Stirb Langsam: Vom Meilenstein zur Lachnummer

Als Gott Action verteilt hat, hat John McClane ganz laut „Yippie-Kai-Yay, Motherfucker“ geschrien. David macht sich daran, noch einmal eine Serie anzuschneiden, von der fast jeder schon gehört hat – und die ihm das Herz gebrochen hat. Stirb Langsam macht dem Namen alle Ehre.

Stirb Langsam (1988)

Es gibt vielleicht eine handvoll Filme, die wirklich das Prädikat „Meilenstein“ in ihrem Genre beanspruchen können. Stirb Langsam ist einer davon. Es gab Action-Filme vor Stirb Langsam und Action-Filme nach Stirb Langsam. In fast jedem Action-Film der 90er pumpt das Blut von John McClane. Dieser Normalo-Cop, der von Bruce Willis so wunderbar verletzbar und rotzig gespielt wird. Der sich mit einer ganzen Horde von Terroristen anlegt, die doch nur hinter dem Geld her sind. „Fish-out-of-water“ ist ein Klassiker im Kino und doch hier so wunderbar umgesetzt wie selten. Wir finden McClane-DNA zum Beispiel in Nicolas Cages Charakter in The Rock. Was für ein anderer Film wäre Stirb Langsam mit Silvester Stallone oder Arnold Schwarzenegger geworden (beide waren im Gespräch). Aber auch Alan Rickman als Oberbösewicht Hans Gruber ist großartig. Neben dem Jedermann-Polizisten McClane ist er der schmierige Yuppie-Gangster. Im schicken Anzug ist er cool, eloquent und eiskalt. Einzig die komplett dämlich agierende Polizei um Deputy Police Chief Robinson stört einen von vorne bis hinten gelungen Film.

Stirb Langsam 2 (1990)

Bigger, louder but not better: Typische Fortsetzung halt. Trotzdem funktioniert auch Stirb Langsam 2. Zum Großteil ist das wieder Bruce Willis zu verdanken. Dafür leidet der zweite Teil unter der unterentwickelten Story. Bei meiner aktuellen Sichtung ist es mir mal wieder schwer gefallen, dem Ganzen zu folgen. Vielleicht wird hier auch zu viel Zeitkontext vorausgesetzt. Stichwort: Noriega. Da fällt ins Gewicht, dass der Film unter großem Zeitdruck entstanden ist. Das macht aber nichts. Eigentlich müssen wir uns nur zurücklehnen und John McClane dabei zusehen, wie er wieder eine ganze Horde Bösewichter zerlegt. Natürlich kostet ihn das wieder Schweiß, Blut und coole Sprüche. Diesmal geht statt einem Hochhaus ein halber Flughafen zu Bruch. Ansonsten wird man aber auch leider über weite Strecken das Gefühl nicht los: Hier wurde etwas lieblos runtergekurbelt. Trotzdem, solide Actionkost.

Stirb Langsam: Jetzt erst recht (1995)

Für mich klar der zweitbeste Film der Reihe. John McClane ist am Ende. Er ist suspendiert, trinkt zu viel und seine Frau hat ihn verlassen. Ins Spiel gebracht wird er durch Simon Gruber (der Bruder von Hans Gruber aus Stirb Langsam), un einem Katz und Maus-Spiel durch halb New York gejagt und das Ganze (bitte festhalten) im Sommer! Anfangs wird viel versucht, um der Chose einen neuen Dreh zu geben. Und es klappt – dank der Stadt. New York ist in vielen Filmen zur generischen Großstadt verkommen. Hier wird die Stadt noch zelebriert. Und mittendrin: McClane, der angepisster als sonst ist und eher widerwillig seinem Job nachgeht. Hilfe bekommt er von Samuel L. Jackson. Genauso unfreiwillig mitten im Chaos und fast genauso angepisst wie McClane spielt er seinen Zeus. Ein Duo, das sich gegenseitig anstachelt und wunderbar ergänzt. Klar, die Geschichte ist nicht neu. Der Bösewicht beschäftigt die Polizei, um jede Menge Kohle (in dem Fall Gold) abzugreifen und in der zweiten Hälfte – wenn das Simon-sagt-Spiel zu Ende ist – lässt der Film nach. Aber ansonsten: Stirb Langsam: Jetzt erst recht ist ein gelungener Versuch, noch was Neues aus der Reihe zu quetschen.

Stirb Langsam 4.0 (2007)

Bruce is Back! Endlich spielt er noch mal die Rolle, die ihn groß gemacht hat. Noch mal ganz großes Action-Kino der alten Schule! Leckt mich, Transformers, Batman und Co. Die Nummer 1 ist zurück. Was hab ich mich auf Stirb Langsam 4.0 gefreut. Dabei hab ich komplett ausgeblendet, dass der leider nur mittelmäßig talentierte Len Wiseman Regie führt und dass Bruce Willis auch so langsam in die Jahre kommt. Das Ergebnis ist leider eine Enttäuschung. Der Film ist genauso einfallslos und belanglos wie der Titel es vermuten lässt…STOP! Jetzt bloß nicht unfair werden. So schlecht ist der Film nicht. Lass deine hohen Erwartungen nicht dein Urteilsvermögen beeinflussen. Die Idee zum Beispiel ist eigentlich richtig gut. John McClane als „analoger“ Held in einer digitalen Welt. Auch Justin Long als schnuggeliger Nerd ist ganz gut und Mary-Elizabeth Windstead als McClane-Tochter ist doch auch ein Hingucker… Aber hey, den superkomplizierten Plan, um Geld abzugreifen, das hatten wir doch schon in Teil 1 und 3. Die hätten sich doch mal was Originelles überlegen können. Außerdem sind die Nummern mit dem Jet und dem Helikopter doch etwas too much. Mal ganz davon abgesehen, dass die Tricks eindeutig aus dem PC kommen…Na und? Die Tricks kommen doch seit 25 Jahren fast nur noch aus dem PC – das willst du jetzt dem Film ankreiden?… Okay, geb ich mir recht. Aber trotzdem – auf weite Strecken ist Stirb Langsam 4.0 nur solide Durchschnittskost. Eigentlich hilft nur Bruce Willis im McClane-Modus darüber hinweg, dass wir hier keinen Belugakaviar sondern Fischbrötchen serviert kriegen…Das ist doch eigentlich mehr als wir erwarten konnten. Das hätten die auch komplett in den Sand setzen können… und Fischbrötchen sind auch lecker.

Stirb Langsam – Ein guter Tag zum Sterben (2013)

Apropos in den Sandsetzen. Okay, bei diesem Haufen Müll weiß ich gar nicht, wo ich anfangen soll. Ein guter Tag zum Sterben hätte eigentlich „Ein guter Tag, die Filmreihe zu beenden“ heißen sollen. Ihr dachtet, der vierte Indiana Jones-Film war ein Abgesang auf eine große Filmreihe? Ladies and Gentleman: Trefft den amtierenden Weltmeister in dieser Kategorie. Was hier abgeht, ist einfach nur peinlich. Ein Witz, ein Schlag ins Gesicht jedes Stirb Langsam-Fans. Dieser Film beleidigt darüber hinaus auch noch meine Intelligenz (die ist übrigens so doof, dass sie 90 Prozent der Fälle nicht merkt, wenn sie beleidigt wird). Aber Chernobyl einfach mal so von Strahlung zu befreien, indem man ein bisschen Deo drüber sprüht – HALLO!? Die Action-Szenen sind so geschnitten, wie es viel zu viele Filme tun: Schnell und unübersichtlich. Außerdem sind sie zu sehr „Over the top“. Das Tolle an den ersten drei Stirb Langsam-Filmen war auch, dass die Action immer einen erdigen Ton hatte. Hier weiß man gar nicht, was alles passiert. Gut. Ist auch nicht so schlimm, weil es einfach uninteressant ist. Die Charaktere sind blass und die Bösewichte uncharismatisch. Das Schlimmste ist aber das: Zum ersten Mal ist mir John McClane unsympathisch. Er ist ein nörgelnder,alter Sack geworden. Das hätte cool sein können (Beispiel: Clint Eastwood in Gran Torino) – ist aber genau das Gegenteil. Stirb Langsam – Ein guter Tag zum Sterben ist die Katzenscheiße im Sandkasten dieser Filmreihe. Anschauen nur auf eigene Gefahr. Oder wenn man vom Typ her auch gerne mal als Sklave im Folterkeller vorbeischaut.

Stirb Langsam 12

Als Schmankerl noch die beste Die Hard-Parodie überhaupt von und mit Ben Stiller:

David

David

Er hat vielleicht nicht jeden Film gesehen. Er kann aber zu jedem etwas sagen. In seiner Muttermilch war Zelluloid. Auch vor Musik und Videospielen macht er keinen Halt. David sabbelt nebenbei auch professionell im Radio. Damit ist er aber offensichtlich nicht ausgelastet. Mehr von ihm gibt es hier bei den Medien-Nomaden.

david@Medien-Nomaden.de
David

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