Vom Original bis zum Reboot: Der Planet der Affen – Triple Threat-Match

Zeit für Runde 2 im immer währenden Kampf zwischen Alt und Neu. Die ganze Affenband brüllt: „Remake oder Reboot?“ Mit einem süffisanten Lächeln lehnen wir uns zurück. Gewalt ist genug für alle da. Das Planet der Affen-Franchise bietet reichlich Zündstoff für eine zünftige Leinwand-Keilerei.

Ein Sci-Fi-Klassiker, eine ungeliebte Neuauflage und ein Prima(ten)-Reboot treten an zum Triple-Threat-Match. Kann Prevolution der lebenden Legende das Wasser reichen? Bleibt Tim Burtons Neuverfilmung in diesem Affentheater nur die Rolle des Jobbers? Bevor wir die Kontrahenten in einen dreckigen Hinterhof locken, ihnen echte Rambomesser in die Pranken drücken und Eintritt von Euch verlangen, fahren wir die Vorberichterstattung ab.

Reboots & Remakes - Halten Sie den Vergleich gegen das Orginal?

Aus unserer Serie: Reboots & Remakes – halten sie dem Vergleich stand? Teil 1: Auftakt – Teil 2: Oldboy vs. Oldboy

Der Planet der Affen (1968): Das Original ist der Killer Kowalski unter den Science-Fiction-Filmen. Der Silberrücken im Sci-Fi-Kanon. Im Tag-Team mit Kubricks bildgewaltiger Space Odyssey lässt der Ur-Planet der Affen frühere Vertreter des Genres wie schwanzwedelnde, unterwürfige Omegatiere zurück. All die Mad Scientists und atomaren Monstrositäten, das Invasionskino und die Space-Ploitation der 1950er und -60er Jahre – sie alle erscheinen im direkten Vergleich ganz klein, ihr sympathisch-käsiger Geruch beginnt plötzlich in der Nase zu beißen. Die Erstverfilmung des Boulle-Romans bringt eben alles mit, was einen Klassiker ausmacht: Eine beklemmende Atmosphäre, (für die damalige Zeit) lebensechte Masken, viele ernste und intelligent verwobene Zwischentöne und einen zynischen Schlusspunkt, der sich ins kollektive Gedächtnis einbrannte. Catchphrase: „It’s a madhouse! A madhouse!“

Der Planet der Affen (2001): Tim Burtons Neuinterpretation genießt mittlerweile den Ruf eines missing links, dessen Überreste wohl besser in der Erde verbuddelt geblieben wären. Ein ungewolltes, archäologische Zeugnis, analog zur Menschenpuppe, die Dr. Zaius im Original vertuscht wissen will. Das ungeliebte Sandwichkind. Nicht nur, weil die Original-Serie Narrenfreiheit unter Fans genießt und die Blockbuster-Nesthäkchen mittlerweile sämtliche Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Sam Raimi, Oliver Stone, Chris Columbus, Roland Emmerich, Michael Bay, Peter Jackson und James Cameron – mehrmals landete der Stoff in der Baby-Klappe Hollywoods, bevor sich Burton zur Adaption erbarmte. Doch Achtung: Gerade dieser Liebesentzug macht die Neuverfilmung zu einem gefährlichen Gegner. Der 2001er Planet der Affen ist auf Krawall gebürstet.

Planet der Affen: Prevolution (2011): Einen Tag im Zoo – das war es, was ich damals erwartet hatte, als ich meinen blockbustermüden Körper in den Kinositz bugsierte. Dass Rupert Wyatts Reboot mich derart durchschütteln würde, dass mich ein computeranimiertes Affenrudel gleichermaßen berühren wie beängstigen könnte – all das hatte ich nicht erwartet. Als Caesar seine Stimme gegen die Menschheit erhob, stockte dem Kinosaal der Atem. Prevolution war der Showstealer des Sommerkinos 2011. Mitreißend und anrührend, roh und unterhaltsam – andere Produktionen landen bei diesem Spagat auf dem Hoden der Tatsachen. Intelligent geschrieben, garniert mit einer ordentlichen Portion Fan-Service – Prevolution ist ein Face, stets am Rande des Heelturns. Ganz klar: perfektes Champion-Material!

Doch genug Vorgeplänkel: Lassen wir die Affen aufeinander los! Wer nach drei Runden noch steht, gewinnt die Kokosnuss!

Planet der Affen Poster

Runde 1: Die Affen

Ein Planet der Affen ohne Affen? Geht’s noch? Ersetze Affen durch eine beliebige Säuger-Spezies – und man erhält die Steilvorlage für einen formidablen Trashfilm. Der Planet der Moschusochsen, Planet der Saigau-Antilopen, Planet der Kobold-Makis: Alles reizvolle, aber wenig abendfüllende Vorstellungen. Schimpansen, Gorillas und Orang-Utans sind uns Menschen immer noch am ähnlichsten. Warum heißen die denn sonst Menschenaffen? Was machen schon zwei, drei Mutationen aus? Es ist die Verwandtschaft unserer Arten, die den Planet der Affen von der Idee her so glaubwürdig erscheinen läst.

Was es da noch braucht, sind glaubwürdige Kostüme. Wir stellen fest: Der gute, alte Gorilla-Suit hat ausgedient. Und das ist besser so. Andernfalls bliebe der Planet der Affen vielleicht als obskurer B-Film in Erinnerung – aber ganz sicher nicht als Sci-Fi-Klassiker. Die Masken sind, neben Charlton Heston, der größte Star des Originals. Und mal ehrlich: Viel mehr als großartige Affenkostüme hatten die alten Teile ab Eroberung vom Planet der Affen nicht zu bieten. Der Ehrenoscar für Maskenbildner John Chambers (1969 gab es noch die Kategorie Bestes Make-up noch nicht) ist verdient. Noch heute wirken die Masken beeindruckend. Wie groß die Wirkung zur Entstehungszeit gewesen sein muss, davon zeugen Anekdoten vom Set: Die Darsteller der unterschiedlichen Affenarten sollen sich in den Drehpausen bevorzugt unter ihren „Artgenossen“ aufgehalten haben!

Die Dreifaltigkeit der Affenarten spielt in Tim Burtons Verfilmung eine untergeordnete Rolle. Die Standeskritik des Originals (Orang-Utans gehören der Bildungselite an, Gorillas der Kriegerkaste etc.) und die rassischen Spannungen rücken zugunsten der Individualität der einzelnen Figuren in den Hintergrund. Kein Wunder: Im Gegensatz zu Hestons One-Man-Show ist Burtons Version regelrechtes Starkino. Helena Bonham Carter, Eli Roth und Michael Clarke sind unter ihren Masken deutlich zu erkennen. Wie heißt es so schön im Honest Movie Trailer zu Burtons Planet der Affen? „Starring…an ape in a Paul Giamati suit.“

Prevolution hält einen Andy Serkis im Motion-Capture-Anzug dagegen. Das Reboot kommt ohne Kostüme aus. Und doch: Noch nie sahen Fake-Affen weniger fake aus. Selbst Peter Jacksons King Kong wird klein mit Hut. Die Affenbande in Prevolution setzt CGI-Maßstäbe. Und ich sage bewusst „Affenbande“. Im Vergleich zu den erschreckend real wirkenden Primaten-Sidekicks Buck, Maurice oder Koba erscheint Ceasar vergleichsweise künstlich. Das ist aber Meckern auf hohem Niveau: Wenn selbst eingefleischte CGI-Skeptiker frohlocken, dann hat die SFX-Abteilung alles richtig gemacht.

Fazit nach Runde 1:

Der Dramaturgie ist es nur zuträglich, wenn der Ausgang offen bleibt. Wacht auf, so funktionieren choreografierte Kämpfe nun mal! Prevolution besticht durch seine Technik, das Original hält mit seiner Unverwüstlichkeit dagegen und Burtons Remake weiß mit dem trashigen Charme eines Gimmick-Wrestlers in Müllmann-Montur zu unterhalten. Punkt für alle!

Planet der Affen Poster 2

Runde 2: Die Figuren

Kostüme und CGI sind ohne Seele nur leere Hüllen. Charaktere müssen Emotionen wecken, Motive glaubhaft sein. Nur dann bleiben wir fasziniert kleben, wie vor dem neckischen Treiben auf dem Pavianhügel.

Das Original lebt von der Präsenz seines Hauptdarstellers Charlton Heston. Der Oscar-Preisträger galt seiner Zeit als die Idealbesetzung für übermenschliche Heldenfiguren. Und zunächst hat es den Anschein, als färbe das enorme Selbstbewusstsein früherer Rollen auf die Darstellung des Protagonisten George Taylor ab. Eine der ersten Szenen zeigt George Taylor in der Pose eines Space-Cowboys, mit dem Zigarillo im Mundwinkel stolziert er durch den Raumgleiter. Seine Reisebegleiter deckt er mit betont zynischen Monologen ein, gegenüber der wilden Schönheit Nova lässt er den zivilisierten Sugar-Daddy raushängen. Neben Heston sind die anderen „menschlichen“ Darsteller nur Staffage. Oder ist ihre Bedeutungslosigkeit, auf einem Planeten, der von Affen dominiert wird, gewollt? Dogde wird erschossen, Landon lobotomiert. Erst in Gefangenschaft erhält Heston alias Taylor ernsthafte Gegenspieler. Die altruistische Dr. Zira, der skeptische Cornelius, der verschwörerische Dr. Zaius. Jetzt wandelt sich das Blatt bzw. George Taylor. Der Entdecker ohne Furcht – der es aber nicht auf den Ruhm anlegt: als Landon das Sternenbanner hisst, kann Taylor nur verächtlich lachen – kämpft nun nicht nur um sein Leben. Der Unsympath avanciert zum Advokaten, der die Ehre der Menschheit verteidigt. Auch in Unkenntnis der Auflösung ahnt man: dieses Unterfangen ist hoffnungslos. Und doch fiebert man mit George Taylor mit.

Captain Leo Davidson, gespielt von Mark Wahlberg, möchte es Taylor im 2001er Remake gleichtun. Problem 1: Die Figur des Davidson ist eindimensional angelegt. Ein patriotischer Held, der seine Vaterlandsliebe selbst auf fremden Planeten nicht abzulegen gedenkt. Dort, wo Nationalitäten ihre Bedeutung verloren haben, ist Leo Davidson in erster Linie Captian der United States Air Force, dann erst Stellvertreter der Menschheit. Immerhin: Burtons Pointe entlarvt das Helfersyndrom seines Protagonisten, indem er es als Ursprung allen Übels entblößt. Tut aber nichts zur Sache: Captain Leo Davidson durchlebt keinerlei Wandlung und bleibt damit völlig uninteressant. Problem 2: War Charlton Heston omnipräsent, wird Mark Wahlberg von einer Bagage kostümierter Co.-Stars an den Rand gedrängt. Carter & Co. Dürfen nach Herzenslust Overacting betreiben: Feixen, fletschen, Faxen machen. Dagegen ist Mark Wahlbergs Job ein langweiliger – nämlich der des bierernsten Retters.

Prevolution bemüht sich um Balance. Sicher, die große Aufmerksam gebührt Ceasar. Vom süßen CGI-Äffchen zum pubertären Trotzkopf zum Anführer einer Affenhorde – die Entwicklung Ceasars ist eine Coming-Of-Age-Geschichte. Drumherum strickt das Drehbuch ein Figurengeflecht, das ganz sicher nicht ohne Plattitüden auskommt. James Franco ist der Mad Scientist aus Verzweiflung, John Lithgow der Alzheimer-Patient, der den Durchblick behält, Freida Pinto die hübsch anzusehende Mahnerin. Raffinierte Charakterstudien lesen sich anders – man darf aber nicht vergessen: Prevolution versteht sich als Unterhaltungsfilm. Als solcher funktioniert er gut – gerade weil die Schauspieler ihre mit Klischees angehauchten Rollen hervorragend ausfüllen. James Francos melancholische Mimik, John Lithgows zerstreutes Antlitz und Freida Pintos extern-exostischer Kullerblick fügen sich gut zusammen. Will heißen: Die Chemie stimmt. Und auch die Affenbande hält Gemüter für jeden Geschmack bereit: Einen gelehrigen Orang-Utan, einen Gorilla mit harter Schale und weichem Kern, einen rachsüchtigen Bonobo. Was will man mehr?

Fazit nach Runde 2:

Burtons Version steigt aufs oberste Ringseil, setzt zu einem Monkey Splash gegen die sich beharkenden Schwergewichte an – und fällt nach hinten über. Schwer angezählt schleppt sie sich in den Ring. Original und Reboot machen diese Runde unter sich aus, beide punkten mit starken, innerlich zerrissenen Protagonisten. Drumherum balgen sich die Nebenfiguren. Der Ur-Planet der Affen stellt den ansonsten schwachen Menschenrollen starke Primaten gegenüber, Prevolution bietet mehr Balance, greift aber auf Blockbuster-Stereotypen zurück, um möglichst jedem Zuschauer eine Identifikationsfigur an die Hand zu geben. Beide Konzepte funktionieren. Dafür gibt es jeweils einen Punkt.

Planet der Affen Poster 3

Runde 3: Die Story

Ein letztes Aufbäumen. Der Planet der Affen von 2001 gibt sich nicht geschlagen. Ja, sein Story-Gerüst steht auf wackeligen Beinen. Insbesondere das Finale strotzt vor Logiklöchern. Was man Tim Burton aber zugute halten muss: Er käut den Plot des Originals nicht einfach wieder, er erzählt seine eigene Geschichte. Die ist nicht sonderlich gut – aber besser als ihr Ruf. Der Schlusspunkt entlarvt Captain Davidsons heroische Ader (und damit heroische Ader Amerikas?) als Wurzel allen Übels. Wenn doch nur erklärt würde, wie General Thade vor Captain Davidson auf der Erde ankam…

Man kann darüber streiten: Ist Burtons Affentheater nicht mitverantwortlich dafür, dass die selbsterfüllende Prophezeihung, moderne Blockbuster böten immer weniger Anspruch, ihre Gültigkeit behält? Heute geraten wir schon in Verzückung, wenn ein Triple-AAA ohne schwere Ausfallerscheinungen über die Leinwand flimmert. Vielleicht nutzt Prevolution diesen Umstand aus. Vielleicht ist der Plot gar nicht mal so raffiniert. Vielleicht machen Jahre des Stumpfsinns blind. Ich halte Prevolution für einen gut geschriebenen Blockbuster. Die Logik wird hier und da mit Pattex zusammengehalten, zugegeben.

Aber: Mir fällt keine Szene ein, die mich völlig aus dem Erlebnis gerissen hätte. Es gibt Filme, die zerbröseln nach nur einem einzelnen Logik-Fehltritt. Prevolution ist fluffig erzählt, voller Fan-Service – und doch hat der Streifen die Eier, mit der Tradition der alten Saga zu brechen. Durch eine Erzählung, wie sie Prevolution spinnt, werden die Ereignisse zwischen der Flucht vom Planet der Affen bis zur Schlacht um den Planet der Affen ignoriert. Die „Hund-und-Katzen-Seuche“ als Erklärung für den Aufstieg der Affen war ohnehin nicht die überzeugendste Idee der ursprünglichen Serie.

Erfreulich: Der Mensch bleibt seines Unglückes Schmied. Einziger Wermutstropfen: Die Motive hinter Ceasars Aufstand sind eher persönlicher, weniger ideeller Natur. Zwei dumm gelaufene Episoden mit einem cholerischen Nachbarn und eine Konfrontation mit einem sadistischen Zoowärter sind mir ein bisschen zu wenig, um eine Revolution zu gerechtfertigen.

Ganz klar: Die Geschichte des Originals bleibt einfach unerreicht – da kann das Reboot auf noch so hohe Redwood-Mammutbäume klettern. Dafür ist sie zu vielschichtig. Kalter Krieg und atomare Aufrüstung, wissenschaftlicher wie religiöser Fanatismus, evolutionäre Fragen wie der Unterschied zwischen Mensch und Tier, gesellschaftliche und ethnologische Spannungen, Fortschrittsglaube und Kulturpessimismus – die Story verhandelt eine Vielzahl von Themen, ohne in seiner Bedetungsschwangerschaft aufzugehen wie eine trächtige Bonobo-Mama. Der Planet der Affen funktioniert auch als simple Abenteuergeschichte. Das macht diesen Film so groß.

Fazit nach Runde 3:

And the winner is…das Original. Der 2001er Planet der Affen verlässt sich zu sehr auf seinen Look, seine affigen Nebendarstellern und seine (bisweilen platten) Anspielungen, als dass er sich zum König im Affenstall aufschwingen könnte. Besser als sein Ruf, aber in diesem Battle chancenlos. Auch das Reboot streckt nach erbittertem Kampf alle Viere von sich. Kühle Beobachter werden nun einwenden: Dieser Ausgang war abzusehen. Das Original lässt sich zu Recht feiern!

Doch was ist das? Der Champion wird hinterrücks angriffen – von Planet der Affen: Revolution. Dessen Körpersprache lässt keine Zweifel: Das Ding ist noch nicht gegessen. Gewalt führt zu noch mehr Gewalt. Im Duell der „Erstlinge“ mag das Original zwar siegen. Aber wenn das Reboot-Stable komplett ist, dann werden die Karten neu gemischt: In einem „Alte Saga gegen Neue Saga“-Elemination Match. Tickets auf gibt es schon jetzt auf Anfrage.

Fotos: Fox/Stefan Klaasen (pixelio.de)

Planet of The Apes Triple Threat

Patrick

Patrick

Mit Gameboy und Ghostbusters aufgewachsen, teilt Patrick das Schicksal vieler 1980er-Jahrgänge. Die viereckigen Augen wird er nicht mehr los. Stünde aufgrund seines ausgeprägten Sammlertriebes ohne Steam & Stream vor dem finanziellen Ruin. Hätte gerne einen purpurnen Tentakel als Haustier. Patrick arbeitet bei einem großen Medienunternehmen und geht auf journalistenfilme.de immer öfter den Medien-Nomaden fremd.

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