Oldboy vs. Oldboy

Ring frei für Original vs. Reboot #1: Oldboy vs. Oldboy. Der koreanische Film von Regisseur Chow Jung Park aus dem Jahr 2003 ist brillant und genau deswegen hat es das Remake von Spike Lee sehr, sehr schwer. Aber vor allem stellt David die Entscheidung in Frage, warum der Film überhaupt neu gemacht wurde.

Eine kreative Entscheidung war es jedenfalls nicht. Dafür ist das Remake auf der einen Seite zu nah am Original, auf der anderen Seite in einigen Details zu kalkuliert anders.

Round 1: Der Hauptdarsteller:

Josh Brolin gegen Min-sik Choi. Ein heißer Kampf: weil beide die Figur anders auslegen. Beide sind mental nach den 15 Jahren im Knast angeknackst. Während Josh Brolin das mit verzehrtem Gesicht oder steinerner Maske im Angesicht des Grauens, das er anderen zufügt,  zeigt, ist Min-sik Chois Spiel nuancierter und über Strecken verstörender (besonders im Finale). Josh Brolin ist gut. Min-sik Choi ist besser. Noch ein Wort zu Samuel L. Jacksons Charakter. Der scheint mir irgendwie deplaziert. Ein Versuch, sich krampfhaft vom Original abzusetzen?

Round 2: Die Story:

Die Grundgeschichte ist bei beiden Filmen gleich. Ein ziemliches Arschloch wird für 15 Jahre eingesperrt und weiß nicht, warum. Es wird frei gelassen und geht auf die Suche nach seinen Peinigern. Auch der Twist am Ende ist sehr ähnlich. Trotzdem setzt sich auch hier das koreanische Original durch. Szenen, wie die im Restaurant mit dem lebendigen Kraken, oder auch der im Finale deutlich besser inszenierte Zusammenbruch von Min-sik Choi Charakter sind mitreißender.

Final Round: Der Look:

Auch hier gewinnt das Original. Und wenn es auch nur wegen der brillanten, ungeschnittenen Szene ist, in der Min-sik Choi eine ganze Reihe von Gegnern auseinander nimmt. Die wird im Remake zwar kopiert und ist auch brutaler – aber eben doch nur eine fade Kopie.

Fazit:

Die meisten, die das Original kennen, werden feststellen: Das Remake ist einfach schlechter. Trotzdem hat Spike Lees Version nicht den ganzen Hass verdient, den sie im Vorfeld abbekommen hat. Vielleicht bohren sich die Bilder nicht so sehr in die Hirnwindungen wie die des koreanischen Originals. Aber trotzdem ist das US-Remake ein unterhaltsamer Thriller geworden, der die eine oder andere nette Idee mitbringt. Wer unvoreingenommen ran geht, kann auch Spaß am US-Oldboy haben.

David

David

Er hat vielleicht nicht jeden Film gesehen. Er kann aber zu jedem etwas sagen. In seiner Muttermilch war Zelluloid. Auch vor Musik und Videospielen macht er keinen Halt. David sabbelt nebenbei auch professionell im Radio. Damit ist er aber offensichtlich nicht ausgelastet. Mehr von ihm gibt es hier bei den Medien-Nomaden.

david@Medien-Nomaden.de
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