Early Access – Subnautica

Der alte Steini und das Meer. Der Schmalspur-Meeresbiologe hat sich mit Subnautica aus dem Entwicklerhause Unknown Worlds auseinandergesetzt. Kann das Spiel in seiner Frühform schon die Sehnsucht nach dem kühlen Nass entfachen?

Das Meer und Early Access? Eigentlich ein treffliches Setting. Weiß man doch nie, was Einen beim Erwerb einer Frühversion eines Videospiels erwartet. Vielleicht wird der Titel nie einen Release sehen. Mit diesem Spannungsfeld haben wir uns bereits befasst. Mit dem Wissen im Gepäck begebe ich mich in das Meer von Subnautica.

Mehr Meer!

Auf den anstehenden Tauchgang freue ich mich besonders. Wie viele Stadtmensch, die fern vom Meer leben, strahlt das kühle Nass eine ungeheure Anziehungskraft auf mich aus. So zählen zu meinen Interessen nicht nur Seefahrt, sondern auch das Wasser und seine tierischen Bewohner. Von den nebulösen Tiefseefischen, bis hin zu Haien, Sehnsucht und Interesse drängen mich immer wieder zum Discovery Channel oder Jules Verne. Seaquest DSV oder Abyss – sobald es unter Wasser geht, stehen auch meine Qualitätsansprüche zurück.

Virtuell ist die (Unter-)See ein etwas unterrepräsentiertes Vehikel für Abenteuer. Ich fand beispielsweise XCOM: Terror from the Deep spannender als sein beinahe eineiiger Zwilling XCOM: UFO – Enemy unknownauch wenn Patrick mir wiederspricht. Aber das sind persönliche Präferenzen. Natürlich gab und gibt es ein paar gute Titel, die sich dem Meer – mal mehr oder weniger – annehmen, doch die halten sich in der Menge eher gering.

XCOM

Schändlich! XCOM: Terror from the Deep muss jede Liste topen! Doch Patrick will nicht hören.

2007 erschien die Endless Ocean Reihe, vor ihr gab es Everblue (2001) aus dem Hause Capcom. Die insgesamt vier Titel entführten den Spieler in der Rolle eines Tauchers in die faszinierende Welt Unterwasser. Wortwörtlich ein Spaß für die ganze Familie. Eine aktuelle Tauchsimulation gepaart mit einer interessanten Unterwasserwelt, habe ich seither immer vermisst. Jetzt kommen wieder etliche Spiele mit diesen Hintergrund auf den Markt. Zu nennen wäre hier World of Diving aus dem Hause Vertigo Entertainment (im Early Access befindlich) oder FarSky von FarSky interactive und halt Subnautica.

So viel Wasser!

Subnautica, das von Unknown Worlds Entertainment entwickelt wird, ist ein Survival-Spiel. Den gutinformierten Zocker wird das jetzt vielleicht schon abschrecken, ist in den letzten Jahren doch die Zahl der Überlebenssimulationen exponentieller angestiegen, als die Zahl von noch nicht im Stimmbruch befindlichen „Let´s Playern“. Aber Subnautica verdient eine Chance!

Subnautica Artikel 4

Wunderschöne Landschaften! Dennoch muss das Messer sein… .

Die Simulation spielt auf einem fremden Planeten. Der (noch) namenlose Protagonist ist hier soeben mit seinem Raumschiff „gestrandet“. Ein Blick aus der Rettungskapsel offenbart, neben dem abgestürzten Raumschiff, nur Wasser weit und breit. Schon grummelt der Magen: Essen muss ran. Der Absturz auf dem Planeten muss die Hölle für Menschen mit Unverträglichkeiten für Seafood sein. Obwohl von außerirdischen Lebensformen bewohnt, weist die Flora der unbekannten Wasserwelt keine Unterwasserrinder auf. Den gefangenen Fisch können wir roh verzehren oder an Bord des Rettungsmoduls kochen. Für Trinken muss auch gesorgt werden. Immerhin heißt die Devise Überleben!

Look Ma´! My House!

Während wir die Grundbedürfnisse stillen, denken wir ein paar Schritte weiter. Wir wollen uns häuslich einrichten und den Wasserriesen erkunden. Die geplante Unterwasserbasis und der mögliche Fuhrpark aus Ubooten brauchen aber Ressourcen – die wir noch nicht haben. Also wieder rein ins kalte Nass!

Subnauticas Welt ist bunt und phantasievoll, wie auch seine Bewohner. Obwohl noch in einer recht frühen Entwicklungsphase, weiß das Tauchspiel mit einer stimmigen Szenerie zu überzeugen. Beinahe glaubwürdig ziehen seltsam dickliche Kreaturen ihre trägen Kreise, während Schwärme von einäugigen Fischen durch Korallenwälder zacken. Die außerirdischen Meeresbewohner sind schön animiert. Zugegeben etwas comichaft, aber es passt. Die Geräuschkulisse stimmt ebenfalls.

Die Suche nach den knappen Ressourcen treibt uns immer weiter von der relativen Sicherheit der Rettungskapsel weg. Das Meer wird tiefer und dunkler; die Bewohner übellauniger und aggressiver. Verfolgt von zwei Stalker-Haien denken wir an Waffen. Auch diese müssen gecraftet werden und brauchen exotische Materialien. Knapp die Hälfte der Meeresbewohner will uns an den Kragen. Eine Menagerie aus Stacheln, Zähnen und Schuppen trotzt uns die Nerven ab. Das macht das Spiel gut.

Subnautica Artikel 3

Geheimnisvolle Viecher überall! Ob sie gefährlich sind, muss stets in einem Feldversuch erprobt werden.

Die Phantasiewelt ist in verschiedene Sektoren unterteilt. Von der fröhlichen „Findet Nemo“-Lagune, über trübe Seetang-Wälder bis hin zur klaustrophobischen Unterwassser-Höhle in 200 Metern: Alles ist dabei. In der Ferne ragt die ausgebrannte Hülle unseres Raumschiffes aus dem Wasser. Eine Begehung ist ein langfristiges Ziel, doch erstmal muss ein Basis erbaut werden. Das ist schon schwer genug

Ein (noch) zu schnelles Ende

Schwer, aber nie unfair. Wir finden auf dem Meeresboden verstreut Baupläne für hilfreiche Utensilien. Bald steht unser bescheidenes Heim unter der Meeresoberfläche. Ein U-Boot gesellt sich dazu. Das (Über-)Leben wird einfacher. Und nu?

Das ist die große Frage! Das Raumschiff erkunden, markiert zur Zeit den Höhepunkt von Subnautica, danach kommt nicht mehr viel. Noch alle möglichen Gegenstände erschaffen, das war´s. Das schafft man zur Zeit in knappen sechs Stunden. Danach winkt der „Free-Roam“, der aber schnell an Reiz verliert. Die verschiedenen Biome unterscheiden sich in Flora und Fauna; spielerisch jedoch kaum. Subnautica ereilt, ein für Open-World Titel typisches, Gefühl der Leere recht früh. Hier gilt zu bedenken, dass der Titel im Early Access ist. Und die Liste der Additionen, die Unknown World plant, ist lang.

Subnautica Artikel 2

Durch Sonnenenergie noch kurz staatliche Subventionen abgegriffen. Nomaden sind auch beim Hausbau Füchse.

Im Endeffekt mehr von Allem. Mehr Biome, mehr Kreaturen und mehr Crafting und Survival. Ein losgelöste Story soll Subnautica unterfüttern – jedoch soll diese nicht zu umfangreich sein. Die Entwickler denken auch über eine Multiplayer-Option nach.

Zur Zeit können interessierte Spieler ein wirklich tolles Erlebnis haben. Die ersten Stunden Subnautica sind wirklich toll. Die letzten beiden Patches haben der Early Access Version nicht gut getan und viele Bugs haben ihren Weg in Code gefunden. Hotfixes kommen aber recht schnell.

Ein guter Early Access Titel, der aber Geduld verlangt

Ganz Mutige haben auch Zugriff auf die Experimental-Version des Spiels. Alle neuen Inhalte werden hier getestet. Die Version ist natürlich sehr instabil. Neuer Content kommt in unregelmäßigen Abständen – aber er kommt. Die Community ist sehr hilfsbereit und die Entwickler offen. Den aktuellen Arbeitsfortschritt kann man auf trello.com ablesen. Ein Fallstrick könnte sein, dass die Entwickler sich über die finale Richtung des Spiels nach eigenen Angaben noch nicht einig sind.

Subnautica soll ein ein Survival/Explore-Spiel bleiben, das steht fest. Die Nuancen sind dabei noch etwas unklar. Der Plan und das Versprechen der Entwickler, das Spiel größer und inhaltsreicher zu machen wird aber verfolgt. Über den Vollrelease-Termin, kann noch nichts gesagt werden. Nach meiner Einschätzung, wird es aber bis mindestens Frühling 2016 dauern.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Subnautica ein tolles Erlebnis ist. Dieses Erlebnis brennt hell, dafür aber (noch) zu kurz. Das Entdecken der Welt ist bereits sehr reizvoll, aber es fehlen hier und da nützliche Dinge (wie beispielsweise ein Karte). Graphisch und technisch lässt sich auch ein positives Fazit ziehen. Das Tauchspiel sieht genial gut aus und läuft die meiste Zeit stabil. Subnautica kann über Steam für 19,99 Euro erworben werden.

Mehr zu Early Access Titeln!

Testsystem: OS Win 8.1 / CPU i7-4770K@3,5GHz / 16 Gb RAM / nVidia GeForce GTX 770

Subnautica Slider

Steini

Steini

Als attraktiver Papier-Kanadier mit Hang zur Mettbrötchen-Verköstigung, erkannte Steini schnell, dass Medien, Medien sind. Eine Erkenntnis, die das Studium der Medienwissenschaften nur erhärten konnte. Gerne spielt er spärlich bekleidet Microsoft Train Simulator und schreckt auch vor Printerzeugnissen nicht zurück. Steini ist neben seinen Artikeln, auch für eine Vielzahl der "viel-prämierten" Medien-Nomaden Videos verantwortlich.

Steini@Medien-Nomaden.de
Steini

Letzte Artikel von Steini (Alle anzeigen)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.