Prince Avalanche: Echte Liebe unter Männern

Die beiden Typen in der texanischen Einöde scheinen unvereinbar: Alvin (Paul Rudd, Anwärter auf den Titel „imposantester Pornobalken des Jahres 2013“) ist ein im doppelten Sinne hoffnungsloser Romantiker. Ein moderner Werther, wenn man so will. Lance (Emile Hirsch) dagegen ist ein alternder,  glückloser Aufreißer.

Alvins Freundin, die Schwester von Lance, ist der kleinste gemeinsame Nenner. So scheint es zumindest: Denn während die beiden in einer von Waldbränden verwüsteten Wildnis die Fahrbahnmarkierungen erneuern, erkennen sie, dass sie sich im selben Spannungsfeld zwischen Eskapismus, Lebenslüge und Selbstfindung bewegen.

Die Presse in Übersee feierte Prince Avalanche (ein kryptischer Titel, der sich aus drei Anekdoten des Films zusammensetzt) als Hoffnungsschimmer am amerikanischen Kino-Firmament. Ums nicht zu unterschlagen: Die Vorlage stammt aus Island. Was Regisseur David Gordon Green aber aus ihr macht, ist zweifellos mehr als einen Anstandsapplaus wert. Mit Prince Avalanche legt er nämlich einen der stilsichersten Filme des Kinojahres hin.

Green trifft in jedem Moment den richtigen Ton: Prince Avalanche ist eine feinfühlige „Bromance“. Behutsam – wie es eine Spielzeit von etwas mehr als neunzig Minuten eben zulässt – baut Green seine Beziehungskiste auf. Anfangs haben Alvin und Lance viel zu erzählen – sich gegenseitig aber nichts zu sagen. „Man kann nicht nicht kommunizieren“, postulierte Paul Watzlawick einst. Die beiden Einsiedler treten mit ihren aneinander vorbei monologisierten Gedanken den Gegenbeweis an. Und bereiten damit den Nährboden für herrlich-skurrile Situationen.

Ohne Ablenkung gibt es in der Isolation der Einöde aber kein Entrinnen vor dem Seelenkummer. Ob die Flucht in die Natur bewusst angetreten wurde oder nicht: Alvin und Lance müssen sich öffnen, um nicht den Verstand zu verlieren. Es ist der Beginn einer komischen und zugleich anrührenden Männerfreundschaft.

So eine brüderliche Liebe kommt natürlich nicht ohne Zoten aus: Was anfangs so „nutzlos wie Männertitten“ ist, mündet schließlich in einer der anmutigsten Sauftouren der Film-Geschichte. Doch hinter jedem Witz steckt auch eine tragische Komponente. Wenn Alvin in den niedergebrannten Mauerresten die Heimkehr zu seiner Freundin zelebriert, sieht das zunächst einmal reichlich belämmert aus. Schnell wird aber klar: Hier hechelt ein Mann seiner ganz persönlichen Utopie hinterher.

Getragen von zwei grandiosen Schauspielern und faszinierenden Naturbildern, untermalt von einem verträumten Soundtrack (Explosions In The Sky & David Windo), ist Prince Avalance von der ersten Minute an perfektes Kino für’s Herz. Eine Art aseuxeller Brokeback Mountain. Um frei nach den Worten des väterlich ratschlagenden Truckers (Lance LeGault) abzuschließen: „Gefühl? Das ist, wenn man fühlt!“ pt

Foto: Magnolia Pictures

Patrick

Patrick

Mit Gameboy und Ghostbusters aufgewachsen, teilt Patrick das Schicksal vieler 1980er-Jahrgänge. Die viereckigen Augen wird er nicht mehr los. Stünde aufgrund seines ausgeprägten Sammlertriebes ohne Steam & Stream vor dem finanziellen Ruin. Hätte gerne einen purpurnen Tentakel als Haustier. Patrick arbeitet bei einem großen Medienunternehmen und geht auf journalistenfilme.de immer öfter den Medien-Nomaden fremd.

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