Sind Sie sexistisch oder bin ich das? – Starke Frauenrollen im Film

David, der alte Frauenversteher! Immer öfter stößt ihm sauer auf, die Rollen von Frauen in den meisten Filmen sind eindimensional und oft auch noch schlecht geschrieben. Werden Frauen in Hollywood benachteiligt? Er sagt: Ja! Aber es gibt auch Hoffnung, dass es mal besser werden könnte.

Okay, ich bin ein Mann und kann mich trotz beachtlicher Oberweite nicht in eine Frau hinein versetzten. Mir fällt aber immer wieder auf: Es fehlt irgendwie an starken Frauenrollen im Mainstream-Kino. Die große Frage, die ich mir stelle: Ist Hollywood wirklich so sexistisch oder wird hier die – nach wie vor – chauvinistische Gesellschaft reflektiert? Wie Frauen in Hollywood in Filmen dargestellt werden und wie viel Arbeit sie überhaupt bekommen, lässt sich sehr schön anhand einer Studie der San Diego State University ablesen. Das Ergebnis: It’s a man’s (celluloid) world. Frauen sind in großen Teilen auf Nebenrollen beschränkt. Sie spielen Hausfrauen, Mütter, love interests. Sie müssen vor allem schön, jung und verfügbar sein.

Auch hinter der Kamera sieht es nicht besser aus

Nur mal die nackten Zahlen: Von allen Personen, die an den 250 erfolgreichsten Filmen auf dem amerikanischen Markt gearbeitet haben, waren 17 Prozent Frauen. Das ist der gleiche Anteil wie noch 1998. Einzeln aufgeschlüsselt bedeutet das: Sieben Prozent der Regisseure waren Frauen. Bei den Drehbuchautoren waren es immerhin 11 und bei den Produzenten 23 Prozent. Dafür gab es aber nur fünf Prozent Kamerafrauen. Das sind Zahlen, die es sonst vielleicht nur noch bei KFZ-Mechanikern und Dachdeckern gibt. Jetzt könnte Mann natürlich sagen: „Frauen sind halt nicht so filmaffin wie Männer“. Ist erstens Quatsch und zweitens Blödsinn. Gibt man Frauen die Filme, die sie wollen, gehen sie auch ins Kino. Also ist das Interesse an Film bei Frauen ähnlich hoch wie bei Männern. Daran liegt es also schon mal nicht, dass Frauen den Weg in die Industrie nicht finden. Es sind wohl eher die Arbeitsbedingungen und ein genereller Chauvinismus in Hollywood. Frauen wird zum Beispiel einfach nicht zugetraut, einen großen Blockbuster als Regisseurin zu stemmen. Darüber beklagt sich die deutsche Regisseurin Lexi Alexander (Punisher: War Zone, Hooligans) in einem Artikel.

Es gibt aber noch Hoffnung

Vor der Kamera gibt sie verstärkt, die starken Frauenrollen im Mainstream-Kino. Sie werden besonders im Young Adult- und Kinder-Bereich mehr und besser. Die Eisprinzessin und Rapunzel – Neu Verföhnt von Disney haben das klassische Prinzessinnen-Klischee (fast) überwunden. Die Divergent-Serie oder auch die Panem-Filme. Auch früher gab es schon überzeugende Rollen für Frauen. Wir haben zum Beispiel in unserem Alien-Podcast erläutert, wie gut die Rolle von Ellen Ripley ist. Das hat aber sicher auch damit zu tun, dass zunächst ein Mann für die Rolle vorgesehen war.

Positves Beispiel: Die Tribute von Panem

Katniss Everdeen (Jennifer Lawrence) – das Poster-Girl für die starke Frau von heute. Tribute von Panem war vor allem auch deswegen so erfolgreich, weil junge Mädchen endlich mal eine positive Identifikationsfigur vorgesetzt bekommen, die selbst aktiv handelt und sich nicht von einem Hauptdarsteller durch die Gegend scheuchen lässt.

 

Negatives Beispiel: Twilight

 

Bella Swan (Kristen Stewart) ist quasi die Anti-Everdeen. Sie ist bis zur Unerträglichkeit passiv. Ihr einziges Problem: Sie muss sich entscheiden, welchem jungen attraktiven Mann sie sich hingibt. Hier wird jungen Frauen perfekt vorgeführt wie es NICHT sein sollte. Nuff‘ said!

Sind Sie sexistisch oder bin ich das?

Das befreit uns aber nicht vom großen Warum. Warum werden Frauen in Filmen oft als reine Gehilfin oder Sex-Objekte dargestellt? Die Antwort darauf ist sicherlich vielschichtig. Aber solange in Hollywood die Männer das Sagen haben, wird sich vermutlich nicht viel ändern. Aber auch wir Männer in den Kinositzen müssen uns überlegen, ob wir das gut finden, dass es auch in Zukunft vor allem Eye-Candy und fiese Bitches in Filmen gibt. Oder ob wir nicht vielleicht mehr wollen.

Welche Beispiele für starke Frauenrollen habt Ihr denn? Immer rein in die Kommentare!

David

David

Er hat vielleicht nicht jeden Film gesehen. Er kann aber zu jedem etwas sagen. In seiner Muttermilch war Zelluloid. Auch vor Musik und Videospielen macht er keinen Halt. David sabbelt nebenbei auch professionell im Radio. Damit ist er aber offensichtlich nicht ausgelastet. Mehr von ihm gibt es hier bei den Medien-Nomaden.

david@Medien-Nomaden.de
David

2 thoughts on “Sind Sie sexistisch oder bin ich das? – Starke Frauenrollen im Film

  1. Wie kann man Panem als Positiv-Bsp. anführen? Das Ende zeigt doch mal wieder deutlich den „Platz der Frau“.

  2. Da gebe ich dir inzwischen recht. Als der Artikel erschien hatte ich den letzten Teil aber noch nicht gesehen. Ich habe mich auch sehr darüber geärgert. Trotzdem bleibt grade der erste Teil ein gutes Beispiel für eine starke Frauenrolle, auch wenn das Ende des letzten Teils das wieder relativiert.

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