Nomaden on Tour: Penismuseum in Reykjavik

Hier reiht sich Glied an Glied – vom Hamster-Zipfel bis zum Pottwal-Schwengel. Im Isländischen Phallusmuseum in Reykjavik warten rund 300 Penisse aus dem Tierreich auf ihre Entdeckung. (Hihi, er hat „Penisse“ geschrieben, Anm. d. Red.). Patrick mit einem Ausstellungsbericht.

„This museum is not for pussies!“ Der Spruch auf dem T-Shirt im Schaufenster zieht uns die Kronen fürs Eintrittsgeld geradezu aus der Tasche. Gleichzeitig verbirgt sich hinter dem Augenzwinkern eine Warnung: Kastrationsängste legt Mann besser an der Garderobe ab. Denn in dem unscheinbaren Haus auf der Laugavegur, der First Avenue der isländischen Hauptstadt, können Besucher abgetrennte Penisse in allen Formen und Farben bewundern. Wobei: in Formalin eingelegt sind alle Schwänze irgendwie grau.

Wer den Ausstellungsraum betritt, dem eröffnet sich ein trauriger Anblick: Das, was einst das beste Stück eines Lebewesens war, schrumpelt würdelos in einem Einmachglas vor sich hin. Der Pottwal-Penis sieht aus wie ein mumifizierter Tentakel. Zumindest die Größe ist imposant: Er misst stolze 1,45 Meter. Jetzt bloß nicht nach unten schauen.

Gründer_Penis-Museum

Ohralverkehr in Island.

Die vielen phallischen Gebrauchsgegenstände sorgen da schon für mehr Erheiterung. Hier eine Dödel-Lampe, dort ein Schlong-Telefon. Wer das stille Örtchen aufsucht, hat bereits ein Ding in der Hand, bevor er sein eigenes auspacken konnte: Die Türklinken haben die Form eines…Sie wissen schon. Keine Frage, dieses kleine Museum beherbergt ganz sicher eine der skurrilsten Ausstellungen der Welt.

Die Schau ist das Ergebnis einer seit über drei Jahrzehnte währenden phallischen Sammelphase. Alles fing an mit einem Ochsenziemer, einer Schlagwaffe, die aus einem Bullenpenis hergestellt wird. Spaßgeschenke unter Isländern. 23 Jahre später, 1997, eröffnete der Lehrer Sigurdur Hjartarson schließlich seine museale Pimmel-Parade.

Penis im Glas

Wurde von Penisschützern vor einem Auftritt im Dschungelcamp gerettet.

Rund 300 organische Exponate umfasst die Sammlung heute, so gut wie jede Spezies, die in Island anzutreffen ist, ist mit einem Ausstellungsstück vertreten. Einen Großteil nehmen die Glieder maritimer Säuger ein, die sich im Ozean vor der Insel tummeln. Von der Partie sind aber auch ein paar Exoten: Von der hinteren Wand prangt ein sprichwörtlich elefantöser Penis herab, der Elfenstengel ist gleich neben dem steinharten Teil eines Trolls zu finden.

Der Homo sapiens darf in dieser Sammlung natürlich nicht fehlen. Lange zierte sich die Krone der Schöpfung, erst 2011 vermachte ein 95-jähriger isländischer Frauenheld seinen Penis der Nachwelt – beinahe hätte er noch einen Rückzieher gemacht. Sein bestes Stück sei nach den vielen Jahren des Gebrauchs arg zusammengefallen, ließ er kurz vor seinem Tod verlauten. Was soll man sagen? Die Selbstzweifel waren nicht unberechtigt: Sein Ding ist sicherlich nicht das Prachtexemplar der Ausstellung.

Wal_Penis

Purpur-Tentakel, bist Du es?

Mit wachsendem Bekanntheitsgrad jedoch müssen sich die Kuratoren keine Sorgen mehr um menschliche Exponate machen. Mindestens fünf notariell beglaubigte Spenderurkunden hängen im Museum, darunter zwei aus Deutschland. Ein Spender wirbt damit, dass sich sein Penis „in einem neuartigen Zustand“ befinde. Für Aufsehen sorgte kürzlich die Schenkung des US-Amerikaners Jonah Falcon, besser bekannt als „der Mann mit dem Riesen-Penis“ (BILD). Bis die Welt sein Gemächt im Glas bestaunen darf, wird wohl noch etwas Zeit ins Land gehen, schließlich ist der Mann erst 44. Der postmortale Schwanzvergleich ist aber längst eröffnet.

Das Penismuseum in Reyklavik befindet sich auf der Laugavegur, vom Zentrum kommend kurz hinter der Kreuzung Snorrabraut. Der Eintritt kostet 1.250 isländische Kronen, was in etwa 8,50 Euro entspricht (Stand März 2015). Ob die Ausstellung das Eintrittsgeld wert ist, muss jeder für sich ausmachen. Eine Islandreise funktioniert ganz bestimmt auch ohne einen Besuch der Penis-Schau. Wer reingeht, hat bei seiner Rückkehr jedoch eine Anekdote mehr zu erzählen.

Penis-Museum_Slider

Patrick

Patrick

Mit Gameboy und Ghostbusters aufgewachsen, teilt Patrick das Schicksal vieler 1980er-Jahrgänge. Die viereckigen Augen wird er nicht mehr los. Stünde aufgrund seines ausgeprägten Sammlertriebes ohne Steam & Stream vor dem finanziellen Ruin. Hätte gerne einen purpurnen Tentakel als Haustier. Patrick arbeitet bei einem großen Medienunternehmen und geht auf journalistenfilme.de immer öfter den Medien-Nomaden fremd.

Patrick@Medien-Nomaden.de
Patrick

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.