich Früh- und Erstlingswerke berühmter Autoren (Roman Polanski, Michael Gondry). Und ab und zu gibt es mit Ridley Scotts Black Hawk Down und der Van Damme-Parodie JCVD auch ein paar ausgewählte Mainstream-Happen.

Was hast Du DIR bisher reingezogen?

Fever Pitch: Der Urvater aller Fußballfilme, nach Nick Hornbys Urmutter aller Fußballbücher. Herrlich nostalgischer Blick auf einen Sport, der längst nicht mehr so puristisch daherkommt. Wirkt im Event-Zeitalter leicht angestaubt. Nichtsdestotrotz eine charmante Klamotte über die Dreiecksbeziehung Mann, Frau und Ball.

Phoenix Wright: Ace Attorney: Hier war das Gaffer-Syndrom mein Antrieb. Die Verfilmung eines japanischen Videospiels, das im Gerichtssaal spielt und im Wesentlichen aus hyperaktiven Indizien-Battles besteht – das kann nur krude werden. Was soll man sagen: Tatsächlich ist Takashi Miikes Arbeit ein kruder Mix aus Gerichtsfilm, Komödie und Sentai. Einer, der überraschend viel Spaß macht.

Im Weltraum gibt es keine Gefühle: Ein skandinavisch-melancholisches Feelgood Movie über einen Jungen mit Asperger-Syndrom. Toll gespielt, noch grandioser inszeniert – die Kamera hält nicht nur fest, sie zeigt das Geschehen durch die Augen eines Betroffenen. Die schwedische Variante von Rain Man sozusagen. Obwohl aus dem kühlen Norden stammend, mindestens genauso herzerwärmend wie das amerikanische Vorbild.

The Good Girl: Eine kleine Tragikomödie aus der Feder von Jack Black-Spezi Mike White. Jennifer Aniston arbeitet in einem Supermarkt, inmitten der amerikanischen Pampa, die sie noch nie verlassen hat. Auf das College hat sie ihrem Mann (John C. Reilly) zuliebe verzichtet, doch der ist mittlerweile zu einem impotenten Kiffer mutiert. Da kommt die Affäre mit dem verträumten Jake Gyllenhaal im Donnie Darko-Modus gerade recht. Nicht erinnerungswürdig, aber für einen ruhigen Filmabend zu gebrauchen.

Mad Circus – Eine Ballade von Liebe und Tod: Hier war die MUBI-Beschreibung etwas irreführend. Erwartet habe ich ein Drama über einen Clown im Franco-Spanien. Was ich bekommen hab, war ein bizarres Gemetzel zwischen zwei entstellten Spaßmachern. Danke dafür.

Sushi: The Global Catch: Ich gebe zu: Ich habe noch nie vom Sushi genascht. Dennoch habe ich zwischendurch in diese Dokumentation reingelinst. Der Besuch auf dem Tokioter Fischmarkt war interessant. Bock auf Sushi habe ich trotzdem nicht bekommen.

Die Stunde des Verbrechens: Ein Zimmermädchen und ein Wachmann lernen sich beim Speed-Dating kennen. Doch dann geht alles den Bach runter. Mehr wird nicht verraten. Ein italienischer Thriller, der in hitchcock’scher Manier mit den Erwartungen des Publikums spielt. Ein echter Geheimtipp!

Timecrimes: Ein Mann flüchtet vor einem Verbrecher und versteckt sich ausgerechnet in einer Zeitmaschine. Er reist 90 Minuten in die Vergangenheit zurück. Holpriges, aber atmosphärisches Zeitreisefilmchen aus Spanien.

Der Video on Demand-Dienst: MUBI wirb mit dem Konterfeit von Klaus Kinski

Kinski verpflichtet: MUBI versteht sich als Anlaufstelle für Cineasten, die gerne mal über den Tellerrand blicken.

Was kostet der Spaß?

Schon bei der Anmeldung zur Testwoche wird der Nutzer gefragt, welches Abonnement er sich für die Zukunft vorstellen kann (ist wohl während der Testphase veränderbar). Ein monatliches Abo kostet 4,99 Euro. Wer sich ein für gesamtes Jahr verpflichtet, zahlt 39,99 Euro (macht 3,33 Euro monatlich). Ich bin eher der langfristige Typ. Worüber sich mein Fitness-Studio freut. Aber selbst wenn ich mal nur zwei, drei Filme im Monat schaffen sollte, ist das Preis-Leistungs-Verhältnis von MUBI unschlagbar. Im Gegensatz zu zwei-, dreimal Fitness-Studio im Monat. Übrigens: Entgegen anderslautender Testberichte ist die Bezahlung via Paypal mittlerweile möglich.

 Wie lautet dein Fazit?

Ihr merkt schon: Ich kann nicht klagen. Mit Im Weltraum gibt es keine Gefühle und Die Stunde des Verbrechens habe ich zwei richtig schöne Entdeckung gemacht. Ich habe in letzter Zeit viel Binge Watching betrieben und Blockbusterkino konsumiert, da wurde es mal wieder Zeit für eine Sehveränderung. Viele kleine Filme sind mir in letzter Zeit durchgegangen. Wenn ich mir das bisherige Programm so anschaue, bin ich mir sicher, das mir MUBI zu mehr Abwechselung in meinen Sehgewohnheiten verhilft. Schon jetzt ist MUBI eine gute Ergänzung zum mainstreamigen Amazon Instant Video (plus Lovefilm-Leihe als Relikt für die Neuveröffentlichungen), wenngleich sich einzelne (bekanntere) Filme wie JVCD, Black Hawk Down oder Jean-Pierre Jeunets Delicatessen doppeln.

So, genug Fragen an mich! Jetzt seid Ihr dran. Welche Erfahrungen habt Ihr mit MUBI gemacht? Lasst es uns wissen!

MUBI Slider

Patrick

Patrick

Mit Gameboy und Ghostbusters aufgewachsen, teilt Patrick das Schicksal vieler 1980er-Jahrgänge. Die viereckigen Augen wird er nicht mehr los. Stünde aufgrund seines ausgeprägten Sammlertriebes ohne Steam & Stream vor dem finanziellen Ruin. Hätte gerne einen purpurnen Tentakel als Haustier. Patrick arbeitet bei einem großen Medienunternehmen und geht auf journalistenfilme.de immer öfter den Medien-Nomaden fremd.

Patrick@Medien-Nomaden.de
Patrick

2 thoughts on “I like to MUBI, MUBI! Sieben Fragen zum VoD-Dienst

  1. Hey ihr Medien Nomaden,
    ihr wurdest vom Filmaffen nominiert für den Liebster Blog Award: http://wp.me/p5Axm7-2NB

    PS: MUBI brigt tatsächlich manchmal richtige Schätze. Eine klare Empfehlung für Kenner, wohl aber selten etwas für die Masse – was ja auch auf keinen Fall schlecht ist.

  2. Hey Filmaffe,

    welch‘ eine Ehre! Damit haben wir nicht gerechnet. Danke für die Nominierung! Als Blogger-Konsortium müssen wir jetzt erstmal schauen, wer sich und in welcher Form äußert. Aber da kommt was!
    Grüße von den Medien-Nomaden!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.