Entschuldigen Sie, ist das Romantik? Die schlimmsten Liebesfilme

Rosa Zuckerwatte, Glitzer-Einhörner und Plüschherzen. Finden wir gut. Nur nicht an Valentinstag. Jenes von der Blumenmafia unterstützten Kommerzfest, an dem wir nicht genug I love Milka™ fressen können, wie wir Veilchen brechen möchten. Unsere Wut lassen wir an wehrlosen Schmonzetten aus. Hier sind sie: Unsere schlimmsten Liebesfilme.

Message in a Bottle (1999)

Patrick:

Sending out an S.O.S.: Message in a Bottle ist jene Liebesschnulze, die ich ungesehen zurück ins Meer der Videothekenware hätte werfen sollen. Denn Nicolas Sparks‘ Flaschenpost ist einer der größten Etikettenschwindel, der mir unter die Augen gekommen ist. Der deutsche Verleihtitel verheißt immerhin den „Beginn einer großen Liebe“.

Dabei gibt Message in a Bottle nur vor, perfektes Kuschelmaterial zu sein. Um der Liebe den Dolchstoß zu verpassen – und das gleich zweimal. Erst wird Kevin Costner zum Witwer. Und nachdem der alternde Schmachtfetzen mühsam gelernt hat, sich auf eine neue Beziehung einzulassen, darf er selbst den Löffel abgeben. Das ist so, als würde ich süße Katzenbabys an Familien mit kleinen Kindern verkaufen – und ihnen nach der Transaktion eröffnen, dass die putzigen Fellknäuel unheilbar an Katzenkrebs erkrankt sind. Die Stimmung ist im Keller.

Dass Message in a Bottle die Tränendruckerei überstrapaziert ist eine Sache. Doch als alter Rechercheur platzt mir gleich doppelt die Hutschnur. Da findet eine Journalistin eine herzerwärmende Flaschenpost, erfreut sich an der Schönheit der Worte – und tut daraufhin das Richtige: Sie wendet sich wieder wichtigeren Themen zu. Ihr Chefredakteur aber schreibt diesem Liebesbrief, der sich von Millionen anderen Liebesschwüren nur dadurch unterscheidet, dass er mehrere Jahre in einer Flasche dahin gammelte, eine öffentliche Relevanz zu.

Anstatt sich wirklich bedeutsamen Geschichten zu widmen, macht er Nachrichten für Menschen mit Aufnahme-Defizit. BuzzFeed-Journalismus in Prä-Internet-Zeiten. Fehlt nur noch eine heftige Headline. „Anfangs glaubte ich an eine Pulle Bier im Sand. Doch was ich dann las, machte mich weinen.“ Wenn ich dann noch sehe, wie Robin Wright mit kleinen Pulitzer-Preisen in den Augen und FBI-Profiler-Methoden der Herkunft dieser weltbewegenden Depesche auf den Grund geht, wird mir richtig übel. Wenn Die Unbestechlichen mit Robert Redford und Dustin Hoffmann alias Bob Woodward und Carl Bernstein das Loblied auf den investigativen Journalismus singen, dann ist Message in a Bottle der vorgezogene Schwanengesang. Oder aber nur eine richtig fiese Schmonzette – ohne Herz, voller Kalkül.

 

Kein Geist für alle Fälle (2010)

Tobi:

Wenn die Fernbedienung abhanden kommt und das Logo des Fernsehsenders Sixx auf der Mattscheibe erscheint und man – aufgrund fehlender Kraftreserven – nicht in der Lage ist aufzustehen, um den Sender zu wechseln; ja, dann kommt man in den Genuss solcher (Achtung: Wortwitz) geistreichen Filme wie: Kein Geist für alle Fälle. Dieser Film, dessen Titel bereits klingt wie die Überschrift eines kolossalen Verrisses, ist an Ödnis und gleichzeitig schlechter Schmalzschmiererei kaum zu übertreffen.

Hier kurz die Story: Mädel (Diana Amft) fährt Typen (Stephan Luca) über den Haufen und beide landen im Krankenhausbett. Während sie eine Halskrause anlegt, liegt er im Koma. Dumm nur, dass er gerade mit einer Erfindung die Umwelt retten wollte und sein Urheberrecht nun in Gefahr ist. Da er zum Glück als Geist auf außerkörperlichen Streifzug  auf seine Jugendliebe trifft, akquiriert er diese prompt zwecks Ideenrettung. Besagte Liebe ist, der Zufall will es so, natürlich Miss Halskrause. Beide haben sie ihren ersten und auch noch gemeinsamen Kuss nie vergessen.

Also, Spooky Love? Jaein. Sie glaubt zuerst nicht an Geister und steht auch noch kurz vor der Hochzeit mit einem offenbar unaufmerksamen anderen. Dessen Eltern sind voll bestimmend und außerdem mag niemand (inklusive mir) ihre lila Autofahrclogs. Das ist für sie natürlich uncool und auch der Geist findets total doof.

Nach langem (nicht geisterhaften) Rumgeheule kommt es endlich zum Breakdown: Er als Geist löst sich in Luft auf und stirbt als Mensch. Alles total knapp und total nicht spannend. Traurig, traurig… Gut, dass Alles am Ende nur ein Traum war. (Also die Story. Nicht, dass ich den Film wirklich gesehen habe).

Kurz: Jedes Ouija-Brett, das pubertierende Teenager mittels Wasserglas dazu bringt, das Wort LIEBE auf ein Blatt Papier zu kritzeln, ist romantischer, lustiger, spannender und möglicherweise – dank Smartphone-Kamera – besser in Szene gesetzt.

{Anmerkung: Der Film ist anscheinend so bescheiden, dass niemand einen Trailer zurecht schneiden wollte. Zumindest gibt es keinen bei YouTube – jenem Ort im Internet, an dem Dr. Snuggles-Folgen und Enthauptungsvideos nur einen Klick entfernt liegen. Aber den ganzen Film kann man sich dort anschauen…die ProSiebenSat1 Media AG bemüht nicht mal ihre Abmahnungsanwälte.}

 

Titanic (1997)

Steini:

Leider habe ich wenig Liebesfilme gesehen, aber James Camerons Oscar-prämierte Untergangsepie hat einen so schlechten Liebesplot, dass selbst die Pornoadaptionen Tittanic und Bi-Tanic besser romantische Gefühle erzwingen, als das Techtelmechtel von Jack und Rose.

Fernab von brillanten Effekten, einem eigentlich guten (Action-)Drehbuch und atemberaubender Photografie, muss der Zuschauer eine arg gekünzelte Story über sich ergehen lassen. Die Handlung: Rose (Kate Winslet) hat keinen Cash und muss deshalb Cal (Billy Zane, hat Cash) heiraten. Der ist aber fies drauf und haut seine Verlobte schon mal. Desweiteren hat er für junge, aufstrebende Künstler wie Picasso nur Hass übrig. 1912 während der Fahrt mit der der RMS Titanic lernt Rose Jack kennen, der sie vom geplanten Suizid abhält. Jack hat zwar keinen Cash, dafür aber Freiheit und davon ganz viel. Er hat sich die Überfahrt mit dem Dampfer ergaunert. Nach einer Unterweisung im Über-die-Reling-Spucken, einer Nacktzeichnen-Session und Koitus in einem Kraftfahrzeug, sind Jack und Rose hart verliebt und unzertrennlich. Cal liebt Jack aber nicht, daraus entsteht ein Interessenkonflikt, den er mit Beugehaft lösen will. Aber ein garstiger Eisberg macht allen einen Strich durch die Rechnung, versenkt den Dampfer und zwingt jeden zur kollektiven Ice Bucket Challenge – außer Cal; der erfüllt den Tatbestand der Kindesentführung, kann sich retten und bleibt trocken. Jack wird im Wasser sehr bleich und „erfriertertrinkt“. Rose überlebt, wird dabei aber nass. Die Punchline: Kein Sex im Auto.

Der Film ist gut, aber die Liebesgeschichte ist so schlecht, dass man das Erscheinen des Eisbergs (bester Endgegner nach Godzilla und Hitler, weil er keine Augen hat) bejubeln muss. Nicht nur ist hier alles Schwarz-weiß gedacht und die Charaktere eindimensional, sondern auch unglaubwürdig präsentiert. Rose folgt ihrem Herzen. Die Erkenntnis, dass Jack der Mann ihres Lebens ist, gedeiht binnen zwei Tagen?! Cameron kann Action-Blockbuster, aber Liebesfilme? Nein. Das zeigt sich in Titanic, hier dümpelt die Liebesgeschichte nur so herum und bedient sich zu sehr Stereotypen. Aufgezwängt, um ein größeres Publikum an die Kinokassen zu bringen.

Eine wie keine (1999)

David:

Irgendwo in Hollywood sitzen herzlose Produzenten, die jedes Jahr herzlose Drehbücher verfilmen lassen – mit Schauspielern, die das Geld dringend brauchen, um dann Teenagern im Gefühlschaos der Pubertät die Kohle aus der Tasche zu ziehen. Herzlich willkommen in der schönen Welt der romantischen-Teen-Comedies. Jeder Junge musste da mal bei einem Date durch, genauso wie jedes Mädchen mal durch den hirnlosen Actionfilm musste. Besonders negativ hat sich „Eine wie keine“ bei mir eingefräst. Zugegeben: Es gibt nervigere romantische Filme. Aber Dirty Dancing zu bashen,  das ist wie Fische mit Dynamit aus einem Fass zu angeln.

https://www.youtube.com/watch?v=jHbqb2ZJ-yI

Der Film hat alles, auf das man als Teenager abfahren soll: Hübsche Darsteller, eine hässliche-Entlein-zu-Schwan-Story, angesagte Musik, Cameos von Promis („Hey, ist der DJ nicht Usher?“) und natürlich das unvermeidliche Happyend. Trotzdem sollte der kleinste gemeinsame Nenner bei solchen Filmen sein, dass man die Hauptdarsteller (das Paar in spe) mag. Freddy Prince Jr. ist möglicherweise der größte Arsch, der mir je in dieser Art von Film begegnet ist. Das ganze macht es natürlich schwer zu verstehen, warum die kluge und hübsche Rachael Leigh Cook sich in so jemanden verliebt. Überhaupt: Bei Frau Cook sehen wir wieder ein klassisches Hollywoodklischee. Hübsche Frau mit Brille und Zopf – gleich hässlich. Das war schon in den 80ern dämlich und 1999 war das eigentlich nur noch peinlich. Statt sich diesen Film heute anzuschauen, empfehle ich, mit ordentlich Schmackes vor eine Wand zu laufen. Alternativ: 500 Days of Summer“, „Schräger als Fiction“ oder Lost in Translation“ schauen.

LiebeshappenFoto: Denise/pixelio.de, Rainer Sturm/pixelio.de, clipartlogo

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