Record Store Day 2015: Jetzt geht´s ums Vinyl

Viele Besitzer einer Schallplattensammlung überkommt bereits Ende Januar ein gewisser Drang zur Sparsamkeit. Der Record Store Day (RSD) rückt näher. Tobi erklärt, was es damit auf sich hat und warum er sich momentan nur noch von Tütensuppen ernährt.

Alles begann in den USA im Jahre 2007. Eine Gruppe bestehend aus Plattenladenbesitzern und Mitarbeitern in eben diesen Läden versammelten sich um RSD-Mitbegründer Michael Kurtz. Ihr Anliegen: Das Dasein von Indieplattenläden und das Hobby des Sammelns von physischen Tonträgern soll einmal im Jahr gebührend gewürdigt werden. Also wurde der dritten Samstag im April auserkoren, um dieser Würdigung nachzugehen. Der Record Store Day ward geboren. Mittlerweile wird der Record Store Day weltweit jährlich im April zelebriert.

Was ist das Prinzip des Record Store Days?

Im Grunde geht es darum, Musikfreunde wieder in die Plattengeschäfte zu locken. Dies soll durch ein spezielles, meist streng limitiertes und nur am Record Store Day erhältliches Sortiment erreicht werden. Dieses wird nur in kleinen Plattenläden angeboten. Große Ketten und Online-Versandhäuser sind von der Belieferung ausgeschlossen. Von Wiederveröffentlichungen von längst vergriffenen Alben, über spezielle B-Seiten, bis hin zum Debüt-Album auf Tape, für jedes Sammlerherz ist etwas dabei. An die 500 spezielle RSD-Veröffentlichungen waren es letztes Jahr und auch dieses Jahr kratzt das Sortiment an dieser Richtzahl. Darüber hinaus werden in ausgewählten Läden kleine Zusatzevents wie etwa ein Konzert oder eine Autogrammstunde dargeboten.

Dave Grohl ist offizieler RSD - Botschafter des Jahres 2015

Dave Grohl ist offizieler RSD – Botschafter des Jahres 2015

Dass nicht nur Plattenläden hinter dem Record Store Day stehen, zeigen jährliche namhafte Persönlichkeiten aus der Musikbranche, welche die Organisatoren bei der Promotion des Record Store Days unterstützen. Dieses Jahr geben sich Dave Grohl (Nirvana, Foo Fighters) für den internationalen und Olli Schulz für den deutschen Markt die Ehre. Zuvor hatten bereits Künstler wie Josh Homme (Queens of the Stoneage) und Ozzy Osbourne das Amt des RSD-Botschafters inne.

Kommerz oder Segen?

Die Kritik am Record Store Day ist fast so alt wie der Record Store Day selbst. Warum soll man sich an einem Tag des Jahres in einen überfüllten kleinen Plattenladen drängen, um eine „überteuertes“ Album auf Vinyl oder – noch schlimmer – eine 7- Inch zu erwerben? „Die meisten limitierten Sachen, sind eh bereits nach Minuten weg, man hat ja keine Chance“, fluchen enttäuschte Kunden, „Das landet später eh alles bei Ebay.“
Letzteres kritisiert auch die Band Drenge. Das Sortiment sei sogar schon vor dem offizielen Record Store Day bei Ebay erhältlich. Neben Kunden und Drenge kritisieren dieses Jahr auch die britischen Indielabels  Howling Owl und Sonic Cathedral den Record Store Day. Die Grundidee sei gut, aber Indielabels würden dabei benachteiligt. Die ganze Veranstaltung sei seit längerem eh der großen Musikindustrie unterworfen. Die britischen RSD-Ausrichter von  der Entertainment Retailers Association gaben daraufhin zu verstehen, dass der Record Store Day, wie der Name es bereits verrät, ja auch keine Kleinstlabel unterstützen will, sondern eben Plattenläden. Außerdem seien bei den vergangenen Events auch immer die kleinen Labels auf ihre Kosten gekommen (alles nachzulesen auf der Seite des Vision Magazins).

Mein Senf zum Thema

Vorab: Ich kenne die Regelung für die Veröffentlichungen an einem Record Store Day nicht und kenne auch nicht die genauen Verkaufszahlen. Ich kann deshalb nicht sagen, ob kleine Labels benachteiligt werden oder nicht.
Da ich aber selber Vinylliebhaber bin und versuche meine Plattensammlung stetig zu vergrößern, gehöre ich wohl zum Käuferklientel und aus dieser Sicht kann ich sagen: Ja, dass die Platten jetzt schon auf Ebay feilgeboten werden, ist absoluter Mist! Aber solange es Käufer gibt, die freudig bezahlen, wird dies auch nicht zu verhindern sein. Das Phänomen ist ja aus Kartenvorverkäufen ausgiebig bekannt.

Zum Prinzip des Record Store Days: Es funktioniert. Durch den RSD bin ich auf einen tollen kleinen traditionsreichen Plattenladen in Essen – Steele aufmerksam geworden, bei dem ich seit dem Stammkunde bin (David übrigens auch). Ja, es mag sein, dass am Record Store Day die Preise etwas hoch sind, bei manchen Alben vielleicht auch zu hoch. Die Frage dabei ist immer, will ich das Album jetzt mit buntem Vinyl, fluorisierenden Sleeves und neuem Tanzbär-Cover und zahle dafür fünf bis 10 Euro mehr? Meine Antwort lautet dann meist: JA! Manchmal glaube ich auch, dass die lautesten Internettrolls gerade diejenigen sind, die eine Woche nach dem Record Store Day die Scheibe für das Dreifache bei Discogs oder eben Ebay ersteigern, nur um sagen zu können: „Ich hab die Platte doch, aber bei dem Scheiß hab´ ich nicht mitgemacht.“

Sammeln ist das, was den Record Store Day für mich ausmacht. Und die Sammelleidenschaft wird am Record Store Day mehr als bedient (Hallo, Tütensuppen). Früher waren es Ü-Eierfiguren, jetzt sind es Schallplatten und wenn man sich dann am dritten Samstag im April aufmacht, um zu schauen, ob man sein Wunschvinyl ergattern konnte, ist es ein bisschen so wie das Ü-Eiöffnen, nur das man zuvor nicht am Plattenladen rütteln musste. Manche Eierfiguren kann man auch heute noch für horrende Summen im Internet kaufen, genau wie manche Platten. Einkaufen am Record Store Day ist also auch eine Wertanlage. Ich habe da nur ein Problem: Ich lege meine Beute auch auf … Good Bye Near Mint.

Wer sich also beschwert: Man muss diese Platten nicht kaufen und wenn man ein wenig warten kann, kommen viele Veröffentlichungen später auch in einer normalen Version in den Handel, für etwas weniger Geld.

Bevor ich den Artikel jetzt abschließe, hier noch meine Wunschbeute für den 18. April (der dritte Samstag in diesem Monat):

Kettcar - WerkschauKettcar – Werkschau
Ich habe das erste Album zwar bereits auf Vinyl, aber alle Alben als Picture- Vinyl? Da springt mein Sammlerherz.

 

 

Noch kein Cover vorhanden.

Noch kein Cover vorhanden.

The Decemberist – Picaresque
Endlich wieder auf bezahlbaren Vinyl!

 

 

 

Thees Uhlmann, Thees UhlmannThees Uhlmann – Thees Uhlmann
Ich bin jetzt erst mit den Solopfaden des Tomtefrontmanns warm geworden und das Legocover plus coloured Vinyl ist ein echtes Kaufargument.

 

 

Was haltet Ihr vom Record Store Day? Schaut Ihr am 18. April mal in einem Plattenladen vorbei? Was steht auf Eurer „Must-Have-Liste“? Schreibt es in die Comments.

Hier gibt es die komplette Liste der RSD-Releases

Hier die Seite des deutschen Record Store Days 

In diesem Sinne

Shut Up And Take My Money

 

 

 

 

 

 

 

 

Bilder: http://www.recordstoredaygermany.de / Internetmeme

Tobi

Tobi

Mit dem Game Boy startete Tobi seine Reise in die Videospielwelt. Mit dem Sterben der Dreamcast waren seine Konsolenträume jedoch vorbei. Heute nutzt er zum Zocken noch den PC, wenn er nicht gerade analog die Würfel fallen lässt oder liest. Auch in Sachen Musik und Film ist er kein Kostverächter.Tobi war lange als Online-Redakteur unterwegs.

Tobi@Medien-Nomaden.de
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