Vinyl – Geschichte einer Liebe -Teil 2 – Der Weg zum Glück

Vinyl Teil2

Warum eigentlich Schallplatten? Diese Frage wird Vinyl-Liebhaber mindestens einmal in ihrem Leben gestellt. David und Tobi werden persönlich und erzählen im zweiten Teil unserer großen Lovestory jeweils ihren Weg zum Vinyl.

Es ist eine Lebensphilosophie

Was ist nun besser? Die CD oder die Vinyl-Schallplatte? Die einen sprechen von mehr Wärme in den analogen Aufnahmen einer Schallplatte, andere rümpfen aufgrund von Knistern und Knacksen die Nase und schütteln beim Anblick von Regalen voller Vinylalben nur mit dem Kopf. Wieder andere halten sich neutral, bei den passenden (meist kostspieligen) Abspielgeräten und guten Studioaufnahmen wäre der Unterschied kaum zu hören.
Unsere Nomaden David und Tobi sind seit mehreren Jahren begeisterte Sammler des schwarzen Goldes und haben im Laufe der Zeit ihre eigene Meinung zum Thema entwickelt. In diesem Teil der Liebesgeschichte geben sie Auskunft darüber, wie sie zum Vinyl gekommen sind und warum gerade dieses Medium ihr Herz gewonnen hat.

Teil 1 unserer Vinyl-Serie findet Ihr übrigens hier: Tobi referiert die Geschichte und Status Quo der Schallplatte.

Vinyl TobiTobi

Mein erstes Album war, glaube ich heute, „Küssen verboten“ von den Prinzen. Auf CD, nicht auf Schallplatte. Vinyl war mir nur von meinen Eltern, genauer von meinem Vater, bekannt. Doch der schwenkte Ende der 80er, wie so viele, auf die Compact Disk um. Meines Vaters Vinyl-Sammlung wurde in einen großen verschließbaren Schrank verbannt. Jahre zogen ins Land, die CD-Sammlungen wuchsen, die MP3-Datei ward entdeckt und das Vinyl träumte im Schrank von besseren Zeiten. Nun kam es, dass ich zwecks Studiums ins Ruhrgebiet zog, was zwei Dinge mit sich brachte.

  1. Gemütliche und lange Musikabende mit meinem Vater.
  2. Die Freundschaft zu David.

Bei ersterem präsentierte mir mein Vater musikalische Schätze aus seiner Jugend und da er noch nicht alle auf CD ergattern konnte, musste der Vinyl-Schrank wieder geöffnet werden. Ein für mich prägendes Erlebnis. Eine schwarze Scheibe, eingebettet in einem kunstvoll gestalteten Pappschuber, leichtes Knistern und dann dieser warme druckvolle Klang, original festgehalten irgendwann in den 70ern. Ich war verliebt, verliebt ins Vinyl. Der Plan war gefasst, immer wieder war ich kurz davor mir einen Schallplattenspieler zu besorgen, doch der letzte Anstoß fehlte und das obwohl ich bereits eine Platte mein Eigen nannte (Die Toten Hosen – Kreuzzug ins Glück).
Der entscheidende Punkt kam dann vor ungefähr drei Jahren. Auf dem Rückweg von einem Konzert lobten David und ich wieder einmal die Vorzüge der Vinylschallplatte, eine Woche darauf erzählte er mir, dass er sich jetzt einen Plattenspieler besorgt hatte und noch ein Techniks-Gerät mit Tangential Tonarm für mich bereithielt. Dankbar nahm ich an. David lieh mir auch gleich die Our Earthly Pleasures von Maximo Park, die mir bis zur Ankunft meiner eigenen selbstgekauften Platte (City and Colour – Bring Me Your Love) die Zeit vertrieb. Mittlerweile besitze ich den Dual 1229 von meinem Vater, die Maximo Park ist sicher zu David zurückgekehrt und meine Plattensammlung ist um einige Schätze gewachsen.

Warum ich Vinyl so schätze?

Ich habe eine Zeit lang fast nur noch MP3s gehört. Jede neugekaufte CD wurde sofort in Dateien umgewandelt. Die Schallplatte lässt mich Musik wieder bewusster erleben. Die Haptik des Covers und der Platte, das vorsichte Auflegen der Platte, das Darüberfegen mit der Carbonbürste, 20 Minuten Hörgenuss, um dann genau so vorsichtig die Platte wieder umzudrehen – das ist alles für mich zu einem Ritual geworden, das mich immer wieder dem Alltagsstress entfliehen lässt. Mal ein Album durchhören, ohne Skippen der Tracks, sich auf das Album einlassen. Das ist etwas Besonderes. Die Musik klingt für mich wärmer und stimmiger als von CD, was aber, so glaube ich, ein rein subjektiver Eindruck ist. MP3s und Spotify sind im Alltag immer noch meine Hauptmusiklieferanten, gut dass bei fast jeder Platte auch ein Download-Code – oder besser: eine CD – beiliegt. So ist die Schallplatte für mich nicht nur Entspannung, sondern sie liefert auch wichtige Dinge für meinen alltäglichen Musikkonsum.  Das macht das Vinyl zu einen meiner liebsten Sammelobjekte, das ich nicht mehr missen will.Vinyl David

David

Schallplatten waren im Haushalt meiner Jugend nie da. Mein Vater hat bei der Scheidung von seiner ersten Frau das Auto genommen und nicht die Plattensammlung (ich kann das bis heute nicht verstehen). Anfang der 90er gab es dann bei uns den ersten CD-Spieler. Ich kann mich auch noch daran erinnern, dass meine Mutter meinte, die beiden Westernhagen Alben JaJa und Live wären gute erste Investitionen. Ich selbst bin Anfang der 00er Jahre dann auf mp3 umgestiegen. Eine logische Folge von Geldmangel und Musiksucht.

Als ich die erste Schallplatte meines Lebens versucht habe abzuspielen, war ich bereits in meinen Zwanzigern. Ich war zu Besuch bei meiner Oma, die noch einen alten Technics-Dreher im Wohnzimmer hatte. Machen wir es kurz: Den Arm von Hand aufzusetzen ist für mich Grobmotoriker nichts. Dafür war ich aber schon damals angefixt. Danach passierte erst mal lange nichts, bis es mich beim Durchforsten eines Second-Hand-Ladens in den Keller verschlug. Mit Staub bedeckt und einem dicken Grinsen im Gesicht tauchte ich mit einem Sony-Plattenspieler und einer handvoll LPs (u.a. Morrisseys Viva Hate) wieder auf. Ich war rund 40 Euro ärmer und nach meinem DVD-Sammeltrieb war auch mein Vinyl-Sammeltrieb geweckt. Der nächste große Schritt war mein aktueller Plattenspieler, der Dual 1009. Den habe ich über einen Arbeitskollegen meines Vaters bekommen. Das gute Stück stammt aus den 60ern. Der Vater des besagten Arbeitskollegen war Opernsänger und hat den Plattenspieler auf der Funkausstellung gekauft, auf der er auch vorgestellt wurde. Er ist zwar nicht mehr der beste, aber verrichtet seinen Rillendienst immer noch hervorragend.

Warum ich Vinyl so schätze?

Jetzt werde ich vielen Vinyl-Fetischisten vor den Kopf stoßen: Der klangliche Vergleich CD und Vinyl ist mir tatsächlich nicht so wichtig. Es geht mir viel mehr um das Drumherum. Das fängt schon damit an, wie ich ein Album höre. Bei Vinyl kann ich nicht beliebig zwischen den Tracks rumspringen. Ich muss mir auch die Songs anhören, die mir vielleicht nicht auf Anhieb gefallen und auch noch in der Reihenfolge, wie sie gepresst wurden. Dadurch entdecke ich aber auch Songs für mich, die ich vielleicht früher links liegen gelassen hätte. Dann ist hier für mich das Dören eines Albums viel mehr ein Ereignis, als wenn ich neben der Arbeit am Rechner ein paar mp3s abfeuere. Ich nehme mir die Zeit, mich auf die Musik einzulassen. Im großen Zeitalter der allgegenwärtigen Ablenkung eine Seltenheit. Auch bin ich ganz verliebt in die Verpackung, in der die Musik kommt. Das Cover ist groß, man erkennt Einzelheiten, die einem bei einer CD-Hülle vielleicht nicht auffallen. Oft sind die schöneren Ausgaben mit farbigen Vinyl und schönen Schubern veredelt. Spontan fällt mit da zum Beispiel das City & Colour Album The Hurry & the Harm ein. Vinyl hat meine Liebe zur Musik vor allem erwachsen gemacht.

Wie war Euer Weg zur Schallplatte und was begeistert Euch daran? Oder könnt Ihr den Vinyl-Hype nicht nachvollziehen? Schreibt es uns in die Kommentare.

 

Vinyl Teil 2

Foto: Lupo  / pixelio.de, Peter Kretschmer  / pixelio.de

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